Finanzen + Geld -

Exotische Geldanlagen Züchten, Sammeln, Horten: Was Anlagen in Sachwerte taugen

Lohnen sich Investitionen in Oldtimer, Kunst oder Koi-Karpfen? Bestenfalls "Jein", sagen Experten.

Vielen Interviewpartnern gefällt schon die Frage nicht. Welche Alternativen haben Anleger, wenn ihr Geld nicht auf dem Sparbuch versauern soll und Aktien zu abstrakt erscheinen? Das wollten wir von verschiedenen Anlageexperten wissen und handelten uns eine Absage nach der anderen ein. "Leider müssen wir passen, weil unsere Empfehlung tatsächlich eher die liquiden Sachwerte wären, allen voran erstklassige Aktien", lässt beispielsweise Christian Panster von der in Köln ansässigen Flossbach von Storch AG mitteilen, eine der größten bankenunab­hängigen Vermögensverwaltungen Deutschlands. Viele andere formulieren ähnlich.

Und auch die, die uns doch Rede und Antwort stehen, sind sich im Wesentlichen einig. Wer sein Vermögen mit anderen Sachwerten wie Kunst, Wein, Oldtimer oder – neuerdings en vogue – Sneakers, sprich: Turnschuhe, verdienen will, braucht viel Sachwissen und zumeist noch mehr Geduld. "Das Problem", erläutert Mathias Lebtig, geschäftsführender Gesellschafter bei der FP Asset Management GmbH in Freiburg, "ist die fehlende Planbarkeit des fairen Kaufpreises beziehungsweise der künftigen Erträge." Seltene Bilder oder Musikinstrumente beispielsweise verkauft man nicht mal eben schnell, sondern muss mitunter Jahre auf den richtigen Käufer warten. "Da sollte man in der Zwischenzeit wenigstens selbst Gefallen an diesen Liebhaberwerten haben können", findet Lebtig.

Gigantische Wertsteigerungen sind selten

Und Constanze Hintze, Geschäftsführerin bei Svea Kuschel + Kolleginnen in München, sieht das genauso. Sie fügt sogar noch eine Voraussetzung für Investments in Sachwerte jenseits von Klassikern wie Immobilien, Edelmetalle oder Aktien hinzu: Leidenschaft. Denn man liest zwar immer wieder von Höchstpreisen, die beispielsweise für Bilder von Picasso, Richter und Co. erzielt werden. Tatsächlich jedoch sind gigantische Wertsteigerungen bei Sammelobjekten selten, und Geschichten wie die eines Mannes aus West Virginia, der 1938 zehn Cent für einen Comic zahlte, der 76 Jahre später für 2,4 Millionen Euro den Besitzer wechselte, die absoluten Ausnahmen. Hier war schließlich Superman im Spiel.

Die meisten alten Weinflaschen dagegen, die auf verstaubten Speichern lagern, eignen sich nicht mal als Essig. Und auch was viele Hobbysammler horten, vernichtet eher Geld, als dass es selbiges vermehrt. Insider betonen daher auch, dass die eigentliche Rendite bei alternativen Anlageformen oft nicht Geld, sondern Emotionen seien. Für den normalen Privatanleger, stellt Fachfrau Hintze klar, ist ein solches Investment kaum geeignet. "Hier sollten nur Profis der jeweiligen Fachgebiete tätig werden oder sehr vermögende Privatleute, die wiederum professionelle Kunstsammler, Winzer oder andere Experten einbinden", sagt Hintze.

Laien schätzen Kosten oft falsch ein

Hinzu kommt, dass das Sammeln selbst oft mit hohen Kosten verbunden ist, die Laien anfangs oft falsch einschätzen. Wer etwa Kunst auf Aktionen erwirbt, zahlt ein hohes Aufgeld an den Auktionator, wer verkauft, berappt Kommission. Oben drauf kommen noch diverse Steuern und Abgaben. Von den Kosten für Versicherung, Transport oder Aufbewahrung ganz zu schweigen.

Wobei vor allem Letzteres auch für andere Sammelobjekte gilt. Weinsammler kommen ohne wohltemperierte Lagerung nicht aus. Wer mit Kois verdienen will, muss Platz für einen Teich mit mindestens 15.000 Liter Wasser und Geld für gutes Futter haben. Oldtimer müssen fahren, was Steuern, Versicherung, Benzin kostet, und brauchen witterungsfeste Stellplätze sowie kostenintensive Pflege.

Und noch ein Argument bringen die Experten gegen Geldanlagen jenseits der Klassiker vor: Sie unterliegen Moden, die Preisbildung ist nicht reguliert und, je kleiner der Markt ist, oft sogar willkürlich. Was heute gefeiert wird, kann morgen schon wieder out sein. Derzeit mag es hipp sein, mit Whiskey oder Sneakers zu handeln, vor ein paar Jahren wurden Swatch-Uhren gehypt. Heute hört man nichts mehr davon. "Und", so noch einmal Hintze: "Wer redet heute noch vom Briefmarkensammeln als Geldanlage?"

