Classic-Studie Young- und Oldtimer: Unausgeschöpftes Potenzial für Werkstätten

Der Markt für Young- und Oldtimer ist zuletzt erneut gewachsen. Gerade für Werkstätten kann das ein attraktives Geschäftsfeld sein. Doch die Kfz-Branche verkauft sich schlecht.

Oldtimerspezialisten sind rar: Kfz-Mechatroniker können eine Weiterbildung zur "Fachkraft für die Restaurierung historischer Fahrzeugkarosserien" absolvieren. - © Countrypixel - stock.adobe.com

Laut der Classic-Studie Young- und Oldtimer 2023 von der BBE Automotive GmbH bleibt der Markt für Oldtimer weiterhin stabil und ist sogar gewachsen. Des Weiteren sei die wirtschaftliche Bedeutung groß. Alleine 3,8 Milliarden Euro fallen im Kernsegment an Reparatur- und Wartungskosten an. Ein Drittel der Autohäuser und 40 Prozent der Servicebetriebe können sich grundsätzlich vorstellen im Bereich der Oldtimer tätig zu werden. Hochgerechnet sind das ca. 1.500 Betriebe, die zukünftig in das Classic-Business einsteigen könnten. Jedoch bereitet auch der Fachkräftemangel der Oldtimer-Branche Probleme.

Das sind die Probleme der Branche

In Hinblick auf den Fachkräftemangel fehle es laut der Studie den meisten Betrieben an Attraktivität in Form einer Arbeitgebermarke. Durch das fehlende Personal drohen Besetzungslücken, sodass die Kundenzufriedenheit bei langen Wartezeiten abnimmt. Der Fachkräftemangel wird dadurch verstärkt, dass die Wartung, Instandhaltung und Restaurierung von Oldtimern nicht mehr Inhalt der Kfz-Mechatroniker-Ausbildung ist. Mitarbeiter mit dem entsprechenden Fachwissen gehen demnächst in den Ruhestand. Mitarbeiter, die bereits über eine abgeschlossene Kfz-Mechatroniker-Ausbildung verfügen, können sich weiterbilden und ein Diplom zur "Fachkraft für die Restaurierung historischer Fahrzeugkarosserien" erhalten. Die Weiterbildung ist angelegt auf ein Jahr, kann aber auch über mehrere Jahre hinweg absolviert werden.

Des Weiteren zeigen die Ergebnisse der Studie, dass sich Betriebe nur halbherzig im Classic-Markt engagieren und unter anderem schon an der falschen Kalkulation scheitern würden. Der Bereich Kalkulation und Controlling würde zudem selten professionell erfolgen. Daraus resultieren unzureichende Renditen. Zu geringe Umsätze lassen sich bei den Betrieben zumeist auf ein schlechtes Marketing und falsche Kundenansprache zurückführen. Homepages, digitales Marketing und Kundenkarteien sind hierbei große Baustellen, die aber auch ein realistisches Potenzial darstellen. Insgesamt würde in der Branche zu wenig in Netzwerken gearbeitet. Eine Tendenz zum Einzelkämpfertum sei erkennbar. Die Studie liefert aber auch Erkenntnisse, die die Branche positiv in die Zukunft blicken lassen.

Positiver Ausblick

Die Branche erwartet viele Neueinsteiger im Segment der Young- und Oldtimer. Das liege an einem Retro- bzw. Vintage-Trend, aber auch an der Freude sich vom Mainstream mit den Fahrzeugen abheben zu können. Nachwuchs wird zudem notwendig sein, denn 2030 werden voraussichtlich die jetzt noch aktiven über 70-Jährigen nicht mehr dem Hobby nachgehen. Ähnliches gilt für die Baby-Boomer-Generation, die teilweise noch ins Hobby einsteigt. Werkstätten sollten sich mit den Ertragschancen beschäftigen und sich unter anderem mit Marketing beschäftigen. Auch Autohäuser sollte ihre Chancen zur Imageverbesserung und Kundenbindung nutzen. Dass Tradition auf das Image eine Auswirkung hat, sollten sich Fahrzeug- und Teilehersteller bewusst werden. Oldtimerspezialisten ist geraten die Angebote zu poolen und die Ersatzteilversorgung sicherzustellen. Für ein breites Interesse in der Kernbranche sowie den peripheren Bereichen sorge in Zukunft weiterhin das große und weiterwachsende Marktvolumen. Des Weiteren denkt jedes dritte Unternehmen derzeit über ein stärkeres Classic-Engagement nach. gsa