Zuwanderer im Handwerk ZDH und DIHK fordern bessere Integration von Einwanderern

Eine bessere Integration von ausländischen Bürgern fordern der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Besonders die Politik sei in der Pflicht.

Die Integration von ausländischen Arbeitskräften soll verbessert werden - © Foto: KFW

In der gemeinsamen Erklärung haben die Verbände Vorschläge zur erfolgreichen Integration von Zuwanderern veröffentlicht. Ausländische Staatsbürger könnten einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Folgen des demografischen Wandels in Deutschland abzumildern. Deutschland brauche dringend Zuwanderung um auch in Zukunft seinen Wohlstand zu sichern und auch weiterhin hohes Wirtschaftswachstum zu verzeichnen.

In der als "Berliner Erklärung" titulierten Veröffentlichung plädieren beide Verbände nicht nur für eine arbeitsmarktorientierte Einwanderung, sondern auch für Offenheit und Toleranz gegenüber Migranten. Diese seien "unabdingbare Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander". Leben und arbeiten in Deutschland könne so noch attraktiver werden. Allerdings sei Integration besonders dann eine Herausforderung, wenn etwa Personen verschiedener Kulturkreise aufeinandertreffen. Vorbehalte gegenüber ausländischen Mitbürgern könnten im Rahmen von örtlichen Netzwerken und Dialogforen abgebaut werden.

Wirtschaftliche und kommunale Initiativen

In der Wirtschaft gibt es bereits unterschiedliche Initiativen, die in diese Richtung zielen. Viele Betriebe beteiligen sich an regionalen oder lokalen Programmen zur Integration und stellen Ansprechpartner, die ebenfalls einen Migrationshintergrund haben, für potentielle neue Mitarbeiter zur Verfügung. Auch ausländische Bildungsabschlüsse werden oft geprüft und anerkannt.

Die Handwerkskammer für Schwaben (HWK) etwa zählt das Thema Integration von Migranten seit inzwischen 15 Jahren zum Beratungsportfolio. Nach dem Auseinanderbrechen Jugoslawiens kamen 1999 viele Flüchtlinge nach Schwaben, die hier einer handwerklichen Tätigkeit nachgehen wollten. Als sich eine Vielzahl schwäbischer Betriebe in diesem Zusammenhang an die HWK wendeten, konnte diese ihnen Hilfe und Unterstützung anbieten. Sie war damit bundesweit Vorreiter auf diesem Gebiet.

Auch kommunale Anstrengungen gibt es. Beispielsweise hat die Stadt München einem Antrag des Präsidenten der Handwerkskammer für München und Oberbayern Georg Schlagbauer stattgegeben, der für Flüchtlinge eine Unterstützung bei der Aufnahme eines Praktikums und während einer Lehre forderte. In dem Projekt "pass(t)genau - Unterstützung bei der Berufsausbildung für Flüchtlinge" sollen bis 2018 20 bis 25 Auszubildende und Unternehmen Seminar- und Einzelbetreuungsangebote erhalten. Das Programm kann auf bis zu 150 Ausbildungsplätze erweitert werden.

Integration als Schlüssel zum Erfolg

"Für das Handwerk zählt nicht, woher jemand kommt, sondern wohin er will. Da wir dringend engagierten Nachwuchs brauchen, ist uns jeder willkommen, der fleißig ist und zupacken möchte. Eine Berufsausbildung ist der perfekte Türöffner für eine Karriere im Handwerk und trägt entscheidend zu einer gelungenen Integration bei", betonte Schlagbauer.

Diese Bemühungen der Industrie und Kommunen müssten jedoch noch intensiver von anderen Angeboten begleitet werden, fordern beide Verbände. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen:

  • Eine bessere Förderung von Deutschkursen: Sprache sei der Schlüssel jeder Integration. Solche Kurse müssten Bund und Länder zu einem möglichst frühen Zeitpunkt intensiver fördern als bislang.
  • Die Anerkennung von beruflichen Qualifikationen erleichtern: Für eine Integration in den deutschen Arbeitsmarkt müsse es leichter werden, mit einem ausländischen Bildungsabschluss in Deutschland Fuß zu fassen.
  • Eine Beschleunigung von Asylverfahren: Künftig müsse es möglich sein, Anträge von Asylsuchenden schneller zu bearbeiten und dabei ihre berufliche Erfahrung festzustellen.
  • Eine Verbesserung der Ausbildungsbedingungen: Der Zugang zu einer beruflichen Ausbildung müsse verbessert werden. Die Vorrangprüfung soll für Migranten dann entfallen, wenn es sich um einen Beruf handelt, in dem es ein Mangel an Nachwuchs gibt.
  • Eine rasche Integration in den Arbeitsmarkt: Es müsse einen Bürokratieabbau geben. Die Vielzahl von Aufenthaltstiteln und komplexen Anerkennungsverfahren erschweren für Migranten die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Zudem müsse es eine bessere Abstimmung der beteiligten Institutionen geben.
  • Den deutschen Markt und seine Chancen besser bewerben: Zur Gewinnung von Fachkräften müsse im Ausland verstärkt geworben werden.
  • Willkommens- und Begleitstrukturen sollen ausgebaut werden: Angedacht sind hierbei kommunale Willkommenszentren, die als erste Anlaufstellen für neu Eingetroffene dienen. Mentoren in den Unternehmen könnten die ausländischen Mitarbeiter im beruflichen und privaten Alltag unterstützen.
Beide Verbände betonen, dass es in Deutschland bereits insgesamt gute Rahmenbedingungen für den Einstieg ausländischer Arbeitskräfte gebe. Man wolle jedoch gemeinsam mit der Politik die Situation noch weiter verbessern und für "eine erfolgreiche Integration, eine starke Wirtschaft und eine offene Gesellschaft" eintreten. In Deutschland wurden im Februar 2015 26.083 Asylanträge gestellt.