Wärmewende Zoff um das neue GEG: Weniger CO2 – aber wie?

Während Deutschland bis 2045 klimaneutral werden will, streiten Experten über den richtigen Weg: Wärmepumpe, Gasheizung oder doch Technologieoffenheit?

Wärmepumpe
Zum ersten Mal auf Platz eins der Heizsysteme: die Wärmepumpe. - © StockMediaSeller - stock.adobe.com

Die Wärmewende als Teil der Energiewende soll die Wärmeversorgung bis zum Jahr 2045 klimaneutral machen. Das soll auf kommunaler Ebene durch den Betrieb von Fernwärmenetzen passieren und in Privathaushalten durch den Wechsel zu Heizungen, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden.

Unklar ist, ob als Regelungsgrundlage das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in seiner jetzigen Form erhalten bleibt. Denn das GEG ist weiterhin umstritten. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte sich für eine Neuauflage des GEG ausgesprochen, die auch den Betrieb von älteren Gasthermen zulässt.

Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) beklagt unter anderem, dass es keine einfache, praxistaugliche Förderung für den Einbau neuer Heizungen gibt. Ebenso stört sich der Verband an der auf bestimmte Technologien ausgerichteten Förderung.

Weniger CO₂ mit Technologieoffenheit

Das System dürfe nicht technische Detailvorgaben machen, sondern müsse transparent CO₂-Einsparungen bewerten und unterschiedliche Sanierungsformen ermöglichen, fordert ZVSHK-Präsident Michael Hilpert in einem Statement. Das GEG müsse "dringend entschlackt und überarbeitet werden". Dem Verbraucher dürfe nicht vorgeschrieben werden, welche Heizgeräte erlaubt sind. Das Ziel sei: weniger CO₂ mit Technologieoffenheit.

Ende 2024 kamen über die Hälfte der erneuerbaren Stromerzeugungsanlagen in Deutschland aus der Solarenergie. Auch Windenergie – vor allem an Land – spielte eine große Rolle. - © DHZ

Allerdings gibt es innerhalb der Branche unterschiedliche Ansichten dazu, welche Technologien noch förderungswürdig sind. Der Bundesverband der Energieberatenden (GIH) hatte kritisiert, der ZVSHK spreche sich wieder verstärkt für den Einbau von Gasheizungen aus. "Der ZVSHK hat die Wärmepumpe jahrelang unterstützt – die Kehrtwende ist nicht nachvollziehbar", so der Vorsitzende des GIH Bundesverbands, Stefan Bolln. Es sei widersprüchlich, ein 90-Prozent-Reduktionsziel bis 2040 zu propagieren und gleichzeitig neue fossile Heizungen einzubauen, die 20 Jahre in Betrieb bleiben.

Förderung gleicht Mehrkosten aus

ZVSHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Müller hatte sich in der Tageszeitung "Die Welt" für eine Aufhebung der 65-Prozent-Anforderung für erneuerbare Energien bei neuen Heizungen und mehr Technologieoffenheit ausgesprochen. Eine nachhaltige CO₂-Vermeidung erreiche man im ersten Schritt auch mit hocheffizienten und hydraulisch optimierten Öl- oder Gasbrennwertheizungen. Die Einsparungen gegenüber älteren Geräten lägen oft bei über 30 Prozent.

Der Anteil erneuerbarer Energien am Wärme- und Kälteverbrauch in Deutschland hat sich seit 2005 mehr als verdoppelt. - © DHZ

Der GIH dagegen verweist auf die langfristigen Betriebskosten älterer Heizungssysteme. Die Förderung gleiche Mehrkosten moderner Systeme oft vollständig aus. Daher sei es eine Milchmädchenrechnung, beim Einbau die Mehrkosten sparen zu wollen, den steigenden CO₂-Preis jedoch über die Laufzeit der Heizung doppelt wieder auszugeben.

Die DHZ hat Daten zum Wärmemarkt gesammelt.

Wärmepumpe führt erstmals Heizungsmarkt an

Die Nutzung erneuerbarer Erd- und Umweltwärme mithilfe von Wärmepumpen steigt weiter. Nach Erhebungen des Umweltbundesamtes hat der Verbrauch erneuerbarer Wärme um knapp 2 Prozent von 194,3 Milliarden Kilowattstunden (kWh) im Jahr 2023 auf 197,2 Milliarden kWh im vergangenen Jahr zugenommen. Da aber auch der Verbrauch fossiler Energieträger leicht gestiegen war, änderte sich der Anteil erneuerbarer Energieträger am Verbrauch für Wärme und Kälte nur leicht von ­18 auf 18,1 Prozent im Vorjahr. Bei den Erneuerbaren liegt die Biomasse vorn. Holz liege in seinen unterschiedlichen Nutzungsformen an erster Stelle. Der Anteil fester Biomasse an der gesamten erneuerbaren Wärme nehme jedoch kontinuierlich ab, von 86 Prozent im Jahr 2000 auf 61 Prozent im Jahr 2024. Der Anteil von Solarthermie und Geothermie an der Erzeugung erneuerbarer Wärme wächst unterschiedlich schnell. Solarthermie wuchs zwischen 2000 und 2024 nur langsam auf knapp 5 Prozent der gesamten erneuerbaren Wärme, was 8,8 Milliarden kWh entspricht. Die Bereitstellung aus Umweltwärme und Geothermie wuchs dagegen um rund 15 Prozent auf 29,3 Milliarden kWh. Das Umweltbundesamt führt den Zuwachs auf den verstärkten Einsatz von Wärmepumpen zurück. Dazu passend melden die Deutsche Heizungsindustrie und der Bundesverband Wärmepumpe, dass der Absatz von Wärmepumpen zwischen Januar und Juni bei rund 139.000 Geräten und damit auf Platz eins auf dem Heizungsmarkt einnahm. Laut Hersteller-Aussagen habe sich der Trend weg von fossilen Heizungen hin zur Wärmepumpe verfestigt. Der Zuwachs gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 betrage 55 Prozent. Ob die Wärmepumpe den ersten Platz halten könne, hänge allerdings von der Förderpolitik der neuen Bundesregierung ab. Der Markt brauche verlässliche Rahmenbedingungen.

