Der 28. Bundesliga-Spieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Wolfsburger Meister-Gen

Mit dem VfL Wolfsburg hat vor der Saison niemand gerechnet. Nun verteidigt die VW-Elf die Tabellenspitze. Kein anderer als Felix Magath hätte den Wölfen das Meister-Gen einpflanzen können. Nun kommt auch noch Glück dazu. Bundesliga-Kolumne von Stefan Galler

Wolfsburger Meister-Gen

Meisterbetrieb: Das Meister-Gen

Man kennt das Geschwätz aus den Reihen des Rekordmeisters seit Jahrzehnten: Immer, wenn sich irgendein Emporkömmling anschickt, den Bayern die Meisterschale zu stibitzen, kommen die üblichen Sprüche: Die packen das nicht, denen fehlt die Erfahrung im Meisterrennen. Über die Wölfe hat das noch keiner der Münchner gesagt, vielleicht weil ihnen bewusst ist, dass eine nicht unwesentliche Person exakt weiß, worauf es beim Kampf um den Titel ankommt: Felix Magath war als Spieler mit dem HSV Deutscher Meister. Und hat als Trainer ausgerechnet mit den Bayern zweimal das Double geholt.

Dem Architekten des Wolfsburger Erfolgs gelang es, der VW-Mannschaft das Meister-Gen einzubauen – irgendwo zwischen Motor und Getriebe. Fit sind die VfL-Kicker sowieso – dafür sorgte Quälix in der Vorbereitung mit Medizinball-Läufen auf der eigens gebauten Rampe. Deshalb verwundert es auch nicht, dass die Wolfsburger Siegtreffer zuletzt schon zweimal in Folge in der 85. Minute fielen: Wenn andere geistig schon in die Garage fahren, schaltet der VfL in den fünften Gang. Und dazu kommt nun dann auch noch der unbedingt benötigte Dusel der Champions: Beim 2:1 gegen Leverkusen gab‘s zuerst einen Strafstoß geschenkt, in der Nachspielzeit wurde Bayer dagegen ein klarer Handelfmeter verweigert.

Und Magath, der nicht erst seit dem 5:1 gegen Bayern vor zwei Wochen als Bundesliga-Django für seine Entlassung im Januar 2007 Rache nehmen will, verhöhnt weiterhin den alten Arbeitgeber: Er würde auf Bayern wetten, wenn es der DFB erlauben würde. Vielleicht ja wirklich, aber dann nur deshalb, weil es mittlerweile für die Münchner eine bessere Quote gibt als für die Wölfe.

Gesellenstück: Nordlichter im Dauer-Duell

Man kennt das vom Eishockey: Am Ende der Saison treffen die Teams in den Playoffs gleich ein paar Mal aufeinander. In der nordamerikanischen NHL gibt es bis zu sieben Duelle, ehe ein Sieger feststeht. Dabei geht es aber immer nur um den Stanley-Cup. Wenn nun der HSV und Werder Bremen demnächst in 19 Tagen gleich viermal gegeneinander spielen, dann kämpfen sie dabei gleich um drei verschiedene Trophäen, wobei man zugeben muss, dass die Aussichten des SV Werder auf die Meisterschale nur theoretischer Natur sind. Aber im DFB-Pokal und UEFA-Cup stehen die Chancen 50:50. Schon kurios, dass sich ausgerechnet die beiden sich nicht wirklich freundschaftlich zugewandten Erzrivalen im Dauer-Duell reiben. Wäre die lokale Brisanz nicht so groß, es könnte ziemlich langweilig werden. Doch auch so äußerte Bremens Pasanen schon Ideen, wie man das Ganze für die Fans attraktiver machen könnte. Er regte an, alle Entscheidungen in ein Spiel zu packen. Oder einen Derbytag zu veranstalten, an dem alle vier Spiele hintereinander ausgetragen werden. Für 150 Euro Eintritt und ohne die nervigen Hin- und Herfahrten.

