Arbeitnehmer-Vizepräsidenten Zu viele unqualifizierte Betriebe entstehen

Die Arbeitnehmer-Vizepräsidenten der Kammern kritisieren Dumping-Preise von -Löhne von neu gegründeten Betrieben. Denn hinter diesen "Betrieben" würden sich oft Scheinexistenzen verbergen. Gleichzeitig plädieren sie für einen starken Staat, denn der Glaube an die Selbetregulierung des Markts habe sich als Irrweg erwiesen. Das sind Erkenntnisse von der Frühjahrstagung der Arbeitnehmer-Vizepräsidenten in Düsseldorf.

Hannelore Kraft zu Gast beim Handwerk: eingerahmt von Hans-Josef Claessen, Arbeitnehmer-Vizepräsident der HWK Düsseldorf (links), und Kammerpräsident Wolfgang Schulhoff. - © Foto: Wilfried Meyer

Auf der Frühjahrstagung der Arbeitnehmer-Vizepräsidenten der Handwerkskammern hat Hans-Josef Claessen, Vizepräsident der Handwerkskammer Düsseldorf, vor Scheinexistenzen und Dumpingbetrieben gewarnt.

Im Jahr 2003 habe es im Kammerbezirk Düsseldorf 695 Fliesenleger-Betriebe gegeben. Ende 2012 seien es schon 5.619 Betriebe gewesen. „Dahinter verbergen sich jede Menge Scheinexistenzen, mit Dumpingpreisen und auch mit Schwarzarbeit“, sagte Claessen.

Novelle der Handwerksordnung war Fehler

Die Novellierung der Handwerksordnung der rot-grünen Bundesregierung aus dem Jahr 2004, die Betriebsgründungen erleichtert hat, bezeichneten die Arbeitnehmer-Vertreter als Fehler. Die Anzahl unqualifizierter Betriebe, die nicht ausbildeten, sei zu groß geworden. Die Ausbildungsleistung des Handwerks sei dadurch gefährdet.

Zudem kritisierten die Vizepräsidenten die Lohnentwicklung im Handwerk. Düsseldorfs Kammerpräsident Wolfgang Schulhoff kam den Arbeitnehmern entgegen. Er verwies aber darauf, dass Löhne immer abhängig von der jeweiligen Marktsituation betrachtet werden müssen. „Wir würden ja gern unseren Mitarbeitern mehr Geld geben. Aber der Markt gibt das nicht her.“ Das beste Rezept gegen Armuts- und Bildungsscheren sei eine „geistig-politische Rückbesinnung auf die Grundprinzipien der sozialen Marktwirtschaft“.

Feuler: "Starker Staat"

DHKT-Vizepräsident Klaus Feuler sprach sich in seiner Rede für einen starken Staat aus. „Die Bürger wollen einen Staat, der Sicherheit gibt. Mit Recht“, sagte Feuler vor rund 100 Zuhörern in Düsseldorf. Der Staat erlebe eine Renaissance, weil der Markt versagt habe.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) dankte für die ausgeprägte Ausbildungskultur im Handwerk. Sie warb für mehr Übernahmen von Auszubildenden in eine Festanstellung. dhz