Berufsbildungsbericht Zahl der Azubis steigt, aber der Bedarf wächst noch stärker

Viele Jugendliche sind zwar an einer Ausbildung interessiert, finden aber keine passende Stelle. Das liegt nicht an mangelnden Ausbildungsangeboten. Vielmehr passen Angebot und Nachfrage oft nicht zusammen.

Laut Berufsbildungsbericht haben es Unternehmen im Lebensmittelhandwerk besonders schwer, Azubis zu finden. - © Ольга Симонова - stock.adobe.com

Das vierte Jahr in Folge ist die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze gestiegen. "Wir haben ein Passungsproblem zwischen Bewerberinnen und Bewerbern und angebotenen Stellen im Markt", sagte Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) zu den Ergebnissen des Berufsbildungsberichts. Zentrales Ziel der Regierung sei es, mehr junge Menschen in Ausbildung zu bringen. Erfreut zeigte sie sich, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge 2023 um drei Prozent auf insgesamt 489.200 erhöht werden konnte.

Handwerk mit einem Plus an neuen Ausbildungsverträgen

Auch im Handwerk ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge nach den pandemiebedingten Rückgängen zuletzt wieder gestiegen. Der Grund: "Die Betriebe haben trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage mehr Ausbildungsangebote für junge Menschen geschaffen", erklärte Handwerkspräsident Jörg Dittrich. Insgesamt verzeichnet das Handwerk 1,2 Prozent mehr abgeschlossene Ausbildungsverträge.

Viele unbesetzte Ausbildungsplätze – auch im Handwerk

Laut Bericht blieben über alle Branchen hinweg 73.400 Ausbildungsplätze unbesetzt. Das ist ein Plus von 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Handwerk blieben nach den Worten Dittrichs rund 20.500 Stellen offen. Gleichzeitig gab es dem Bericht zufolge rund 26.400 junge Menschen, die sich für einen Ausbildungsplatz interessierten, aber keine passende Stelle fanden. Ein Plus von 16,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dabei gibt es je nach Beruf und Region deutliche Unterschiede, wie gut oder schlecht Ausbildungsplätze besetzt werden können. Besonders schwer ist es im Lebensmittelhandwerk, in Bau und Metallberufen sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe, geeignete Lehrlinge zu finden.

Übernahmequoten wieder gestiegen

Wie der Bericht weiter deutlich macht, wurden im Jahr 2022, für das die jüngsten aktuellen Zahlen vorliegen, 29,5 Prozent aller Ausbildungsverträge aufgelöst. Das heißt allerdings nicht automatisch, dass diese jungen Menschen dem dualen Ausbildungssystem völlig verloren gehen. Im gleichen Zeitraum haben sich auch die Übernahmequoten wieder verbessert. Sie lagen mit 77 Prozent im Jahr 2022 wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie.

BIBB warnt: Rund 2,9 Millionen unter 35-Jährige ohne Ausbildung

Der Präsident des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB), Hubert Esser, sieht im Berufsbildungsbericht Licht und Schatten. Zwar habe sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt etwas entspannt, sagte er. Große Sorge bereitete ihm aber, dass die Zahl der jungen Menschen unter 35 Jahren ohne Berufsabschluss auf rund 2,9 Millionen gestiegen sei. "Mittlerweile ist fast jeder fünfte in dieser Altersgruppe davon betroffen", sagte er. Das sei ein 'No-Go' für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort Deutschland.