Zwei Handwerksmeister im Rallyefieber

Bei der 24. ADAC Bavaria Historic gehen Monika Kellerer und Rainer Friebel in einer VW T1 Doka auf Sekundenjagd. Drei anstrengende Tage werden zu einem unvergesslichen Erlebnis. Von Ulrich Steudel

Zwei Handwerksmeister im Rallyefieber

Anstrengend, aber schön. Im Ziel waren sich Monika Kellerer und Rainer Friebel einig: Die Bavaria Historic ist nicht nur eine große Herausforderung, sondern vor allem ein unvergessliches Erlebnis. Die Schuhmachermeisterin aus Eisenhofen bei Dachau und der Fliesenlegermeister aus Lichtenau bei Chemnitz durften in einer T1 Doppelkabine von Volkswagen bei der Oldtimerrallye mitfahren, weil sie die Startplätze bei einer Aktion der Deutschen Handwerks Zeitung gewonnen hatten.

Tack, tack, tack, tack ... Die Geräusche des Tripmasters begleiten Rainer Friebel und Matthias Herberger auf ihrer Fahrt durch das Chiemgau und das Salzburger Land. Alle zehn Meter rückt das mechanische Zählwerk weiter, ohne das die richtige Route nur schwer in der vorgegebenen Zeit zu finden wäre. Die Unterhaltung im Cockpit beschränkt sich auf nüchterne Kommandos. Alles konzentriert sich auf die Wertungsprüfungen und Sollzeitkontrollen, wo es auf jede Hundertstelsekunde ankommt.

Rainer Friebel und sein Copilot dürfen sich keine Unaufmerksamkeiten leisten, wollen sie die rund 400 Kilometer lange Alpenetappe am zweiten Tag ohne große Zeitstrafen über die Runden bringen. Monika Kellerer hat das Steuer ihrem Mann Bernhard überlassen, wohl wissend, dass vom Beifahrer besonders viel abhängt – gerade in den Wertungsprüfungen. "Ich muss den Tripmaster nullen, die Stoppuhr starten, das Roadbook im Blick haben und Richtungsanweisungen geben. Und manchmal alles gleichzeitig." Für das Bergpanorama rund um Fuschel- und Wolfgangsee fehlt ihr heute die Muse, zu groß ist die Anspannung.

Zur Hochzeit im Barockengel

Mit den historischen Fahrzeugen hatten die beiden Teams der Deutschen Handwerks Zeitung jedoch keinerlei Probleme. Schließlich stehen auch bei ihnen Oldtimer in der Garage. Mit ihrem BMW 501 (Baujahr 1958), besser bekannt als Barockengel, hat Monika Kellerer schon Hochzeitspaare chauffiert und ein Fahrsicherheitstraining absolviert. Rainer Friebel kann sogar auf erfolgreiche Wettkämpfe zurückblicken, wurde mit seinem Skoda Felicia (Baujahr 1960) 2003 und 2009 Sachsenmeister. "Allerdings fahren wir nach einem ganz anderen Reglement", sagt Rainer Friebel.

Ein Wettbewerb mit einem der legendären Bullis ist dann aber doch eine ganz neue Erfahrung für die beiden Handwerksmeister. Die Doppelkabine, kurz Doka genannt, gilt als seltenste Karosserieform des T1, der ersten Generation der VW-Transporter. Zwischen 1958 und 1967 wurden nur knapp 80.000 Autos gebaut. Heute sind in Deutschland keine 100 Dokas mehr zugelassen, schätzt VW-Pressesprecher Nikolas Waldura. Entsprechend hoch stehen sie im Kurs. Ende der 60er Jahre noch für rund 6.800 Mark zu haben, liegt der Wert einer restaurierten T1 Doka heute zwischen 20.000 und 25.000 Euro. Da wundert es nicht, dass das VW-Serviceteam die Technik keinem unnötigen Risiko aussetzen möchte. Und so mussten Rainer Friebel und Matthias Herberger nach dem ersten Tag auf eine T2 Doka umsteigen, weil durch ein defektes Hydroventil ein Motorschaden drohte. Ihrem Ehrgeiz tat dies keinen Abbruch. Gleich in der ersten Wertungsprüfung der zweiten Etappe holten sie sich den Sieg mit einer Abweichung von 62 Hundertstelsekunden in vier Sollzeitkontrollen. Bis zum Abend waren sie auf Platz vier in der Kategorie "Sportlich Leger" vorgefahren. Das Ehepaar Kellerer rangierte auf Platz sechs. Allerdings büßten beide Teams auf der letzten Etappe durch das oberbayrische Fünf-Seen-Land noch zwei Plätze ein.

Italiener fährt allen davon

Den Gesamtsieg holte sich der Italiener Gianmaria Aghem vor dem Favoriten Norbert Henglein aus Mittelfranken. Aghem hatte mit seinem Lancia Fulvia (Baujahr 1970) nach 115 Messstellen eine Abweichung von 5,81 Sekunden von der Sollzeit. In der Kategorie "Sportlich Leger", in der die DHZ -Teams mitfuhren, gewann Dieter Glockner aus Schwabach, der mit Beifahrerin Edith Fiermann in einem Jaguar XK 150 (Baujahr 1961) unterwegs war.

Bei der Siegerehrung im Kesselhaus Kolbermoor herrschte zum Abschluss beste Stimmung. „Am liebsten würde ich morgen weiterfahren“, sagt Bernhard Kellerer. Im nächsten Jahr will Familie Kellerer jedenfalls wieder zur Bavaria Historic kommen. Mit ihren beiden kleinen Töchtern möchten sie die Oldtimer-Rallye einmal als Besucher erleben. „Ganz entspannt, ohne Stoppuhr und Tripmaster“, sagt Monika Kellerer.