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So bekommt man Kindergeld während der Ausbildung Zehn Euro mehr Kindergeld ab Juli 2019

Angesicht der steigenden Steuereinnahmen hat das Bundeskabinett ab 2019 eine Erhöhung des Kindergelds beschlossen. Davon profitieren auch Azubis, denn auch während der Berufsausbildung besteht meist ein Kindergeldanspruch. Die Bundesagentur für Arbeit erleichtert nun die Beantragung.

Die Bundesagentur für Arbeit will den bürokratischen Aufwand für die Weiterbewilligung des Kindergelds während der Berufsausbildung oder dem Studium senken. Alles soll nun in nur wenigen Schritten über einen neuen Internetservice organisiert werden. In der Regel besteht auch während der Ausbildung ein Anspruch auf Kindergeld und diesen können Eltern oder Azubis, die nicht mehr zuhause wohnen, nun allein durch den digitalen Nachweis des Ausbildungsvertrags oder der Berufsschulbescheinigung aufrechterhalten. Der Nachweis kann ab jetzt online eingereicht werden. Die BA stellt auf ihrem Portal genaue Schritte dazu vor. Hier erreichen Sie den neuen Kindergeld-Service.>>>

Freuen können sich Azubis bzw. deren Eltern zudem, dass ab 2019 eine Erhöhung des Kindergelds ansteht. Denn Ende Juni hat das Bundeskabinett das Familienentlastungsgesetz auf den Weg gebracht. Union und SPD haben damit den Vorschlag von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) beschlossen und versprechen einige finanzielle Verbesserungen für Familien – besonders für diejenigen mit geringem und mittlerem Einkommen. Dazu gehört, neben einem höheren Grundfreibetrag bei der Steuer und dem damit verbundenen schrittweisen Abbau der kalten Progression und einem zusätzlich höheren Kinderfreibetrag, dass das Kindergeld erhöht wird.

Kindergelderhöhung: Was ist geplant und ab wann gilt die Erhöhung?

Das Kindergeld von derzeit 194 Euro pro Kind soll ab dem 1. Juli 2019 um zehn Euro auf 204 Euro ansteigen – entsprechend steigen auch die Zahlungen, wenn eine Familie mehrere Kinder hat. Das entspricht einer Erhöhung von rund fünf Prozent. Zum 1. Januar 2021 ist eine weitere Erhöhung um weitere 15 Euro vorgesehen. So soll das Kindergeld gemäß dem Koalitionsvertrag bis 2021 um insgesamt 25 Euro pro Kind im Monat zunehmen.

Wie hoch liegt das Kindergeld 2018?

Seit der letzten beschlossenen Erhöhung im Jahr 2017 liegt der Kindergeldbetrag aktuell bei mindestens 194 Euro pro Kind im Monat. Bei Familien mit mehreren Kindern bestimmt die Anzahl der Kinder die Höhe des Kindergelds. Dabei muss man jedoch beachten, dass die Familienkasse nur Kinder in diese Berechnung einbezieht, für die ein Anspruch auf Kindergeld besteht. Gleichzeitig kann ein höherer Kindergeldsatz in bestimmten Fällen auch dann greifen, wenn Kinder beispielsweise nach einer Trennung beim anderen Elternteil leben.

Im Jahr 2018 gibt es:

  • für das erste und zweite Kind je 194 Euro,
  • für ein drittes Kind 200 Euro und
  • ab dem vierten Kind 215 Euro pro Monat.

Wer bekommt Kindergeld?

Kindergeld wird unabhängig vom Einkommen ausgezahlt. Grundsätzlich erhalten Eltern das Kindergeld für alle minderjährigen Kinder, die sie regelmäßig versorgen und die in Ihrem Haushalt leben. Dazu zählen auch Stiefkinder, Enkelkinder oder Pflegekinder. Ausgezahlt wird es aber immer nur an eine Person – meist einen Elternteil. In Ausnahmefällen kann es auch direkt an das Kind gezahlt werden – etwa, wenn das Kind einen eigenständigen Haushalt führt und keinen Unterhalt von den Eltern bekommt.

Der Anspruch auf Kindergeld endet mit Ablauf des Monats, in dem das Kind sein 18. Lebensjahr vollendet. Der Bezug des Kindergelds kann jedoch verlängert werden, wenn sich Kinder nach Vollendung des 18. Lebensjahres noch in der Schul- oder Berufsausbildung oder im Studium befinden. Kindergeld wird jedoch längstens bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres des Kindes gezahlt.

Eine weitere Voraussetzung für den Anspruch auf Kindergeld ist, dass der Wohnort in Deutschland, einem anderen Land der EU, in Norwegen, Liechtenstein, Island oder der Schweiz liegt. Für einige Ländern gelten besondere Regelungen und es gibt auch verschiedenste Konstellationen in Bezug auf die Staatsangehörigkeiten von Eltern und Kindern, die den Anspruch auf Kindergeld beeinflussen. Die Details dazu können hier nachgelesen werden.>>>

Wo kann man Kindergeld beantragen?

Kindergeld – und auch die mögliche Verlängerung über das 18. Lebensjahr hinaus – muss immer schriftlich bei der zuständigen Familienkasse beantragt werden. Diese gehört zur ortsansässigen Agentur für Arbeit. Die Anschrift der jeweils zuständigen Familienkasse findet man unter familien-wegweiser.de.

Welche Veränderungen sind künftig neben der Erhöhung des Kindergelds für Familien noch geplant?

Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD festgelegt, dass sie Familien stärker entlasten und stärker an den hohen Steuereinnahmen der guten Konjunktur teilhaben lassen wollen. Genau dies soll nun mit dem Familienentlastungsgesetz geschehen, dass das Bundeskabinett nun beschlossen hat. Neben der Erhöhung des Kindergelds plant die Bundesregierung deshalb auch den steuerlichen Kinderfreibetrag zu erhöhen. Er soll in zwei gleichen Teilen zum 1. Januar 2019 und zum 1. Januar 2020 um jeweils 192 Euro. So steigt er im Jahr 2019 von 7.428 auf 7.620 Euro und im Jahr 2020 dann weiter auf 7.812.

Als weiteren Schritt plant die Bundesregierung eine Anhebung des Grundfreibetrags im Jahr 2019 auf 9.168 Euro und 2020 auf 9.408 Euro. Derzeit liegt der Grundfreibetrag bei 9.000 Euro. Auf diesen Teil des Einkommens muss keine Einkommensteuer gezahlt werden. Damit möchten Union und SPD nach eigenen Angaben vor allem mittlere und untere Einkommen bei der sogenannten kalten Progression entlasten und auch Familien mehr vom monatlichen Einkommen übriglassen.

Diese Pläne bzw. der Ansatz, dass vor allem Familien mit kleinen und mittleren Einkommen profitieren sollen, ernten jedoch schon Kritik. So geht der Gesetzesentwurf nach Angaben der Diakonie völlig an Familien vorbei, die von Armut betroffen sind und eine Unterstützung und Entlastung am nötigsten bräuchten. Ähnlich sehen das Linkspartei und Grünen. So bringe auch Familien im Hartz-IV-Bezug eine Erhöhung des Kindergelds nichts, da jeder Euro auf den Regelsatz angerechnet wird, kritisieren sie einem Bericht von tagesschau.de.

Zudem ist ein Teil der Entlastungen bereits gesetzlich ohnehin geboten, da sie auf Basis des  Existenzminimumberichts vorgegeben werden, der auch die Höhe steuerlicher Freibeträge bestimmt.

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