Statistisches Bundesamt Zahl der Baugenehmigungen weiter stark rückläufig

Das Baugewerbe beklagt so wenige Baugenehmigungen wie zuletzt 2011. Die Branche warnt vor einer Verschärfung der Krise am Wohnungsmarkt und fordert Gegenmaßnahmen der Politik.

Baustelle mit Kränen in Tübingen.
Bei den Mehrfamilienhäusern ging die Zahl der Baugenehmigungen um 21,6 Prozent zurück (Zeitraum von Januar bis Juli 2024 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). - © Calado - stock.adobe.com

Angesichts der sich weiter verschärfenden Krise im Wohnungsbau schlägt der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) Alarm. "Nur wenn Bund und Länder endlich gemeinsam wetterfeste Reformen und Maßnahmen ergreifen, können wir diese Wohnungsbaukrise meistern", sagte Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa angesichts der jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Danach wurden im Juli 2023 knapp 17.000 Wohnungen genehmigt, 4.000 oder 19,2 Prozent weniger als im Juli 2023. Im Vergleich zum Juli 2022 waren es sogar 13.700 Wohnungen oder 44,6 Prozent weniger.

Stärkster Rückgang bei Einfamilienhäusern

Wie das Statische Bundesamt weiter mitteilte, wurden im Zeitraum von Januar bis Juli 2024 insgesamt rund 123.600 Wohnungen genehmigt; das waren 32.500 Wohnungen oder 20,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Darin enthalten sind den Angaben zufolge Baugenehmigungen für Wohnungen in neuen Wohn- und Nichtwohngebäuden sowie Genehmigungen für neue Wohnungen in bestehenden Gebäuden. Dabei ging die Zahl der Baugenehmigungen bei Einfamilienhäusern um 28,6 Prozent und bei Mehrfamilienhäusern um 21,6 Prozent zurück. "So wenige Genehmigungen hatten wir zuletzt 2011", warnte Pakleppa.

Verband: Bauwillige können Kosten nicht stemmen

Nach Einschätzung des Verbandes eine bedrohliche Entwicklung. "Ohne Baugenehmigungen kein Wohnungsbau, und ohne Wohnungsbau wird das Minus am Markt immer größer", warnte Pakleppa. Besserung sei nicht in Sicht. Es gebe viele Bauwillige und Investoren, die bauen wollten, es aber wegen der zu hohen Bauzinsen und der strengen energetischen Anforderungen nicht schafften. "Die Bundesregierung muss sich eingestehen, dass es mehr braucht als den politischen Willen und die Hoffnung auf eine Trendwende", sagte er.

Pakleppa fordert bessere Neubauförderung

Auf Bundesebene bedarf es nach Einschätzung Pakleppas eine "verlässliche Neubauförderung, auch für den EH 55-Standard, in Kombination mit einem Zinssatz von ein Prozent". Und auf Landesebene gehe es endlich darum, die Landesbauordnungen so zu novellieren, dass schneller und günstiger gebaut werden könne. Niedersachsen haben es vorgemacht. "Ein echter Lichtblick", wie Pakleppa betont. Die Baubranche hoffe, dass sich andere Bundesländer daran ein Beispiel nähmen.