Konjunkturspiegel Handwerkswirtschaft auf solidem Grund

Das Handwerk geht mit großen Erwartungen ins neue Jahr. Von Krisenstimmung kann keine Rede sein. Der Geschäftsklimaindex, der die Einschätzung der aktuellen und der zukünftigen Lage abbildet, ist im Laufe des vierten Quartals nur moderat von 89 auf 85 Punkte zurückgegangen. Nach wie vor bilden das niedrige Zinsniveau und die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt ein stabiles Fundament für die Binnennachfrage.

Davon profitiert das Handwerk. Sowohl Konsumenten als auch Unternehmen wollen investieren – hauptsächlich in Wohnraum, Fahrzeuge, Maschinen und elektrische Ausrüstung. Zudem ist die Instandsetzung älterer Bauwerke mit Wertsteigerung und Energieeinsparung verbunden. Auch der demografische Wandel treibt die Konjunktur an: Der altersgerechte Umbau oder seniorenspezifische Dienstleistungen gewinnen an Bedeutung.

Die Beschäftigung nahm zwischen September und Dezember 2011 aus saisonalen Gründen geringfügig ab. Lediglich jedes neunte Unternehmen reduzierte seine Belegschaft – eine vergleichsweise niedrige Quote. Gegenüber dem Vorjahresquartal kann man von einem erneuten Beschäftigungszuwachs ausgehen. Damit steht in der Gesamtjahresbilanz ein Plus von wenigstens 0,5 Prozent.

Rund 4,82 Millionen Handwerker in Deutschland

2011 waren in den vom amtlichen Register erfassten Handwerksunternehmen rund 4,82 Millionen Menschen tätig. Der Personalzuwachs hätte noch höher ausfallen können, allerdings trat vor allem in Elektro- und Metallberufen eine gravierende Unterversorgung mit Fachkräften auf.

Ihre Auslastung fuhren die Betriebe in der Meldeperiode nur um einen Punkt zurück. Mit 79 Prozent lag der Indikator erneut über dem Vorjahr, so dass die langfristige Tendenz aufwärtsgerichtet blieb.

Der Auftragseingang hat in den letzten drei Monaten des abgelaufenen Jahres nach einer längeren dynamischen Phase nachgegeben. Am ehesten sichtbar wird dies im Bauhauptgewerbe und bei den Kfz-Betrieben. Ende Dezember 2011 verfügte das deutsche Handwerk über Auftragsreserven von durchschnittlich 1,6 Monaten (Vorjahr: 1,5 Monate).

Unternehmer wollen investieren

Die Umsätze blieben auf Wachstumskurs, wobei sich die konjunkturellen Impulse im Herbst verringert haben dürften. In Relation zu dem kalten und schneereichen Schlussquartal 2010 konnte die Bautätigkeit aber nochmals kräftig ausgeweitet werden. Zudem verlief das Weihnachtsgeschäft aus Sicht der konsumnahen Handwerke zufriedenstellend. Alles in allem nahm der Handwerksumsatz 2011 voraussichtlich um mindestens sechs Prozent zu.

Niedrige Zinsen und Kredithürden sowie optimistische Geschäftserwartungen bildeten den Rahmen für die hohe Investitionsbereitschaft der Firmeninhaber. Die Ausgaben für Baumaßnahmen, Maschinen, Fahrzeuge und Geräte lagen weiter klar über dem Vorjahresniveau. we/los

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