Leistungsfähig trotz Ramadan Worauf Arbeitnehmer und Arbeitgeber achten sollten

In Deutschland leben derzeit etwa vier Millionen Muslime. Viele von ihnen fasten während des Ramadans. Während dieser 30-tägigen Fastenzeit verzichten Gläubige tagsüber sowohl auf das Essen als auch auf das Trinken. Gegessen wird nur nach Einbruch der Dunkelheit. Chefs sollten darauf Rücksicht nehmen. Was Sie tun können, damit es im Arbeitsalltag keine Probleme gibt.

Heidi Roider

Auch viele Muslime in Deutschland fasten während des Ramadan. - © Topse - Fotolia

Der Ramadan ist Teil der muslimischen Glaubenspraxis für Sunniten und Schiiten. Während des Ramadans verzichten Gläubige tagsüber sowohl auf das Essen als auch auf das Trinken. Gegessen wird nur nach Einbruch der Dunkelheit. Jedoch sind bei uns die Sommertage oft lange hell – bis zu 20 Stunden.

Gerade bei schwerer körperlicher Arbeit und großer Hitze, zum Beispiel auf Baustellen, kann deshalb der Verzicht auf Trinken und Essen zu gesundheitlichen Problemen wie Dehydrierung, Kreislaufproblemen, Erschöpfung und zu erhöhter Unfallgefahr aufgrund von Konzentrationsstörungen führen.

Beschäftigte, die in diesem Jahr während des Ramadans fasten wollen, sollten sich deshalb im Vorfeld von ihrem Arzt oder dem Betriebsarzt beraten lassen, um sicher zu gehen, dass sie auch während des Fastens ihre tägliche Arbeit schaffen. Darauf weist die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) anlässlich des Ramadans hin.

Da der Körper im Islam ein hohes Gut ist und man verantwortungsbewusst mit ihm umgehen soll, sind auch Ausnahmen vom Fasten gestattet. Eine Lösung ist, das Fasten an Wochenenden oder zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen, wenn beispielsweise mangelnde Konzentration bei der Arbeit ein hohes Sicherheitsrisiko darstellt.

Mit den Mitarbeitern reden

Auf jeden Fall sollten Unternehmer offen mit ihren Mitarbeitern darüber reden. Mit dem Betriebsarzt kann dann zum Beispiel besprochen werden, wie sich das Fasten und die Arbeit vereinbaren lassen. Auch wer wegen einer chronischen Erkrankung Medikamente einnimmt, sollte mit seinem behandelnden Arzt sprechen, bevor er die Einnahme aussetzt oder die Zeiten der Einnahme verändert.

Auch die Unternehmen selbst haben die Möglichkeit, aktiv zu werden.
  • So können Betriebe zum Beispiel den fastenden Beschäftigten für einen bestimmten Zeitraum Wunschschichten anbieten, flexiblere Arbeitszeiten oder angepasste Pausenzeiten, wenn das möglich ist.
  • Was Arbeitgeber auch tun können ist, vorab mit der Belegschaft bestimmte Urlaubszeiten zu klären.
  • Die Aktivitäten sollten dabei zusammen mit den Betroffenen - den Beschäftigten mit und ohne Migrationshintergrund - geplant werden, damit die Belange des Unternehmens und aller Mitarbeiter berücksichtigt sind.
  • Regelungen sollten immer für die gesamte Belegschaft gelten, um das gegenseitige Verständnis und die Wertschätzung zu fördern.
  • Für einen größeren Überblick empfiehlt es sich auch, einen interkulturellen Kalender zu führen, in dem die wichtigsten Fest- und Feiertage verschiedener Kulturen und Religionen stehen.
  • Wer Platz hat, kann als Arbeitgeber auch einen Gebetsraum zur Verfügung stellen.
Um ein möglichst konfliktfreies Arbeiten miteinander zu ermöglichen, sollten auch die Abteilungsleiter und der Chef wissen, wovon geredet wird. Viele Handwerkskammern und Verbände bieten Schulungen zum Thema interkultureller Dialog und Kommunikation an.

Die initiative Gesundheit und Arbeit hat eine Broschüre geschrieben, die kostenlos als PDF zur Verfügung steht. Darin finden Sie Empfehlungen und Wissenswertes über den muslimischen Glauben.