Wachstum der Wärmepumpen in Deutschland zwischen 2005 und 2023. Während die Anzahl der installierten Anlagen auf fast 2,3 Millionen anstieg, wuchs die gesamte thermische Leistung auf über 20 Gigawatt. - © DHZ

Herausforderungen für die Wärmeplanung

Als wichtiger Teil der Wärmewende wird die Umstellung der öffentlichen Wärmeversorgung in den Kommunen betrachtet. Dafür sollen die Kommunen je nach Größe bis 2026 oder 2028 Wärmepläne erstellen. Der Finanzierungsbedarf der Betreiber ist laut Deutscher Energie-Agentur (dena) jedoch immens hoch. Nach Prognosen der dena müsste sich die Zahl der an die Fernwärme angeschlossenen Haushalte bis 2045 verdreifachen, um in dicht besiedelten Gebieten eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu gewährleisten. Der Ausbau der Fernwärmenetze brauche also weiterhin öffentliche Mittel. Wegen des hohen Investitionsbedarfs empfiehlt die dena, alternative Finanzierungsmodelle zu prüfen, etwa durch die Einbindung privaten Kapitals. Das könne langfristig sozialverträgliche Fernwärmepreise sicherstellen. Mit welchen Herausforderungen die Kommunen bei der Erstellung zu kämpfen haben, hat eine Studie des Kompetenzzentrums Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge an der Universität Leipzig aus dem vergangenen Jahr untersucht. Demnach war der Anteil erneuerbarer Energien in der kommunalen Wärmeversorgung nach Ergebnis der Studie noch relativ gering. Größter Energielieferant ist immer noch Erdgas. Auf dem zweiten Platz folgt Kohle. Erneuerbare Energien und Abwärme aus der thermischen Abfallverwertung folgen dahinter. Der Anteil von regenerativen Energien am Endenergieverbrauch für Wärme und Kälte insgesamt lag laut Umweltbundesamt im Jahr 2024 lediglich bei 18,1 Prozent. Auch finanziell wird die Wärmewende für viele Kommunen eine Herausforderung. Allein für die Wärmeplanung müssten die Kommunen mit Kosten von 520 Millionen Euro rechnen, davon 165 Millionen Euro für das Personal. Laut der Studie sehen zwar viele Städte und Gemeinden mit der Wärmeplanung die Chance einer klimaneutralen Wärmeversorgung, doch als Risiken würden die angespannte Haushaltslage und Personalengpässe betrachtet. Besonders für kleinere Kommunen stelle die Wärmeplanung eine Herausforderung dar. Die Kosten für die Umsetzung und die Dekarbonisierung der Netze prognostiziert die Studie auf rund 10,8 Milliarden Euro.

Im Jahr 2024 wurden insgesamt 517 Terawattstunden Energie aus erneuerbaren Quellen bereitgestellt, wobei Biomasse zur Wärmeerzeugung mit 31 Prozent den größten Beitrag leistete, gefolgt von Windenergie mit 27 Prozent und Photovoltaik mit 14 Prozent. - © DHZ

Höheres Tempo nötig

22,4 Prozent des deutschen Bruttoendenergieverbrauchs wurden im vergangenen Jahr mit erneuerbaren Energien gedeckt. Das ist die Gesamtmenge an Energie, die von allen Endverbrauchern genutzt wird. Der Anteil stieg gegenüber dem Vorjahr damit um 0,8 Prozentpunkte. Laut Umweltbundesamt hatte Deutschland bereits im Jahr 2020 das festgelegte Ziel von 18 Prozent übertroffen. Das reiche allerdings längst nicht aus, um die neuen EU-Klimaziele zu schaffen. Demnach sollen im Jahr 2030 bereits 41 Prozent des Bruttoendenergieverbrauchs
abgedeckt sein. Die Energiemenge, die aus erneuerbaren Energien bereitgestellt wurde, betrug 517 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Davon entfielen 55 Prozent auf die Stromproduktion, 38 Prozent auf den erneuerbaren Wärmesektor und rund 6 Prozent auf biogene Kraftstoffe im Verkehr. Während sich der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch (54,4 Prozent) in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt habe, veränderten sich die Anteile in den Bereichen Wärme (18,1 Prozent) und Verkehr (7,2 Prozent) eher langsam.

Im Jahr 2024 betrug der Endenergieverbrauch erneuerbarer Energien für Wärme und Kälte in Deutschland 197,2 Terawattstunden, wobei biogene Festbrennstoffe in Haushalten mit 33,5 Prozent den größten Anteil ausmachten. - © DHZ