Selten gewordener Beruf Zu Besuch beim Hufschmied: Arbeit mit Herz und Hufeisen

Jeder kennt den jahrhundertealten Beruf, aber keiner weiß, wie wichtig er auch heute noch ist: der Hufschmied. Sven Schnese ist einer der wenigen Hufschmiede in Deutschland und gibt einen Einblick in seinen Arbeitsalltag und die Besonderheiten des Berufs.

Hufschmied Sven Schnese kennt seine tierischen Kunden gut. Er entscheidet bei jedem Pferd individuell, wie er den Hufbeschlag vornimmt. - © Lara Maul

Die Morgendämmerung bricht langsam an und gibt Aussicht auf einige Sonnenstrahlen an diesem kalten Wintermorgen, als ein schwarzer Transporter auf einen Hof einbiegt. Im Hof angekommen, erstreckt sich vor dem Transporter ein großer Stall mit geöffneter Tür, durch die helles Licht von innen nach außen strömt und den dunklen Hof erhellt. Schon beim Öffnen der Transporter-Tür steigt ein intensiver Geruch von frischem Heu in die Nase und ein erstes Wiehern ist aus dem Stall zu hören.

Pferdehöfe sind der typische Arbeitsplatz von Sven Schnese, die er mit seiner mobilen Werkstatt – seinem Transporter – täglich im Umkreis von 50 km um seine Heimat im Vogelsberg, Hessen anfährt. "Früher gab es in jedem Dorf einen Hufschmied, heute muss der Schmied zu den Ställen fahren", erwidert er. Das Innere des Transporters erinnert an eine kleine Werkstatt mit einer Werkbank und verschiedensten Werkzeugen. Sven öffnet die hinteren Türen seines Transporters, holt seine Werkzeuge heraus, schnallt sich einen Magnet mit Hufnägeln um den Arm und legt seine Schürze um, die zum Schutz vor scharfen Werkzeugen dient. Die Vorbereitungen sind getroffen und im nächsten Schritt macht er sich auf den Weg in den Stall.

Individuelle Arbeit mit Liebe zum Tier

Beim Betreten des großen Stalls wird der Geruch des Heus noch intensiver und auf beiden Seiten reihen sich Box an Box Pferde, wovon keins dem anderen ähnelt. Beim Blick nach links springt eine Tafel mit zehn Namen ins Auge, die anzeigt, um welche Tiere sich Sven heute kümmern muss. Der Arbeitsalltag von Sven sieht so aus, dass er sich die Hufe der einzelnen Pferde anschaut und individuell entscheidet, was gemacht werden muss. Es ist wichtig, immer Auffälligkeiten und Veränderungen zu berücksichtigen.

Sven Schnese bei der Hufkorrektur von Doolittle im Stall. - © Lara Maul

Gestartet wird mit dem braunen Doolittle, ein großer Hannoveraner. Die Besonderheit: Er ist auf einem Auge blind und deshalb gilt hier besonderes Fingerspitzengefühl. Sanft spricht Sven auf Doolittle ein, um ihn zu führen und nicht zu verängstigen. Seine Leidenschaft zum Beruf und die Liebe zu Tieren wird durch den herzlichen Umgang mit dem Pferd deutlich. Auch Sven selbst ist davon überzeugt, dass ein Herz für Pferde die wichtigste Voraussetzung dafür ist, um Hufschmied oder Hufschmiedin zu werden. Die Bereitschaft, körperlich zu arbeiten, muss auch vorhanden sein, da die Arbeit zur wahren Knochenarbeit werden kann. Der 57-jährige schwärmt dennoch von seinem Beruf: "Es ist abwechslungsreich, denn man weiß nie, was auf einen zukommt."

Nach einer genauen Betrachtung stellt sich heraus, dass beim Hannoveraner lediglich eine Hufkorrektur vorgenommen werden muss. Die Hufe werden mithilfe eines Hufkratzers gesäubert, um sie von Schmutz und möglichen Fremdkörpern zu befreien. Mit einem sogenannten Hufringmesser wird anschließend der Strahl sowie die Sohle des Hufs geschnitten. Der Strahl besteht aus Furchen in einer dreieckigen Form. Sowohl Strahl als auch Sohle wachsen – wie die Nägel beim Menschen – ständig nach. Durch das Schneiden wird der Huf in eine Form gebracht, die dem Pferd das Laufen vereinfacht. Nachdem die Hufkorrektur beendet wurde, wird Doolittle mit gesäuberten Hufen wieder in seine Box geführt.

