Die EU und die USA haben sich auf einen Basiszoll von 15 Prozent geeinigt. Nicht zur Freude aller.

Die Einigung im Zollstreit zwischen der EU und den USA hat in Deutschland nicht nur für Erleichterung gesorgt. "Das Abkommen ist für unsere Wirtschaft herausfordernd, aber es gibt Sicherheit", sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Es sei wichtig, dass in diesen herausfordernden Zeiten eine Einigung erreicht worden sei. Auch seien einige Sektoren wie etwa Flugzeuge, Chemikalien, Agrarprodukte oder kritische Rohstoffe ausgenommen. Für die meisten anderen EU-Importe in die USA sieht das Abkommen einen Zollsatz in Höhe von 15 Prozent vor.
Zölle von 30 Prozent abgewendet
Darauf hatten sich US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Vortag geeinigt. Die von Trump zum 1. August angedrohten Zölle in Höhe von 30 Prozent sind damit abgewendet. Die Basiszölle gelten nach den Worten von der Leyens etwa für Autos, Halbleiter und Pharmaprodukte. Die Einigung schaffe zudem einen Rahmen für die zukünftige Senkung der Zölle auf weitere Produkte. Autos aus den USA hingegen sollen einer EU-Beamtin zufolge künftig zollfrei in die EU importiert werden können. Bisher lagen die Zölle bei zehn Prozent.
Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe sieht Deal kritisch
Der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes sieht die Einigung mit gemischten Gefühlen. "Natürlich ist es zu begrüßen, dass eine weitere Eskalation zum 1. August abgewendet werden konnte", sagte ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. Gleichwohl werde dies auch negative Auswirkungen haben. "Ein Zollsatz von 15 Prozent verteuert deutsche Fahrzeuge auf dem US-Markt strukturell – das wird sich auf Produktionsentscheidungen und die Modellstrategie der Hersteller auswirken", betonte er.
Transatlantische Lieferketten belastet
Was jetzt als diplomatischer Durchbruch verkauft werde, treffe am Ende die Kunden – mit weniger Auswahl und höheren Preisen, warnte er. Zum Hintergrund: Viele Fahrzeugkomponenten werden sowohl in den USA als auch in Europa entwickelt und mehrfach über den Atlantik transportiert. Mit Zoll belegte Vorprodukte verteuern somit auch Exporte nach Europa.
Automobilindustrie: Zusatzkosten in Milliardenhöhe
Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) zeigte sich erst einmal erleichtert, dass mit der Rahmenvereinbarung zwischen den USA und der EU ein Handelskrieg abgewendet werden konnte. Seine Präsidentin Hildegard Müller wies aber darauf hin, dass der Zollsatz der USA in Höhe von 15 Prozent – auch für automobile Produkte – die Unternehmen der deutschen Automobilindustrie jährlich Milliarden kosten werden. Bis Anfang April mussten deutsche Automobilhersteller, die in die USA exportierten, nur einen Zoll von 2,5 Prozent zahlen. Dann wurden 25 Prozentpunkte draufgeschlagen, sodass er mehrere Monate bei 27,5 Prozent lag.
Autoexperte: Beschäftigte in Autoindustrie gefährdet
Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer betonte, dass das Handelsabkommen für die deutsche Autoindustrie zwar gut, aber weniger gut für die Arbeitsplätze sei. "Die Beschäftigten in der Auto- und Zulieferindustrie sind die Verlierer", sagte Dudenhöffer. Mittelfristig könnten sich zehn Prozent der Arbeitsplätze in der Autoindustrie von Deutschland in die USA verlagern.
Mit Inhalten der dpa