Short Messaging Service Zukunft der SMS ungewiss

Sie war neben dem Telefonieren das Kommunikationsmittel der Nuller Jahre. Trotz anfänglich hoher Preise und einer Begrenzung von 160 Zeichen erfreute sich die SMS einer großen Beliebtheit. Doch ihre Tage könnten gezählt sein.

Jonas Rosenberger

SMS mussten früher mühselig über das Ziffernblatt eingetippt werden - © Foto: RightOne/iStock

An das erste Handy können sich die meisten wohl noch gut erinnern. Ab dem Jahr 2000 beeindruckten sie zunehmend mit ihrer kleinen Größe und Handlichkeit. Die Bildschirme waren klein, schwarzweiß und niedrig aufgelöst. Sie leuchteten grün. Handys begannen, möglichst viele Funktionen in einem Gerät zu versammeln. Dazu gehörten Taschenrechner, Telefonbuch und Spiele. Das beliebteste vorinstallierte Spiel bei den meisten war vermutlich "Snake".

Aber auch ein weiterer Dienst, der "Short Message Service", war mit im Paket. Die SMS prägte die Kommunikation der Nuller Jahre ganz entscheidend mit. Erstmals konnte man außerhalb von E-Mail und Brief schriftlich mit jemandem kommunizieren. Beim Tippen einer längeren Nachricht war es bei manchen Geräten der Fall, dass die Verarbeitungsgeschwindigkeit sank. Das aber war erst dann ein Problem, als es möglich war, eine Mitteilung in zwei oder mehr SMS gestückelt zu versenden. Denn erlaubt waren eigentlich nur 160 Zeichen .

Überhaupt war es recht mühselig, eine SMS zu schreiben. Schließlich war das Handy noch in erster Linie zum Telefonieren gedacht und entsprechend entwickelt worden. Um etwa das Wort 'Hallo' zu schreiben, musste man die Zahlenfolge 442555555666 tippen. Aber SMS war eben auch nur als ein Nebenprodukt der sich etablierenden GSM-Netze entstanden.

Mobiles Internet der Hauptgegner

Die erste Kurznachricht wurde 1992 verschickt. Ihr Inhalt: "Merry Christmas". Die Anbieter erkannten lange den Wert dieser Technologie nicht und boten SMS als kostenlosen Zusatzdienst an. Später jedoch änderte sich das, und bald kostete jede abgeschickte Nachricht 39 Pfennig, später 19 Cent. Heute kosten sie 5 oder 6 Cent oder werden gleich in Flatrates oder Paketen angeboten.

Seit geraumer Zeit jedoch etabliert sich ein neuer Konkurrent der SMS, gegen den sie nicht mehr anzukommen scheint: Internetbasierte Messenger-Dienste. Auf vielen Desktop-PCs waren sie schon in den frühen 2000ern sehr beliebt. Allen voran das Programm "ICQ". Mit der Entwicklung und zunehmenden Verbreitung von Smartphones kam das Internet in die mobile Welt. Den Sprung auf diese Geräte haben Programme wie ICQ nicht geschafft. Vielleicht haben sie die Konkurrenz schlichtweg unterschätzt.

Seitdem erfreut sich vor allem Marktführer WhatsApp einer steigenden Beliebtheit. 2012 wurden per Internet-Messenger erstmals mehr Nachrichten versendet als per klassischer SMS. Es war der entscheidende Wendepunkt in der Geschichte des Short Messaging Service. Die Zahlen im Jahresbericht der Bundesnetzagentur scheinen deutlich: Nur noch 16 SMS wurden 2014 pro Handy und Monat verschickt. Das mobile Internet-Datenvolumen hingegen stieg dagegen weiter an und lag bei 288 Megabyte (MB) im Monat. Noch 2013 waren es 44 SMS und 114 MB.

SMS hat viele Vorteile

Der Trend scheint in Richtung eines starken Rückgangs der per SMS versendeten Nachrichten zu gehen. Die Entwicklung werde aber nicht mehr so schnell fortschreiten, glauben viele Experten. Dass die Zahlen 2012 so massiv eingebrochen sind, liege vor allem an dem Umstieg der sogenannten "Heavy-User" auf Messenger-Dienste. Nutzer, die auch in der Vergangenheit nur gelegentlich SMS versendet haben, werden ihre Gewohnheiten wohl kaum plötzlich ändern .

Und auch sonst bringt die SMS viele Vorteile gegenüber Messengern. Ihr Versand ist nicht von einer mobilen Datenverbindung abhängig, sie sind auf nahezu allen mobilen Geräten empfangbar, auch auf alten, und sie benötigen keine besondere Zusatzsoftware. Nutzer aller Handys können sie ohne Probleme untereinander versenden. Die SMS wird es noch lange geben: Solange es GSM-Netze gibt, gibt es auch SMS .

Auch Unternehmen informieren ihre Kunden gerne über den Dienst. Etwa wenn es um die Zwei-Faktor-Authentifizierung, um TAN-Nummern beim Online-Banking oder um einfache Mitteilungen zu versenden geht. Laut Untersuchungen würden Firmen der SMS zudem einen offizielleren, formaleren Eindruck zuschreiben .

Die SMS ist also in der Nutzungshäufigkeit auf dem Weg in den Keller, aber noch lange nicht dort angekommen. Noch immer werden jährlich weit über 20 Milliarden Nachrichten mit ihr verschickt. Johannes Weicksel vom IT-Verband Bitkom formuliert es gegenüber der Deutschen Presse-Agentur allerdings so: "Den Mut, der SMS eine Zukunft für Jahrzehnte vorauszusagen, habe ich nicht."