Im spannenden Thrillerdrama "Zazy" tut eine junge Handwerkerin alles dafür, um sich den Traum von einer TV-Karriere zu erfüllen. Hauptdarstellerin Ruby O. Fee glänzt im Film als freizügige Verführerin und zog auch auf dem Roten Teppich beim Filmfest in Hamburg alle Blicke auf sich. Am 30. März startet der Film in den deutschen Kinos.
Lars-Christian Daniels
"Das Handwerk bringt dich überall hin", lautete 2013 das Jugendmotto der Imagekampagne des Deutschen Handwerks, und die junge Suzanna Bukowski (Ruby O. Fee), die sich von allen nur "Zazy" nennen lässt, tritt auf der Leinwand den lebenden Beweis dafür an: Matthias X. Obergs gleichnamiger Film, der beim diesjährigen Filmfest Hamburg seine Europapremiere feierte, erzählt die Geschichte einer hübschen Maßschneiderin, die ihre Ausbildung fernab der deutschen Heimat in einem idyllischen Örtchen am Gardasee absolviert. Ihr italienischer Chef Patrizio (Claudio Caiolo) ist einer der angesagtesten Schneider der Gegend und darf in seinem exklusiven Laden regelmäßig die Berühmtheiten der High Society begrüßen, die sich in den nahegelegenen Luxushotels und teuren Spas verwöhnen lässt. Doch wirklich glücklich ist Zazy nicht.
Während ihr strenger Chef im Erdgeschoss die Kundschaft umgarnt und selten lobende Worte für seine Auszubildende übrig hat, fristet die mäßig motivierte Zazy im Obergeschoss des Zwei-Personen-Betriebs ein einsames Dasein mit Nadel und Faden. Irgendwie hatte sie sich das mit der Schneiderlehre in Italien anders vorgestellt – und wenn es sein muss, täuscht sie schon mal einen Arbeitsunfall an der Nähmaschine vor, um früher nach Hause gehen und Zeit mit ihrem Freund Tomek (Paul Boche) verbringen zu können. "Immer nur Knöpfe und Reißverschlüsse annähen", klagt die 18-jährige nach Feierabend über ihren eintönigen Arbeitsalltag. Die Nachwuchshandwerkerin wünscht sich nichts sehnlicher, als ihre Ausbildung hinzuschmeißen und als Moderatorin Karriere zu machen.
"Irgendwas beim Fernsehen wär geil."
Die Chance dazu bietet sich schneller, als sie für möglich gehalten hätte: Eines Tages betritt Marianna Berg (Petra Hultgren), die Ehefrau des bekannten TV-Entertainers Maximilian Berg (Philippe Brenninkmeyer), die Schneiderei, weil sie ihre ohnehin schon großzügig ausgestattete Garderobe um ein maßgeschneidertes Kleid erweitern möchte. Zazy verpatzt zwar eine wichtige Naht an der Schulterpartie, doch das Missgeschick bietet ihr die willkommene Gelegenheit, nach Feierabend Kontakt zu ihrer prominenten Kundin aufzunehmen. Als ihr Chef eines Tags unentschuldigt nicht im Geschäft auftaucht, findet Zazy heraus, dass er zuvor einen Ausflug mit Marianna unternommen hatte – und hat damit ein wirksames Druckmittel gegen die Moderatorengattin in der Hand, die mit Blick auf die Klatschpresse jedes Aufsehen vermeiden will. Für ihr Schweigen fordert die durchtriebene Noch-Handwerkerin, dass Marianna ihr beim Sprung in die TV-Branche behilflich ist.
