Bei einem Selbstmordattentat auf ein Gebäudekomplex des Gouverneurs der nordafghanischen Provinz Tachar sind am Samstag nach offiziellen Angaben zwei Bundeswehrsoldaten sowie mindestens vier Afghanen getötet worden.
Zwei deutsche Soldaten bei Selbstmordanschlag in Nordafghanistan getötet
Kabul (dapd). Bei einem Selbstmordattentat auf ein Gebäudekomplex des Gouverneurs der nordafghanischen Provinz Tachar sind am Samstag nach offiziellen Angaben zwei Bundeswehrsoldaten sowie mindestens vier Afghanen getötet worden. Drei weitere deutsche Soldaten wurden verletzt, darunter auch General Markus Kneip, der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe ISAF in Nordafghanistan, teilte Verteidigungsminister Thomas de Maizière am Samstagabend in Berlin mit. Zu dem Anschlag bekannten sich die Taliban.
Der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam, Generalleutnant Rainer Glatz, sagte, auf den Gouverneurspalast in Talokan in der Provinz Tachar hätten höchstwahrscheinlich mehrere Selbstmordattentäter einen Anschlag verübt. Ihr Ziel sei eine deutsch-afghanische Delegation gewesen, die sich dort zu einer Sicherheitskonferenz getroffen habe.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Selbstmordanschlag in Afghanistan als "mörderische Menschenverachtung". Sie sei "schockiert und traurig" über das Attentat mit Toten und Verwundeten, teilte Merkel am Samstag in Berlin mit. Den Angehörigen der Toten gelte ihr aufrichtiges Mitgefühl, den Verletzten wünsche sie von Herzen eine baldige und vollständige Genesung.
Die Bundeskanzlerin forderte eine gründliche Untersuchung des Attentats durch die afghanischen Behörden, damit die Schuldigen so rasch wie möglich zur Rechenschaft gezogen werden können.
Attentäter trug Polizeiuniform
Die Explosionen ereigneten sich während eines Treffens in dem Bürogebäude, sagte Lal Mohammad Ahmadsai, Sprecher der afghanischen Polizei, der sich zum Zeitpunkt des Attentats im Gebäude aufhielt. "Was wir wissen, ist, dass der Attentäter eine Polizeiuniform trug", sagte Fais Mohammad Tauhedi, ein Sprecher des bei dem Anschlag verletzten Gouverneurs Abdul Dschabar Takwa. "Wie er den Konferenzraum betrat und warum er nicht durchsucht wurde, wissen wir nicht", sagte Tauhedi. Offenbar war es dem Attentäter gelungen, in einen Raum in dem Gebäudekomplex zu gelangen, in dem am Samstag ein Treffen hochrangiger afghanischer Vertreter mit Mitgliedern der NATO-Truppen stattfand. Die Bundeswehr ist für die Sicherheit im Norden des Landes zuständig.
Bei dem Anschlag wurde der Polizeichef Nordafghanistans und frühere Minister für Drogenbekämpfung, General Daud Daud getötet, sagte Basech. Demnach kamen außerdem der Polizeichef der Provinz, ein Sekretär des Gouverneurs und ein Leibwächter Dauds ums Leben. Zehn Afghanen seien verletzt worden, darunter auch der Gouverneur Abdul Dschabar Takwa, der Verbrennungen an Kopf, Rücken und Händen erlitten habe, sowie sein Kameramann und acht Mitglieder der Sicherheitsdienste, sagte der Direktor der Gesundheitsbehörden der Provinz, Hassain Basech.
Talibansprecher Sabiullah Mudschahid sagte, der Anschlag sei Teil einer Kampagne zur Ermordung hochrangiger Beamter. Außerdem habe das Attentat die Pläne der afghanischen Streitkräfte für eine Offensive im Norden des Landes untergraben sollen, sagte er. Der afghanische Präsident Hamid Karsai verurteilte den Selbstmordanschlag als "barbarischen Terrorakt".
Erst vor zehn Tagen waren bei Zusammenstößen vor einem Bundeswehrlager in derselben Provinz zwölf Menschen getötet worden.
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