Alternative Sachwerte

Wer in alternative Sachwerte investieren will und bereit ist, seine Anlagestrategie auch zum Hobby zu machen, für den gibt es hier eine kleine Auswahl.

Autogramme
Dass man mit Autogrammen Rendite erwirtschaften kann, zeigt sich schon daran, dass es hierfür einen eigenen Index (PFC40 Autograph Index) gibt. Angeführt wird die Liste von den Beatles. Für ein Foto mit allen Unterschriften, könnte man heute fast 40.000 Euro erzielen.
Achtung: Viele Fälschungen im Umlauf.

Bonsai-Bäume
In Japan werden sie seit mehr als 2.000 Jahren gezüchtet und wechseln schon mal für Millionenbeträge den Besitzer. Einen Überblick über aktuelle Preise bietet u.a. die Website www.luxurytrees.com.
Achtung: Aufwendige und dauerhafte Pflege nötig.

Kunst
Obwohl in Einzelfällen immer wieder Rekordergebnisse erzielt werden, zeigen die Auktionsergebnisse von Werken, die in den letzten Jahren mehrfach verkauft wurden, ein differenziertes Bild. Auch hohe Verluste sind möglich, so sank der Verkaufswert eines Bildes von Max Ernst beispielsweise zwischen 2011 und 2016 von 16 Millionen auf 11 Millionen Dollar. Im Durchschnitt bewegen sich Gewinne im Kunstmarkt im einstelligen Bereich.
Achtung: Hohe Nebenkosten, Fälschungen.

Musikinstrumente
Vor allem Streichinstrumente, besonders Geigen, wechseln mitunter für sechsstellige Beträge den Besitzer. Einen Höchstpreis von 12,8 Millionen Euro erzielte 2011 eine 1721 gebaute Stradivari.
Achtung: Alte Instrumente müssen gespielt werden, sonst verlieren sie an Klangqualität und damit auch an Wert.

Oldtimer
Egal, ob es sich um Old- und Youngtimer handelt, Erstere müssen mindestens
30 Jahre alt sein, Letztere mindestens 15. Alte Autos werden in Deutschland immer beliebter – auch als Geldanlage. Bereits seit 1999 führt der Verband der Automobilindustrie den Deutschen Oldtimer Index (DOX). Seitdem kletterte er konstant nach oben, schwächt sich aber mittlerweile ab und liegt inzwischen unter der Inflationsrate. Zudem galt und gilt der Aufwärtstrend längst nicht für alle Modelle.
Achtung: Falsche Pflege oder Reparaturen machen das Investment zunichte. Nicht alles, was alt aussieht, ist es auch, oft werden Einzelteile erneuert – und nicht immer wird das deklariert. Hohe Erhaltungskosten.

Sportschuhe (Sneakers)
Weitgehend unbeachtet hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein Milliardenmarkt rund um Sportschuhe oder genauer um „Sneakers“ entwickelt. Sammler zahlen dafür schon mal Preise von mehreren Tausend Dollar für ein Paar. Unterstützt wird der Hype von Herstellern wie Adidas, Nike oder Air Jordan, die in immer schnellerer Folge auf den Markt werfen. Gehandelt wird über Online-Börsen oder auf speziellen Messen (Sneakerness), die mehrmals jährlich in verschiedenen europäischen Städten stattfinden.
Achtung: Wer Gewinn machen will, muss den Markt genau beobachten und oft schnell sein. Kommt eine Edition auf den Mark, steigt der Wert oft rasch – und sinkt auch schnell wieder ab.

Wein
Gerade alte und seltene Weine sind ein äußerst komplexer Markt. Wer mitspielen will, muss sich extreme Detailkenntnisse aneignen. Nur den Jahrgang und Prozente zu kennen, reicht da nicht. Wer beispielsweise eine seltene Flasche kauft, muss auch wissen, wo und wie genau sie vorher gelagert war. Zudem gilt: Wer heute einsteigt, ist praktisch zu spät dran.
Achtung: Viele Fälschungen am Markt, also Hände weg von Weinen, deren Weg nicht exakt nachvollziehbar ist.

Zierfische (Koi-Karpfen)
Liebhaber sprechen von schwimmenden Edelsteinen, der unbedarfte Betrachter sieht nur bunte Karpfen. Preise zwischen 5.000 und 15.000 Euro sind keine Seltenheit, einsteigen kann man ab 100 Euro. Wer sich informieren will, für den ist die Fachmesse InterKoi, die in Krefeld stattfindet, erste Wahl. Nächster Termin ist vom 11. bis 12. Mai 2019.
Achtung: Großer und teurer Zuchtaufwand.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten