Erst 100 ausländische Berufsabschlüsse anerkannt Anerkennung ausländischer Abschlüsse: Viele Beratungen, wenige Anträge

Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse in Deutschland läuft nur schleppend an. Seit Inkrafttreten des Gesetzes im April seien weniger als 100 Qualifikationen anerkannt worden, sagte der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, in Berlin. Gründe für die wenigen Antragstellungen gibt es mehrere.

Die Seite "anerkennung-in-deutschland" wird auch aus dem Ausland vielfach aufgerufen. - © dhz

Nach Schätzung von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sollten in den ersten beiden Jahren jeweils rund 25.000 Menschen von dem Gesetz profitieren. Damit Interessierte leichter an Informationen gelangen, wurden vom Bundesministerium sogar das Portal Anerkennung-in-Deutschland online gestellt. Seit April sind aber bundeweit nur knapp 100 Qualifikationen anerkannt worden.

Heinrich Alt sagte: "Was uns häufig fehlt bei diesen Themen, ist Information und Geduld." Den Migranten müsse erst einmal vermittelt werden, dass ihre Zertifizierung in Deutschland anerkannt wird. "Ich behaupte einmal, die meisten wissen nicht, dass es dafür geregelte Verfahren gibt." Dass es noch viel Beratungsbedarf gibt, zeigen die Zahlen einiger Handwerkskammern.

Hoher Beratungsbedarf bei den Handwerkskammern

In der Handwerkskammer für München und Oberbayern war zum Beispiel in den ersten sechs Monaten ein hoher Beratungsbedarf vorhanden, der jedoch häufig nicht zu einer Antragsstellung führte. Es gibt nach Angaben der Kammer aber eine leichte Zunahme der Antragstellungen und Beratungen.

Ein ähnliches Bild zeichnet der Baden-Württembergische Handwerkstag. "Es gibt zwar viele Beratungen, etwas über 500 in Baden Württemberg", sagt Stefan Baron, Abteilungsleiter Bildungspolitik beim Baden-Württembergischen Handwerkstag. "Aber nur wenige führten in ein Antragsverfahren."  

In Mannheim gab es zum Beispiel 150 Beratungen, aber nur acht Anträge, in Stuttgart gab es 150 Beratungsgespräche und 90 Anträge. Ähnlich in Oberbayern. Die Handwerkskammer für München und Oberbayern hatte 368 telefonische Kontakte und 198 Beratungstermine seit April, aber nur 36 Anträge und im Rahmen ihrer Leitkammertätigkeit wurden lediglich zwei volle Gleichwertigkeiten festgestellt. Für diesen mangelnden Ansturm gibt es mehrere Gründe.

"Zum einen können die Handwerkskammern vielen Personen auch anders helfen", sagt Baron. Um einen anerkannten Abschluss zu erhalten gibt es beispielsweise die Möglichkeiten einer Externenprüfung oder einer Nachqualifizierung.

Außerdem kann ein solches Verfahren bis zu 600 Euro kosten. "Auch deswegen winken dann viele ab", so Baron. Und letztlich sei das Verfahren doch sehr aufwendig, wenn "es dann  eröffnet ist."

"Die Prüfung und Feststellung der Qualifikation bedeutet sehr viel Aufwand für die Kammermitarbeiter." Die Handwerkskammern beispielweise müssen nicht nur die Zeugnisse einsehen, sondern auch Daten von den Heimatländern abfragen. Viele Antragsteller hätten zudem Probleme, alle Zeugnisse vorzulegen.

Antragsteller leben in Deutschland

Bei den Antragstellern handelt es sich meist um Migranten, die schon lange in Deutschland leben und auch arbeiten und sich von einer Anerkennung ihres ausländischen Berufsabschlusses zum Beispiel ein höheres Gehalt erhoffen. Viele stammen aus der Türkei, Polen, Rumänien oder Serbien.

Wer einen ausländischen Abschluss anerkennen lassen will, kann dies bei den zuständigen Kammern oder Behörden beantragen. Diese müssen innerhalb von drei Monaten über die Gleichwertigkeit des Abschlusses befinden. Verläuft dieser Positiv erhält der Antragsteller ein "Gleichwertigkeitszeugnis ". Mehr Informationen wie die Anerkennung funktioniert erhalten Sie im DHZ-Beitrag "So funktioniert das Anerkennungsgesetz in der Praxis ". dapd/rh