Die Motivation ist sehr unterschiedlich. "Mich treibt die Neugier her", sagt Jan-Piet Jaschinski (19), als er am Montag mit einem Seesack die Julius-Leber-Kaserne in Berlin betritt. Er wohnt gleich in der Nähe, in Charlottenburg. Der 17-jährige Sergej Saratow kommt aus Erfurt und will einfach "was Neues ausprobieren" - wegen seines Alters noch mit Zustimmung der Eltern.
Zwischen Neugier und Langeweile: Armee auf Probe
Berlin (dapd). Die Motivation ist sehr unterschiedlich. "Mich treibt die Neugier her", sagt Jan-Piet Jaschinski (19), als er am Montag mit einem Seesack die Julius-Leber-Kaserne in Berlin betritt. Er wohnt gleich in der Nähe, in Charlottenburg. Der 17-jährige Sergej Saratow kommt aus Erfurt und will einfach "was Neues ausprobieren" - wegen seines Alters noch mit Zustimmung der Eltern. Und bei Sven Geweiler (18) aus Witten bei Bochum steht eine mögliche Karriere bei der Bundeswehr im Vordergrund. Gemeinsam ist ihnen, dass es sich um den ersten Schwung der neuen, freiwillig Wehrdienstleistenden handelt.
Der erste, den Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) an diesem trüb-grauen Vormittag mit Handschlag begrüßt, ist Arne Buchheister. Für den 22-Jährigen ist der Bund kein Unbekannter mehr. "Ich habe bereits meinen Grundwehrdienst geleistet. Dann war ich zwei Jahre bei der Polizei. Ich bin ein Wiedereinsteller", sagt der junge Mann, auf den sich am Montag die Journalisten stürzen. Eine Geschichte ist das allemal.
So manch neuer Rekrut ist mit Angehörigen gekommen, mit Freundin oder Eltern. Jetzt stehen sie zur Begrüßung in einer Reihe. Der Verteidigungsminister nimmt sich Zeit für jeden. "Wo kommen Sie her? Was erwarten Sie von der Bundeswehr", fragt de Maizière. Es interessiert ihn wirklich. Und ein "Herzlich Willkommen" beendet dann fast jedes der kurzen Gespräche. Die paar "alten Hasen", die freiwillig wiedergekommen sind, reiben sich verdutzt die Augen: "Der Ton hat sich schon geändert, seit die Wehrpflicht abgeschafft wurde."
Ja, attraktiv soll die Bundeswehr sein, kameradschaftlich, fordernd und innovativ. "Wir dienen gemeinsam einer gute Sache", sagt de Maizière, als er kurz das Händeschütteln unterbricht und den neuen Slogan der Streitkräfte vorstellt: "Wir. Dienen. Deutschland.". Bisher galt die Bundeswehr in der Selbstdarstellung als "eine starke Truppe". Eine solche Werbung könnte in Zeiten der Freiwilligkeit nach hinten losgehen.
Sechs Monate Probezeit stehen ab sofort am Beginn des Wehrdienstes. Egal wie lang der ist. De Maizière wird gefragt, ob diese Wartezeit angebracht ist. "Das finde ich richtig", antwortet der Minister. Denn in dieser Zeit könne der junge Soldat feststellen, ob die Truppe überhaupt zu ihm "passt". Und die Bundeswehr, das verschweigt de Maizière keineswegs, kann das ebenfalls prüfen: "Wir wollen nicht jemanden haben, der seinen Gewalttraum auslebt." Ein Rambo fliegt.
Noch hat die Bundeswehr keine Erfahrungen mit dem Rausschmiss, räumt der Personaloffizier des Wachbataillons, Hauptmann Ernst Schüßling, ein. Dafür gebe es schon einen schriftlichen Gründe-Katalog. Also: Theoretisch vorbereitet sei man schon. Aber jetzt begrüßt er erst einmal die Neuen - 158 Mann hat er auf seiner Liste stehen. Jeder von ihnen kann in den kommenden Wochen gehen, wann er will. "Ohne eine Begründung", erzählt Schüßling. Eben eine echte Probezeit.
Die Freiwilligen, die bleiben wollen und können, sind es, auf die die Spitze der Bundeswehr setzt. Denn in anderen NATO-Staaten hat es bei Berufsarmee harsche Nachwuchsprobleme gegeben, es sind die Kosten stetig nach oben geschossen und das Bildungsniveau nach unten. Das will der Verteidigungsminister unbedingt verhindern und die Bundeswehr mit den Freiwilligen "in der Mitte der Gesellschaft" halten.
Zwölf Monate hat sich Paul Jerichow aus dem brandenburgischen Ziesar zunächst verpflichtet. Mit dem Abitur ist er fertig. Doch weiß er immer noch nicht, was er einmal werden will. Da will sich der 19-Jährige Zeit zum Überlegen nehmen. Warum er dafür sich freiwillig zum Wehrdienst meldet? "Diese Zeit will ich einfach sinnvoll nutzen."
dapd
