Umfrage im Auftrag des DGB 15 Euro Mindestlohn: Bürger dafür, Arbeitgeber warnen

Ende Juni berät die Mindestlohnkommission über die künftige Höhe. Eine Umfrage im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbunds zeigt Rückhalt in der Bevölkerung für 15 Euro. Doch Teile des Handwerks äußern ernste Bedenken.

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66 Prozent der Befragten befürworten laut DGB-Umfrage einen Mindestlohn von 15 Euro; aktuell liegt er bei 12,82 Euro. - © Parilov - stock.adobe.com

Eine Umfrage zeigt: Eine deutliche Mehrheit der Menschen in Deutschland unterstützt eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 15 Euro pro Stunde. Nach einer Befragung im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) finden 66 Prozent diesen Schritt richtig, 32 Prozent lehnen ihn ab. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte dafür 1.504 Personen. Die Ergebnisse liegen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor.

Derzeit liegt der Mindestlohn bei 12,82 Euro pro Stunde. Über die künftige Höhe entscheidet Ende Juni die unabhängige Mindestlohnkommission. In diesem Gremium sitzen Vertreter der Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften. Der DGB setzt sich für eine Erhöhung auf rund 15 Euro ein. Bei der letzten Empfehlung vor zwei Jahren überstimmten die Arbeitgeber die Gewerkschaften.

Unterstützung je nach Partei unterschiedlich

Die Befragung zeigt deutliche Unterschiede bei den Anhängern der Parteien. Die stärkste Zustimmung zur Erhöhung gibt es bei Anhängern der SPD (88 Prozent), der Grünen (86 Prozent) und der Linken (82 Prozent). Auch bei Anhängern von CDU/CSU (55 Prozent) und BSW (58 Prozent) ist eine Mehrheit dafür.

Mehrheitlich gegen 15 Euro Mindestlohn sind dagegen Anhänger der AfD (53 Prozent dagegen, 45 Prozent dafür) und der FDP (61 Prozent dagegen, 33 Prozent dafür). Menschen, die eine Erhöhung auf 15 Euro ablehnen, nennen vor allem zwei Gründe: 34 Prozent befürchten Preissteigerungen, 24 Prozent sehen negative Folgen für Unternehmen.

Handwerkspräsident warnt vor massiver Belastung

Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), warnte im April gegenüber dem Portal t-online vor einer "massiven Belastung" für die Betriebe. Auch wenn in vielen Handwerksberufen die Löhne bereits über dem Mindestlohn lägen, ziehe eine Erhöhung auf 15 Euro das gesamte Tarifgefüge nach oben. Ein Anstieg des Mindestlohns um zwei Euro führe zu einem Anstieg des Stundenverrechnungssatzes um vier bis sechs Euro. Das liege an höheren Sozialabgaben und der höheren Mehrwertsteuer auf den dann gestiegenen Preis.

Da das Handwerk sehr personalintensiv sei, schlügen höhere Personalkosten direkt auf den Endpreis für den Kunden durch. In Gewerken wie dem Friseurhandwerk, wo Personalkosten fast 80 Prozent des Preises ausmachten, werde der Besuch "deutlich teurer".

Friseurhandwerk befürchtet Dominoeffekt und Schwarzarbeit

Auch Dirk Reisacher vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks (ZV) erklärte im März in einem Interview, dass eine Anhebung des Mindestlohns, der für ungelernte Kräfte gedacht sei, einen Dominoeffekt auslöse. Wenn die unterste Lohnstufe steige, müsse auch in den darüberliegenden Stufen für qualifizierte Mitarbeiter erhöht werden, um das Lohngefüge zu wahren. Dieser "Kamineffekt" ziehe sich durch alle Lohnstufen. Eine Erhöhung des Mindestlohns von derzeit 12,82 Euro auf 15 Euro entspreche einem Anstieg von 17 Prozent. Ein Mitarbeiter, der aktuell 2.800 Euro brutto verdiene, würde dann 3.276 Euro erhalten – 476 Euro mehr. Nach einer Faustregel müsse ein Mitarbeiter das Vierfache seines Lohns an Umsatz erwirtschaften. Dies bedeute für das Beispiel einen zusätzlichen Umsatzbedarf von rund 23.000 Euro pro Jahr und Mitarbeiter.

Preissteigerungen seien laut Reisacher unvermeidlich, doch die Akzeptanz der Kunden habe Grenzen. Der ZV-Vertreter befürchtet Betriebsschließungen, eine Verkleinerung von Salons hin zu Solo-Selbstständigkeit und einen deutlichen Anstieg der Schwarzarbeit.

DGB-Chefin: "Inakzeptabel"

DGB-Chefin Yasmin Fahimi begründet die Forderung ihrer Organisation. Es sei wichtig, die Menschen in den Blick zu nehmen, die trotz Arbeit wenig verdienen. Manchmal reiche das Einkommen nicht zum Leben. Weniger als 60 Prozent des sogenannten Medianlohns seien Armutslöhne, so Fahimi. Mit solchen Löhnen könne man Miete, Energie oder Einkäufe kaum finanzieren. Viele Betroffene seien gezwungen, ergänzend staatliche Leistungen zu beziehen. Das sei "inakzeptabel". Deswegen setzten sich die Gewerkschaften für eine spürbare Steigerung ein.

Haltung der Politik

Die Koalition aus Union und SPD nennt in ihrem Koalitionsvertrag einen Mindestlohn von 15 Euro "erreichbar". Die Bundesregierung pocht auf die Unabhängigkeit der Mindestlohnkommission. Gleichzeitig nennt sie Kriterien für deren Entscheidung: die allgemeine Tarifentwicklung und 60 Prozent des Medianbruttolohns von Vollzeitbeschäftigten. dpa/dhz