Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erklärt in ihrer Kolumne, warum Handwerksbetriebe ohne klare Zielsetzung wie Autofahrer ohne Navi sind – und was eine Schafherde auf der Landstraße damit zu tun hat.

Viel zu schnell sind wir im Handwerk im Alltag gefangen – zwischen Aufträgen, Mitarbeitersuche, Kundenanfragen und Materialbestellungen. Zeit für Zukunft? Fehlanzeige. Dabei ist genau das der Treibstoff: der regelmäßige Blick aufs große Ganze. Denn wer nie innehält und sich fragt, wohin er eigentlich will, kommt vielleicht irgendwann an, aber garantiert nicht dort, wo es gut gewesen wäre.
Wenn wir als Betriebsinhaber die Zukunft gestalten wollen, brauchen wir mehr als Tagesgeschäft. Wir brauchen Antworten auf Fragen wie:
- Wo wollen wir in fünf oder zehn Jahren stehen?
- Welche Veränderung würde unsere Abläufe spürbar verbessern?
- Welche Entscheidung schieben wir vor uns her, obwohl wir wissen, dass sie längst überfällig ist?
- Wie viel ist unser Betrieb wert – heute und morgen?
Steile These: Ohne Ziele keine Erfolge
Wir brauchen sie, auch im Alltag. Wer mit dem Auto losfährt, ohne ein Ziel einzugeben, wird lange unterwegs sein. Und vermutlich Umwege machen, die sich vermeiden ließen. Fehlende Hausnummer? Dann wird’s kurz vor dem Ziel plötzlich holprig. Unklare Route? Dann leitet uns das Navi womöglich durch idyllische Landschaften, aber eben auch über Buckelpisten und zu Schafherden. Und genau so fühlt sich manchmal der Betriebsalltag an, wenn klare Ziele fehlen.
Was Ziele im Betrieb leisten können
In meiner Tätigkeit als Dozentin an der Meisterschule der Handwerkskammer Koblenz kam dieses Thema neulich in einer Unterrichtseinheit auf. Ich war überrascht, wie wenig präsent das Thema bei vielen war und wie viele Aha-Momente wir gemeinsam erarbeitet haben.
Wir haben Unternehmensziele in Gruppen eingeteilt:

- allgemeine Unternehmensziele
- strategische Ziele
- organisatorische Ziele
Und dann: SMART gemacht:
S wie spezifisch,
M wie messbar,
A wie attraktiv,
R wie realistisch,
T wie terminiert.
Denn Ziele, die nicht SMART formuliert sind, bleiben meist gut gemeinte Wünsche.
Ein Beispiel: "Wir wollen mehr Mitarbeiter in der Produktion einstellen." Klingt erstmal nach einem Ziel, ist aber keins. Es fehlt die Zahl, der Zeitrahmen, der Anlass, die Messbarkeit.
Besser so: "Bis Ende dieses Jahres möchten wir drei neue Mitarbeiter für unsere Produktion einstellen, um Abläufe ohne Wartezeiten zu ermöglichen."
Und jetzt mal ehrlich: Könnten Sie auf Anhieb drei Ziele Ihres Unternehmens nennen? Und noch wichtiger: Kennt Ihr Team diese Ziele? Denn wer die Belegschaft mitnehmen will, braucht transparente Kommunikation. Nur wer weiß, wohin die Reise geht, kann aktiv mitlenken, mit Ideen, Ausdauer und Engagement.
Ziele sind der Treibstoff für jede Arbeitgebermarke. Sie geben Richtung, Sicherheit und Sinn. Sie machen Wachstum möglich. Und sie motivieren, wenn sie nicht nur auf dem Papier existieren, sondern gelebt werden. Der Satz, der aus der Diskussion mit den Meisterschülern hängen blieb, sagt eigentlich alles: "Ziele ohne Sinn sind Quatsch." Aber Ziele mit Sinn? Die bringen uns weiter.
Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint alle 14 Tage exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Abonnieren Sie den kostenlosen DHZ-Newsletter, um keine Ausgabe zu verpassen.