Statistisches Bundesamt Zweigeteilte Konjunkturentwicklung im Bau hält an

Die Auftragslage im Baugewerbe hat sich im Juli weiter verschlechtert. Einen möglichen Ausweg zeigt eine neue Studie auf: Zehn Prozent mehr Baugenehmigungen seien möglich.

Wohnungsbau
Die Auftragslage im Wohnungsbau stürzt weiter ab. - © Kara - stock.adobe.com

Die Auftragseingänge der deutschen Bauwirtschaft sind im Juli weiter zurückgegangen. Dies gilt insbesondere für den Wohnungsbau. "Die zweigeteilte Konjunkturentwicklung im Bauhauptgewerbe setzt sich fort", sagte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutschen Baugewerbe (ZDB) zu den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Im Hochbau, speziell im Wohnungsbau, fehlten seit Monaten Impulse. Besser laufe es im Tiefbau. Hier hielten die Energie- und Mobilitätswende die Nachfrage am Laufen. Im Vergleich zum Vormonat waren die Aufträge preis- und saisonbereinigt um 5,9 Prozent zurückgegangen. Verglichen mit dem Vorjahresmonat waren es sogar 9,7 Prozent.

Hochbau besonders von Auftragsrückgang betroffen

Besonders betroffen war der Hochbau. Hier sind die Auftragseingänge nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Vergleich zum Vormonat um 12,2 Prozent eingebrochen. Im Tiefbau fiel der Rückgang mit 0,7 Prozent deutlich geringer aus. Auch im Jahresvergleich war ein Minus zu verbuchen: So gingen die Aufträge im Hochbau insgesamt um 15,9 Prozent zurück, im Tiefbau war es ein Minus von vier Prozent.

Umsätze ebenfalls rückläufig

Bei der Entwicklung der Umsätze machen sich ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen Hoch- und Tiefbau bemerkbar. Während sich im Tiefbau die Umsätze im Vergleich zum Vormonat um 9,9 Prozent erhöhten, sanken sie im Hochbau um 3,9 Prozent. Insgesamt hat sich der Umsatz in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres preisbereinigt um 1,3 Prozent verringert.

Pakleppa für effektivere Förderpolitik

Allein im Wohnungsbau ist der Umsatz nach den Worten Pakleppas von Januar bis Ende Juli um 1,7 Milliarden Euro oder zwölf Prozent zurückgegangenen. "Es wird für die Unternehmen im Wohnungsbau immer schwieriger, ihre Kapazitäten zu halten", warnte Pakleppa. "Wenn wir hier die Kurve kriegen wollen, muss die Bundesregierung bei ihrer Förderpolitik von den ambitionierten Energieeffizienzstandards Abstand nehmen", forderte er. Bauwillige bräuchten eine belastbare Zinsstütze für den EH 55-Standard.

Studie unterstreicht Wunsch nach niedriger Grunderwerbsteuer

Zudem plädiert die Bauwirtschaft für eine niedrigere Grunderwerbsteuer. "Die Grunderwerbsteuer hat sich für Familien zu einer riesigen Hürde bei der Eigentumsbildung aufgetürmt. Mit Blick auf die Wohnungsnot brauchen wir aber jedes private Bauvorhaben", sagte Pakleppa. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, haben verschiedene Verbände der Bauwirtschaft eine entsprechende Studie beim arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln in Auftrag gegeben. Diese kommt zum Ergebnis, dass eine Halbierung der Grunderwerbsteuer nicht nur die Zahl der Baugenehmigungen um fast zehn Prozent steigerte. Die aktivierte Bautätigkeit würde auch die Mindereinnahmen der halbierten Grunderwerbsteuer mehr als kompensieren, hieß es.