Statt mehr, wie von der Bundesregierung angestrebt, wird in Deutschland immer weniger gebaut. Seit 17 Monaten liegt die Zahl der Baugenehmigungen im Minus. Knapp drei Monate nach dem Wohnungsbaugipfel wartet das Baugewerbe weiter auf die Umsetzung der Ergebnisse. Schlimmer noch: Versprechungen werden wieder zurückgenommen.

Der Abwärtstrend bei den Wohnungsbaugenehmigungen in Deutschland setzt sich fort. Im Oktober genehmigten die Bauaufsichtsbehörden nach aktuellen Schätzungen des Statistischen Bundesamtes den Bau von 22.500 Wohnungen. Das sind 11,5 Prozent weniger als im Oktober 2022.
Insgesamt sank die Zahl der Baugenehmigungen von Januar bis Oktober 2023 bei Wohnungen um rund 27 Prozent, bei Einfamilienhäusern um 38 Prozent und bei Mehrfamilienhäusern um 25 Prozent. Am stärksten war der Rückgang bei den Zweifamilienhäusern. Hier wurden in den ersten zehn Monaten 2023 nur noch halb so viele Bauvorhaben genehmigt wie im Vorjahr.
"Im Wohnungsbau brennt der Baum"
"Eigentlich sollten bei allen Beteiligten die Alarmsignale leuchten. Seit 17 Monaten brechen die Baugenehmigungszahlen ein", sagt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB). Er kritisiert, dass auch drei Monate nach dem Wohnungsgipfel noch immer keine konkreten Ergebnisse vorliegen. Stattdessen würden Teile der Versprechen wegen der Haushaltskrise wieder zurückgenommen. Der sogenannte Geschwindigkeitsbonus für einen besonders zügig umgesetzten Heizungstausch bis Ende 2024 soll ebenso wenig kommen wie der Konjunkturbooster für Sanierungen. Vergangene Woche wurde zudem das Förderprogramm "Klimafreundlicher Neubau (KFN)" vorläufig gestoppt.
"Ganze 70 Prozent unserer Unternehmen erwarten eine Verschlechterung der weiteren Geschäftsentwicklung. Im Wohnungsbau brennt der Baum", so Pakleppa. Er appelliert an die Ampel, endlich zu handeln. Lösungen lägen auf dem Tisch. "Es braucht vor allem bessere steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten, eine robuste EH-55-Förderung, Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer und einfachere Landesbauordnungen."
Baugewerbe erwartet Rückgang um 30.000 Beschäftigte
Für das Jahr 2023 rechnet der ZDB mit einem realen Umsatzrückgang von 5,3 Prozent. Auch 2024 erwartet das Baugewerbe ein Minus von drei Prozent – mit Folgen für Zehntausende Beschäftigungsverhältnisse. "Für 2024 rechnen wir mit einem deutlichen Rückgang um 30.000 Beschäftigte, bei weiterem Abwärtspotenzial", sagte ZDB-Präsident Wolfgang Schubert-Raab Anfang Dezember. Angesichts maroder Infrastruktur und fehlender Wohnungen mangele es dem Baugewerbe nicht an Aufgaben, wohl aber an Aufträgen. fre