Positive Zeichen ZEW-Index: Leichte Entspannung in der Konjunktur

Die Zeichen für eine Stabilisierung der Wirtschaft in Deutschland mehren sich. Die mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren haben sich im Mai stärker verbessert als erwartet.

ZEW-Index: Leichte Entspannung in der Konjunktur

Der entsprechende Index erhöhte sich von 13,0 Punkten im Vormonat auf 31,1 Punkte, wie das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitteilte. Es war der siebte Anstieg in Folge.

Bezüglich der Situation auf dem Arbeitsmarkt sagte der ZEW-Präsident Wolfgang Franz hingegen einen andauernden Abwärtstrend voraus. Die optimistischere Stimmung der rund 300 befragten Analysten und institutionelle Anleger dürfte dadurch unterstützt worden sein, dass sich in den vergangenen Wochen in der Realwirtschaft vorsichtige Anzeichen einer Erholung gezeigt hätten, teilte das ZEW weiter mit. Der freie Fall der Industrieproduktion sei gestoppt worden, außerdem hätten Exporte und Auftragseingänge wieder zugelegt. Experten hatten im Schnitt nur mit einer Verbesserung der ZEW-Konjunkturerwartungen auf 20,0 Punkte gerechnet. Der Index, der als ein wichtiger Stimmungsindikator der deutschen Wirtschaft gilt, liegt mit den 31,1 Punkten nun deutlich über seinem historischen Mittelwert von 26,2 Punkten.

"Was die reine Konjunkturentwicklung angeht, mehren sich zwar die Anzeichen, dass das Schlimmste nun überstanden ist. Bei der Entwicklung am Arbeitsmarkt steht uns aber das Schlimmste wohl noch bevor", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz, der keine Zahlen bekannt gab.

Dementsprechend stagnierte die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage für Deutschland im Mai weiter auf sehr niedrigem Niveau. Der entsprechende Indikator sank um 1,2 Punkte auf minus 92,8 Punkte. Volkswirte hatten einen Anstieg auf minus 89,0 Zähler prognostiziert. Es ist das zweite Mal in Folge, dass eine bessere Einschätzung der Konjunkturlage erwartet worden war und diese Prognose nicht erfüllt wurde. Bezüglich der gesamten Eurozone verbesserten sich die Konjunkturerwartungen laut ZEW ebenfalls deutlich.

Dem Münchener Ifo-Institut zufolge stieg auch das Weltwirtschaftsklima im zweiten Quartal 2009 an. Es handelt sich um den ersten Zugewinn seit Herbst 2007. Dieser resultiere ausschließlich aus den günstigeren Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Die Einschätzung der derzeitigen wirtschaftlichen Lage hat sich dagegen erneut verschlechtert und fiel auf einen neuen historischen Tiefstand.

Nicht nur das Ifo-Institut und das ZEW blicken optimistischer in die Zukunft. Auch der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, hofft auf ein baldiges Ende der konjunkturellen Talfahrt. "Ich hoffe, dass wir die Bodenbildung im Sommer sehen", sagte Keitel.

Die überraschend starken Daten konnten am Dienstag den bereits vor der Veröffentlichung sehr festen Leitindex DAX nur noch leicht nach oben treiben. "Nun kommt es darauf an, ob der Ifo-Index nächste Woche diese hohen Erwartungen am Finanzmarkt auch bestätigt", sagte ein Händler. Der DAX stieg bis 13.50 Uhr um 2,1 Prozent auf 4.953 Punkte.

Nadine Schimroszik/ddp