In der Nacht zum Sonntag, dem 25. Oktober 2026, ist es wieder so weit: Die Uhr wird eine Stunde zurückgestellt. Aber sollte die Zeitumstellung nicht längst abgeschafft sein? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Eigentlich sollte die Zeitumstellung abgeschafft werden. Im März 2019 hat das EU-Parlament mit großer Mehrheit dafür gestimmt. Spätestens 2021 sollten die Uhren in Mitteleuropa zum letzten Mal umgestellt werden. Mit seiner Zustimmung folgte das Parlament einer Empfehlung des zuständigen EU-Verkehrsausschusses. Für die tatsächliche Abschaffung müssen sich aber auch die Mitgliedsstaaten einigen. Das ist bis heute nicht geschehen, denn im Rat der EU gibt es keine gemeinsame Position.
Ein Ende ist nicht in Sicht: Im März 2026 hat die EU-Kommission die Termine für die Zeitumstellung schon bis 2031 veröffentlicht. Außerdem hat die Kommission eine neue Studie in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollen bis Ende 2026 vorliegen. Hier gibt es deshalb noch einmal einen kompakten Überblick rund um die Zeitumstellung.
1. Seit wann gibt es die Zeitumstellung? Und warum?
Um Rohstoffe zu sparen, wurde die Sommerzeit in Deutschland erstmals während des Ersten Weltkrieges eingeführt, am 30. April 1916. Damals galten allerdings noch andere Zeiträume. In der Zwischenkriegszeit und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Umstellung wieder abgeschafft. Nach 1949 war in Deutschland zunächst Schluss.
Erst 1980 kehrte der Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit zurück, wie in vielen anderen europäischen Ländern. Gründe waren die Ölkrise und die Energiepolitik. Eine wichtige Rolle spielte auch die DDR: Sie hatte die Sommerzeit für 1980 angekündigt, und die Bundesrepublik zog nach, damit in beiden Teilen Deutschlands dieselbe Uhrzeit gilt. Seit dem 6. April 1980 werden die Uhren in Ost und West in derselben Nacht umgestellt.
1996 wurden schließlich alle Sommerzeiten in Europa vereinheitlicht. Seitdem wird die Uhr im März vor- und im Oktober zurückgestellt. Heute regelt das eine EU-Richtlinie: Die Sommerzeit beginnt am letzten Sonntag im März und endet am letzten Sonntag im Oktober.
2. Was bedeutet "Winterzeit"?
Eine "Winterzeit" im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Was im Volksmund "Winterzeit" heißt, ist die in Deutschland geltende Normalzeit, die Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Wenn wir im Oktober die Uhr um eine Stunde zurückstellen, gilt also einfach wieder die MEZ. Bis zur Wiedereinführung der Sommerzeit 1980 galt in Deutschland zuletzt (seit 1950) durchgehend die MEZ. Die Sommerzeit heißt offiziell Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ).
3. Wie merke ich mir, wie ich die Uhr umstellen muss?
Im März wird die Uhr vorgestellt, im Oktober zurück. Eigentlich ganz einfach – aber wie kann man sich das gut merken? Diese vier Eselsbrücken helfen:
- Blick auf die Terrasse: Im Sommer stellt man die Gartenmöbel vor die Tür, im Winter kommen sie zurück in den Schuppen.
- Temperatur-Check: Im Sommer sind die Temperaturen im Plus, im Winter im Minus.
- Zahlen, bitte! Einfach die Kombi "2-3-2" merken: Im Frühjahr wird die Uhr von 2 auf 3 Uhr gestellt, im Herbst zurück auf 2 Uhr.
- Sich einen Reim darauf machen: "Im Winter stellt man die Uhr hinter."
Übrigens: Smartphones, Computer und Funkuhren stellen sich meist von selbst um. Von Hand umstellen muss man vor allem Backofen, Auto und alte Wecker.
4. Wann wird 2026 von Sommer- auf Winterzeit umgestellt?
Am letzten Sonntag im Oktober endet die Sommerzeit. Dann gilt in Deutschland und in den meisten europäischen Ländern wieder die Mitteleuropäische Zeit, also die Winterzeit. In der Nacht von Samstag, 24. Oktober, auf Sonntag, 25. Oktober 2026, werden die Uhren von 3.00 Uhr auf 2.00 Uhr zurückgestellt. Die Nacht ist damit eine Stunde länger.