Wir hätten auch noch ein paar Vorschläge: Wie wäre es, wenn man sich einfach in verschiedenen Disziplinen misst: Tauziehen und Sitzfußball wären doch lustige Alternativen zur ewigen Balltreterei. Oder man einigt sich kampflos: Macht ihr das mit dem DFB-Pokal, wir holen uns den UEFA-Cup. Dann hätte auch Thomas Schaaf weniger Probleme: Der Bremer Coach fürchtet nämlich, bei all den Spielen gegen den gleichen Gegner den Überblick zu verlieren, "in welchem Wettbewerb man gerade spielt".

Erstes Lehrjahr: Mit Wucht auf den Wackel-Trainer

Die Logik des Uli H. ist schon immer wieder zum Brüllen: Weil seine Bayern in Bielefeld 1:0 siegten, seien, so die Rechnung des Managers, "unsere Titel-Chancen gestiegen". Und zwar deshalb, weil die Münchner ein weiteres Auswärtsspiel für sich entschieden haben, Konkurrent Wolfsburg dagegen nur ein läppisches Heimspiel. Und deshalb war Hoeneß bei Luca Tonis Siegtor außer Rand und Band, herzte Jürgen Klinsmann, als hätte ihm der gerade den Champions-League-Pokal überreicht. Der schwäbische Wackeltrainer ließ seinen wuchtigen Vorgesetzten gewähren – nur nicht noch für mehr Ärger sorgen, wird er sich gedacht haben. Zum Glück für Klinsi blieben ihm weitere Zärtlichkeiten erspart, weil Bielefelds Keeper Eilhoff wie ein Weltmeister hielt und die echten Weltmeister Toni und Lucio gleich mehrfach zur Verzweiflung trieb.

Es war auch so ein gelungenes Wochenende für die Bayern, das nur noch getoppt hätte werden können, wenn der Coup in Wolfsburg aufgegangen wäre: Dort hatte nämlich ausgerechnet der aus München verliehene Toni Kroos für Leverkusen zwischenzeitlich das 1:1 erzielt und damit den Bayern fast dazu verholfen, bis auf einen Punkt an die Wölfe heranzurücken. Wer Hoeneß kennt, kann sich des Verdachts nicht erwehren, dass das exakt so geplant war.

Zwei linke Hände: Gierig nach Auswechselspielern

Bisher haben die Kölner Fußballer das immer ganz clever gelöst: Wenn sich ihre Anhänger dem Karneval hingaben, nahmen sie sich eine sportliche Auszeit, schließlich interessiert den Rheinländer sowieso nicht, was seine Kicker machen, wenn er die Pappnase aufhat. In dieser Saison haben die FC-Profis ihre Strategie etwas geändert: Sie spielen auch nach den närrischen Monaten richtig schlecht und sorgen bei den Jecken außer Dienst auf den Rängen für noch schlechtere Laune als dies zwischen März und 11.11. sowieso schon der Fall ist. Die Luft ist definitiv raus aus dieser Saison, vor allem zu Hause geht im Frühjahr 2009 überhaupt nichts mehr: Nur drei von 24 Punkten holten die Kölner aus ihren letzten acht Heimspielen – eine schauderhafte Bilanz. Höhepunkt der katastrophalen Leistungen im RheinEnergieStadion war nun das 0:3-Debakel gegen Stuttgart, zu dem Trainer Christoph Daum dann auch noch einen ernüchternden Kommentar abgab: "Wir können nicht mehr, wir können es nicht besser", sagte der FC-Coach über seine völlig chancenlose Elf und wünschte sich allen Ernstes vier Spieler von der VfB-Auswechselbank: "Dann wäre uns geholfen." Schön, dass Daum im Sommer wenigstens einen Auswechselspieler vom FC Bayern bekommt, vielleicht reicht das ja schon, um wenigstens außerhalb des Karnevals konkurrenzfähig zu sein.