Matthias X. Obergs deutsch-italienischer Film, der am 30. März 2017 in den deutschen Kinos startet, erzählt eine lupenreine Erpressungsgeschichte – große Überraschungen bleiben dabei zwar aus, und doch ist Zazy bis in die Schlussminuten eine spannende Angelegenheit. Das liegt nicht zuletzt an der herausragenden Hauptdarstellerin: Jungschauspielerin Ruby O. Fee, die in den letzten Jahren unter anderem in zwei sehenswerten "Tatort"-Folgen aus Köln und Stuttgart mit tollen Auftritten für Furore sorgte, brilliert in ihrer anspruchsvollen Hauptrolle als durchtriebene Erpresserin, die für die Erfüllung ihres Traums von der TV-Karriere buchstäblich über Leichen geht.
Freizügige Lolita und eiskalte Erpresserin
Figurbetont sind dabei nicht nur die maßgeschneiderten Kleider, die die Auszubildende zu Beginn des Films anfertigt, sondern auch die Bilder von Kameramann Ralf Mendle: Blickfang Ruby O. Fee ist rund ein halbes Dutzend Mal in Unterwäsche oder mit blankem Busen zu sehen, hat vor der Kamera hemmungslosen Sex mit ihrem drogensüchtigen Freund Tomek, schluckt Liquid Ecstasy und stolziert sogar nackt in den Swimmingpool des TV-Moderators, den sie nach allen Regeln der Kunst um den Finger zu wickeln versucht. Wer Francois Ozons meisterhaften Psychothriller "Swimming Pool" (2003) mit Charlotte Rampling und Ludivine Sagnier gesehen hat, der weiß, dass freizügige Katz-und-Maus-Spiele wie diese auf der Leinwand selten ein gutes Ende nehmen.
Die Nachwuchsschauspielerin besticht aber nicht nur mit ihren weiblichen Reizen, sondern vor allem mit facettenreichem Spiel und einer Kamerapräsenz, der man sich kaum entziehen kann: Trotz ihrer erst 20 Jahre scheint Fee ihre Paraderolle bereits gefunden zu haben, denn sie hat die Kombination aus verführerischer Lolita, unschuldigem Teenager und eiskaltem Biest wie keine zweite deutsche Kinodarstellerin perfektioniert. Im Schlussdrittel spielt sich dann auch ihr Leinwandpartner – übrigens eines der meistgebuchtesten Männermodels der Welt – in den Vordergrund: Blondschopf Paul Boche wirft sein Können eindrucksvoll in die Waagschale und mimt mit Zazys unberechenbarem Freund Tomek eine menschliche tickende Zeitbombe, die früher oder später explodieren muss. Zazy wird ihr aufbrausender Lover im Verlauf des Films immer fremder – und spätestens, als der eifersüchtige Tomek handgreiflich wird und in die Endrunde eines Castings platzt, schaukeln sich die unterschwelligen Unzufriedenheiten zum offenen Konflikt hoch.
Spannendes Thrillerdrama mit zweifelhafter Botschaft
An emotionalen Reizpunkten mangelt es dem Thrillerdrama also nicht, doch kleinere Schönheitsfehler im Obergs Drehbuch lassen sich nicht leugnen: Interessante Einblicke in das Haifischbecken Fernsehbranche bleiben auch deswegen aus, weil die Verantwortlichen hinter den Kulissen allzu klischeehaft skizziert werden und der stets perfekt frisierte TV-Moderator Berg, der eine Zweitkarriere in der Politik anstrebt, immer genau das tut, was man von ihm erwarten würde. Seine Frau ist da die deutlich interessantere Figur, doch am ärgerlichsten ist unter dem Strich die mehr als zweifelhafte Botschaft des ansonsten überzeugenden Films: Wenn du als junger Mensch heutzutage berühmt werden willst, musst du deine handwerkliche Ausbildung hinschmeißen und dich ohne Rücksicht auf Verluste und Moral bei den Entscheidungsträgern anbiedern – je durchtriebener und selbstsüchtiger du dich dabei verhältst, desto besser.
Informationen zum Film und der Hauptdarstellerin von Zazy
Weitere Infos zum Film und zu den Hauptdarstellern Ruby O. Fee und Paul Boche gibt es unter: