IAB-Studie Zeitarbeit: Einsatzdauer und ungleiche Löhne werden begrenzt

Laut Koalitionsvertrag müssen Arbeitgeber Leiharbeitsverhältnisse bald auf 18 Monate begrenzen und nach neun Monaten den Zeitarbeitern gleiche Löhne zahlen wie der Stammbelegschaft. Eine IAB-Studie zeigt nun, dass dies kaum Folgen haben wird: Die meisten Zeitarbeiter sind nur rund drei Monate als solche angestellt.

Im Handwerk und der Industrie werden Zeitarbeiter oft nur eingesetzt, um Auftragsspitzen abzudecken. Die Einsatzdauer liegt im Schnitt bei drei Monaten. - © Foto: ndoeljindoel/Fotolia

Der typische Zeitarbeiter ist jung und männlich – über 30 Prozent ist sogar unter 25 Jahre alt. Und der typische Zeitarbeiter ist im Schnitt auch nur rund drei Monate in einer Firma beschäftigt und wechselt dann den Einsatzort. Das zeigen Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Forscher haben eine Vergleichsstudie zu den Jahren 2000 und 2010 erstellt und zeigen damit nach eigenen Angaben, dass die Pläne der Bundesregierung zur Begrenzung der Leiharbeit nur wenige Auswirkungen haben werden.

Zahl der Leiharbeiter stark gestiegen

So möchte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) künftig dafür sorgen, dass Arbeitgeber Leiharbeiter nur noch höchstens für 18 Monate beschäftigen dürfen. Danach müssen sie sie in ein festes Arbeitsverhältnis übernehmen. Bereits nach neun Monaten der Beschäftigung soll eine Pflicht bestehen, dass Leiharbeiter und die Stammbelegschaft den gleichen Verdienst erhalten. Die Pläne sind im Koalitionsvertrag enthalten. Nach der Sommerpause wird das Thema voraussichtlich auf der Tagesordnung stehen.

Nach den Ergebnissen der IAB-Studie könnte von den geplanten gesetzlichen Neuregelungen bei der Zeitarbeit bei der Bezahlung nur etwa jeder vierte und bei der Überlassungsdauer nur etwa jeder siebte Leiharbeitnehmer betroffen sein.

Und das obwohl die Zahl der Leiharbeiter in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist. Im Vergleichszeitraum des IAB von rund 330.000 auf fast 880.000 Beschäftigte. Doch 47 Prozent von ihnen sind im Schnitt weniger als drei Monate bei einem Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt. Mehr als neun Monate dauerten im Jahr 2010 nur etwa 28 Prozent der Leiharbeitsverhältnisse. Länger als 18 Monate waren 14 Prozent der Leiharbeitnehmer als solche beschäftigt.

Urlaubs- oder Vorsorgereglungen auch für Zeitarbeiter

Längere Leiharbeitsverhältnisse gingen nach Angaben des IAB eher Akademiker ein, aber auch Facharbeiter. Etwa 36 Prozent der Leiharbeiter mit Hochschulabschluss und 26 Prozent der Leiharbeiter mit Berufsausbildung waren nach neun Monaten nach wie vor im gleichen Zeitarbeitsunternehmen tätig. Die Geringerqualifizierten ohne abgeschlossene Berufsausbildung bleiben nur zu rund 18 Prozent länger als neun Monate im Zeitarbeitsbetrieb.

Wer vom neuen Gesetz zur Begrenzung der Leiharbeit am Ende wirklich profitiert, bleibt abzuwarten. Wie "faz.net" berichtet, könnten die Pläne von Andrea Nahles noch weiter gehen als bis zur einfachen Lohnangleichung. Denn im Durchschnitt verdienen Zeitarbeiter weniger als Stammkräfte. So könnte die angestrebte Gleichbehandlung neben Gehaltsfragen auch Urlaubs- oder Vorsorgereglungen umfassen.

Die Folge wäre ein steigender bürokratischer Aufwand für die Einsatzunternehmen. Die Zeitarbeitsbranche befürchtet laut "faz.net" auch Folgen für die Mitarbeiter, für die Zeitarbeit den Einstieg in den Arbeitsmarkt bedeutet. dhz