Beschlag anhand der Form des Hufs

Nun ist ein braunes Pony mit weißen Flecken mit dem Namen Mondy an der Reihe. Schon beim Führen aus der Box wird durch die schreckhafte Art von Mondy deutlich, dass das Tier aufgeregt ist. Sven Schnese hat das Pony schon häufig beschlagen und weiß daher, dass er ihm die Aufregung durch ruhiges Agieren nehmen muss. "Mit der Zeit und der Erfahrung lernt man Pferde quasi lesen", sagt der Hufschmied. Sven erkennt, dass die getragenen Hufeisen von Mondy neu beschlagen werden müssen.

Im Ofen werden die Hufeisen durch die Hitze formbar. - © Lara Maul

Nachdem auch bei Mondy die Hufpflege gemacht wurde, kann im nächsten Schritt mit dem Beschlagen begonnen werden. Dafür bringt Sven die Hufeisen zu seinem Transporter und legt sie in einen kleinen Ofen, um sie zu erhitzen und formbar zu machen. Mit einem Hammer schlägt er die Hufeisen dann auf einem Amboss in die richtige Form. Wichtig hierbei ist, dass nach der Form des Hufes gerichtet wird, denn "der Huf wird nicht nach dem Eisen gerichtet, sondern das Eisen anhand des Hufs", sagt Sven Schnese. Nun sind die Hufeisen fertig und werden mit Hufnägeln an den Hufen von Mondy befestigt. Im Anschluss an den Hufbeschlag sind alle Hufschmiede dazu verpflichtet, das Laufen des Pferds zu überprüfen, weshalb Sven noch eine Runde mit dem Pony geht. Dadurch wird abgesichert, dass die neue Form des Hufeisens dem Pferd keine Probleme bereitet, sondern es beim Laufen unterstützt. Das Handwerk des Hufschmieds ist schon mehr als 5.000 Jahre alt und weist daher eine wahre Tradition mit seinen Arbeitsabläufen auf, allerdings gibt es auch immer wieder neue Techniken und Materialien.

Sven Schnese formt das Hufeisen auf dem Amboss anhand der Hufform. - © Lara Maul

Ein aussterbender Beruf?

In Deutschland gibt es ungefähr 3.500 Hufschmiede, mit sinkender Tendenz. Allerdings steigt die Zahl an Pferden weiter an. Der Beruf ist also weiterhin unerlässlich, um den Pferden das Laufen zu erleichtern. Hufschmiede sind deshalb eine Besonderheit, aber woran könnte die geringe Anzahl an Schmieden liegen? Schnese erwidert, dass dies an dem beruflichen Weg zum Hufschmied liegen könnte. Um Hufschmied zu werden, gibt es keine klassische Ausbildung, sondern lediglich eine Erwachsenenbildung, die selbst gezahlt werden muss. Für die viermonatige Weiterbildung muss eine abgeschlossene Ausbildung vorgewiesen werden. Zudem muss ein Vorbereitungslehrgang für den Umgang mit Metall abgeschlossen werden. Im Anschluss wird für die Praxiserfahrung ein zweijähriges Praktikum absolviert, nachdem man dann anerkannter Hufschmied ist. Der Geldfaktor könnte also ein Grund sein, weshalb sich viele gegen den Beruf Hufschmied entscheiden.

Sven Schnese hat sich davon allerdings nicht abbringen lassen und sich vor 25 Jahren dazu entschieden, seinen Beruf als Maschinenbauer an den Nagel zu hängen, um seinem Traumjob als Hufschmied nachzugehen. Auch seine Freizeit widmet er häufig seinen eigenen Pferden und reitet, wodurch sich Hobby und Beruf perfekt vereinen lässt.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Die Deutsche Handwerks Zeitung ist Kooperationspartner für dieses Seminar.