Ausbildung in der Bäckerei Abgelehnter Asylantrag: Eine Lehrstelle für Rashid

Obwohl sein Asylantrag in Deutschland abgelehnt wurde, konnte Rashid Muhammad aus Pakistan eine Ausbildung zum Bäcker beginnen. Möglich wurde das, weil ein Handwerksmeister, ein Politiker und ein Lehrer sich für ihn einsetzten.

Daniela Lorenz

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    Zukunftsperspektive in Deutschland: ­Bäckermeister Manfred Salger (links) bildet ­Rashid Muhammad in den nächsten drei Jahren zum Bäcker aus.
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    Um Vielfalt in Unternehmen und Organisationen geht es am 3. bundesweiten "Diversity-Tag".

Seine dunklen Augen werden traurig, wenn er nach seiner Familie gefragt wird. Sie ist nicht mehr am Leben. Rashid Muhammad flüchtete im Alter von 14 Jahren aus Pakistan – zu Fuß und allein. Dass er nach Jahren auf der Flucht jetzt in Deutschland trotz eines abgelehnten Asylantrags eine berufliche Perspektive hat, verdankt er engagierten Menschen aus dem Landkreis Unterallgäu und seiner eigenen Motivation.

Seit 1. September 2014 wird er in der Bäckerei Fäßler in Mindelheim zum Bäcker ausgebildet. Hans-Joachim Weirather, Landrat des Landkreises Unterallgäu, gab seine Zustimmung: "Wenn alle Konstellationen so gut passen, bin ich gerne bereit, die rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen."

Asylbewerber und ehemalige Asylbewerber unterliegen in Deutschland keinem generellen Arbeitsverbot. Auch ein abgelehnter Asylbewerber kann unter bestimmten Bedingungen noch eine Arbeitserlaubnis erhalten. Die Kriterien sind dann strenger und liegen im Ermessen der Behörden. Für Landrat Weirather gehörte dazu der Ausbildungsplatz in einem Beruf mit Fachkräftemangel .

Sein Engagement beeindruckte den Chef

Dass auch die Motivation bei ­Rashid Muhammad stimmt, zeigt der Einsatz seines Lehrers in der Integrationsklasse der Staatlichen Berufsschule Mindelheim und eines Betreuers des Kolpingbildungswerks, die ihm zunächst ein Praktikum bei der Bäckerei Fäßler vermittelten. Zweimal in der Woche stand der 20-Jährige für fast ein halbes Jahr mit in der Backstube. Lohn durfte er dafür nicht bekommen. Sein Engagement beeindruckte den Chef: "Er hat sich von Anfang an sehr gut eingeführt", sagt Inhaber Manfred Salger.

Es entwickelte sich die Idee, ­Rashid Muhammad einen Ausbildungsplatz anzubieten. "Ich habe schon lange nach einem Auszubildenden gesucht", sagt Salger. Ein Angebot, das Muhammad gerne annahm. "Mir gefällt die Arbeit sehr", sagt er und auch das zeitige Aufstehen sei für ihn kein Problem. Nur, dass er sich früher als andere schlafen legen muss, sei manchmal etwas schwierig. Rashid Muhammad wohnt weiter in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Mindelheim.

Der Weg, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, war dann zwar nicht einfach, doch am Ende erfolgreich. "Es freut mich, dass wir hier ein so gutes Beispiel haben, bei dem alle Zahnräder ineinandergreifen: Wir geben einem jungen Menschen eine Perspektive und wir können den Bedarf eines Handwerksbetriebs decken", sagt Landrat Weirather. Insbesondere Letzteres könnte ein Grund sein, auch die Gruppe der Asylsuchenden als Fachkräfte von morgen wahrzunehmen.

Auf ausländische Arbeitskräfte setzen

"Der Fachkräftemangel wird immer größer. Wir werden immer mehr auf ausländische Arbeitskräfte setzen müssen", ist sich Bäckermeister Salger sicher. Die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland wächst. Im ersten Halbjahr 2014 wurden 67.441 Erstanträge gestellt, knapp 57 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2013. Die meisten Asylbewerber kommen nach Angaben des Bundesinnenministeriums derzeit aus Syrien .

"Wichtig ist doch, Asylbewerber in die Gesellschaft zu integrieren. Und wie könnte das besser gelingen, als ihnen eine berufliche Perspektive zu geben", sagt Salger. Das sieht auch Landrat Weirather so: "Was können wir einem jungen Menschen Besseres tun, als ihm eine Zukunftsperspektive zu geben." Rashid Muhammad ist dankbar für diese Chance: "Ich möchte gerne in Deutschland bleiben." Seine Fürsprecher werden ihn sicher auch dabei unterstützen.