Die nächsten Termine: Am 28. März 2027 beginnt wieder die Sommerzeit, am 31. Oktober 2027 wird erneut zurückgestellt.
Tipp für den Herbsturlaub: Die Türkei bleibt seit 2016 dauerhaft bei der Sommerzeit. Ab dem 25. Oktober liegt sie deshalb zwei Stunden vor Deutschland statt einer.
5. Welche Vorteile bringt die Zeitumstellung?
Das zweimalige Umstellen der Uhr kann nerven – ja. Aber es hat auch Vorteile. Weil die Uhr im März eine Stunde vorgestellt wird, bleibt es im Sommer abends länger hell. Die zusätzliche Stunde Tageslicht lässt sich zum Beispiel gut für geselliges Grillen nach Feierabend nutzen. Auch die "Winterzeit" hat einen positiven Effekt: Morgens wird es früher hell. Bei dauerhafter Sommerzeit ginge die Sonne in Aachen am 21. Dezember erst um 9.35 Uhr auf.
6. Welche Nachteile bringt die Zeitumstellung?
Die Zeitumstellung steht im Verdacht, Schlafprobleme, depressive Verstimmungen und mehr Verkehrsunfälle zu verursachen. Viele Menschen spüren den Dreh an der Uhr deutlich.
DAK-Umfrage 2026: Fast jeder Dritte hat Beschwerden
Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit vom Frühjahr 2026 zeigt: Insgesamt hatten 30 Prozent der Befragten schon einmal gesundheitliche Probleme nach der Zeitumstellung, ähnlich viele wie im Vorjahr. Die meisten Betroffenen fühlen sich müde und schlapp (78 Prozent). 66 Prozent berichten von Einschlafproblemen und Schlafstörungen, 44 Prozent von Konzentrationsproblemen.
Frauen leiden fast doppelt so oft wie Männer
Fast 40 Prozent der Frauen hatten nach der Zeitumstellung schon Beschwerden, bei den Männern waren es 22 Prozent. Außerdem fühlen sich 34 Prozent der betroffenen Frauen häufiger gereizt, bei den Männern sind es 27 Prozent.
Für Betriebe wichtig: Die Pünktlichkeit leidet
Fast jeder vierte betroffene erwerbstätige Mann (24 Prozent) hat nach der Umstellung Probleme, pünktlich zur Arbeit zu kommen. Bei den Frauen sind es 15 Prozent.
Am stärksten betroffen: die 30- bis 44-Jährigen
Besonders oft betroffen sind Menschen im Alter zwischen 30 und 44 Jahren: 36 Prozent von ihnen hatten schon einmal Probleme nach der Zeitumstellung. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Knapp dahinter folgen die 45- bis 59-Jährigen mit 33 Prozent.
Große Mehrheit hält die Zeitumstellung für überflüssig
Entsprechend wenig Rückhalt hat die Zeitumstellung in der Bevölkerung: 71 Prozent der Deutschen halten sie für überflüssig. Besonders deutlich ist die Ablehnung bei den über 60-Jährigen. Obwohl sie selbst eher selten Beschwerden haben, sind 80 Prozent von ihnen für die Abschaffung. Am meisten Zustimmung findet die Zeitumstellung bei den 14- bis 29-Jährigen: 44 Prozent von ihnen sind dafür, sie beizubehalten.
Warum die Umstellung so schlaucht
Dass die Umstellung vielen Menschen zu schaffen macht, liegt daran, dass der Körper zwischen vier und 14 Tagen braucht, bis sich der gewohnte Schlafrhythmus an die neue Zeit angepasst hat. In den vergangenen Jahren gab es eine Reihe von Studien zu den Folgen der halbjährlichen Zeitumstellung. Dabei ging es etwa um mehr Verkehrsunfälle in den Tagen danach und um Gesundheitsprobleme wie zeitweise Schlafstörungen und kurzzeitig erhöhte Herzinfarkt-Raten.
Gegenstimme: Spanische Forscher sehen kaum Gefahr
Es gibt aber auch andere Stimmen. Jorge Mira von der Universität Santiago de Compostela und José María Martín-Olalla von der Universität Sevilla haben im März 2025 in der Fachzeitschrift "Royal Society Open Science" eine Übersichtsarbeit veröffentlicht. Ihr Fazit: Die Zeitumstellung bringt den Lebensrhythmus der Menschen nicht durcheinander. Sie sorgt im Gegenteil dafür, dass der Tag wieder näher am Sonnenaufgang beginnt. Der größte Nachteil der Zeitumstellung seien die Probleme in den Übergangszeiten, sagen die beiden Forscher. Eine wirklich relevante Gefahr sei aber nicht zu erkennen. Der kurzfristige leichte Anstieg des Risikos für Unfälle oder Herzinfarkte zum Beispiel sei gering im Vergleich zu zahlreichen anderen Faktoren.
Vielfach sei zudem die Methodik solcher Studien fraglich, schreibt das Forscher-Duo. Stellungnahmen und Analysen etwa von Chronobiologen oder Schlafmedizinern seien oft nur auf die Nachteile fixiert. Sie ignorierten die heute oft vergessenen Vorteile eines Arbeitsbeginns, der näher am Sonnenaufgang liegt. Die Risiko-Nutzen-Bilanz werde verzerrt dargestellt.
Verschieben statt abschaffen
Statt die Zeitumstellung abzuschaffen, schlagen die beiden Forscher vor, sie zu verschieben: Die Sommerzeit sollte erst am ersten Aprilwochenende beginnen und schon Anfang Oktober enden. Wer unter dem Wechsel leidet, dem raten sie, sich vorher anzupassen: Drei Wochen vor dem Termin den Wecker jede Woche um eine Viertelstunde in Richtung der neuen Zeit verstellen.
Schlafmediziner: lieber dauerhafte Normalzeit
Viele Schlafmediziner sehen das anders. Fachgesellschaften sind meist gegen den halbjährlichen Wechsel. Falls die Zeitumstellung abgeschafft wird, wollen sie in der Regel eine dauerhafte Normalzeit, weil diese besser zum natürlichen Hell-Dunkel-Rhythmus des Menschen passt.
7. Spart die Zeitumstellung tatsächlich Energie?
Die Sommerzeit wurde 1980 eingeführt, um Energie zu sparen. Im Sommer wird abends tatsächlich seltener das Licht eingeschaltet. Dafür wird im Frühjahr und Herbst morgens mehr geheizt. Auch Daten des EU-Parlaments zeigen, dass nur relativ wenig Energie eingespart wird. Das Umweltbundesamt kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass die Zeitumstellung unter dem Strich kaum Energie spart. Eine Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) aus dem Jahr 2016 beziffert das Einsparpotenzial ohne die zusätzlichen Heizkosten auf 0,21 Prozent des gesamten Jahresstromverbrauchs der Bundesrepublik. Seitdem haben sich sparsame LED-Lampen durchgesetzt. Dadurch ist der Spareffekt noch kleiner geworden.
8. Was würde es bedeuten, wenn es nur noch eine geregelte Zeit gäbe?
Nach dem Vorschlag der EU-Kommission dürfte jedes Mitgliedsland selbst entscheiden, ob es dauerhaft bei der Sommerzeit oder bei der Normalzeit bleibt. Genau daran hakt es: Einen Flickenteppich aus Zeitzonen in Europa will niemand. Die Bundesregierung hat sich noch auf keine der beiden Varianten festgelegt. Ihr ist vor allem wichtig, in derselben Zeitzone zu bleiben wie die Nachbarländer. Aber was würde es bedeuten, wenn es nur noch eine einheitliche Zeit gäbe?
Bei dauerhafter Sommerzeit würden die Uhren im Oktober nicht mehr um eine Stunde zurückgestellt. Im Sommer gäbe es dann wie bisher lange, helle Abende. Auch im Winter wäre es abends länger hell. Die Sonne würde aber deutlich später aufgehen. Im Westen Deutschlands wäre das im Dezember erst nach halb zehn, und Schulkinder würden monatelang im Dunkeln losgehen.
Bei dauerhafter Winterzeit, also der Normalzeit MEZ, wären die Sommerabende kürzer. In Berlin ginge die Sonne im Juni dann schon um 20.32 Uhr unter. Dafür würde es morgens bereits gegen 3.45 Uhr hell.
Mit Inhalten der dpa

