Branchenspiegel: Baugenehmigungen signalisieren Rückgang

Wohnungsneubau bremst Handwerk
Baugewerbe: Die Baukonjunktur hat sich im Jahresverlauf 2007 abgeflacht, die gesamten Bauinvestitionen sind aber immerhin noch um real 2,3 Prozent gestiegen. 2008 zeichnet sich eine weitere Beruhigung der Bautätigkeit ab. Als Wachstumsbremse erweist sich dabei der Wohnungsneubau. Angesichts der bisher vorliegenden Baugenehmigungen für den Ein- und Mehrfamilienhausbau befürchtet der Zentralverband Deutsches Baugewerbe in diesem Bereich einen Umsatzrückgang von neun Prozent. Für das Bauhandwerk, das hier seinen Tätigkeitsschwerpunkt hat, sind das schlechte Vorzeichen. Ob die hohen Umsatzverluste im Neubau durch die zunehmenden Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen am Altbestand ausgeglichen werden können, scheint fraglich. Die Branche hofft nun, dass bald auch Wohneigentum im Rahmen der Riester-Rente gefördert und damit der Wohnungsbau mittel- bis langfristig gestützt wird. Im gewerblichen Bau bleiben die Aussichten relativ günstig, darauf lassen die Frühindikatoren wie Auftragseingänge und Bauanträge schließen. Auch die öffentlichen Bauinvestitionen werden weiter zunehmen. Die verbesserte Haushaltslage erlaubt der öffentlichen Hand überfällige Bauvorhaben zu realisieren.
Handwerk für gewerblichen Bedarf: Der Maschinen- und Werkzeugbau hat das Rekordjahr 2007 mit einem zweistelligen Umsatzwachstum und einer kräftigen Beschäftigtenzunahme abgeschlossen. Für 2008 ist die Grundstimmung in der Branche weiter positiv. Die Steigerungsraten werden sich zwar voraussichtlich mindestens halbieren, was aber in Anbetracht des erreichten Niveaus und des schwieriger werdenden wirtschaftlichen Umfeldes noch ein beachtliches Ergebnis wäre. Verlangsamen wird sich die Nachfrage vor allem aus den Industriestaaten. Darüber hinaus erschwert die Überbewertung des Euro gegenüber Dollar und Yen das Exportgeschäft. Auf dem Inlandsmarkt muss die Branche ebenfalls mit einem niedrigeren Expansionstempo planen: Erstens fehlen die vorgezogenen Ausrüstungsgüterbestellungen, zweitens verliert der Investitionsaufschwung generell an Elan. Die Zulieferer müssen zudem befürchten, dass die industriellen Abnehmer verstärkt auf die Kostenbremse treten und versuchen, die Preise zu drücken.
Kraftfahrzeuggewerbe: Der deutsche Automarkt hat 2007 das schlechteste Ergebnis seit der Wiedervereinigung eingefahren. Im Jahr 2008 wird das Neuwagengeschäft wieder Fahrt aufnehmen, wenngleich das Tempo eher bescheiden sein dürfte. Die Fachverbände gehen von rund 3,2 Millionen neu zugelassener Autos aus, was lediglich eine Zunahme von knapp zwei Prozent wäre. Der Absatz sollte von der Einkommens- und Beschäftigungsverbesserung gestützt werden, allerdings bleiben die bekannten Bremsfaktoren weiterhin wirksam. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass der deutsche Automarkt mit einem Bestand von 47 Millionen Pkws die Sättigungsgrenze erreicht hat und von daher keine größeren Zuwächse mehr möglich sind. Sorgen bereiten den Handwerksbetrieben auch in Zukunft das zunehmende Direktgeschäft der Hersteller, das geschrumpfte Privatkundengeschäft sowie die hohen Rabatte und Nachlässe. Im Gebrauchtwagenhandel zeichnet sich gleichfalls eine moderate Verkaufsbelebung ab, dabei dürften vor allem Kleinwagen und Energiesparmodelle hoch im Kurs stehen. Das Reparaturgeschäft und die Dienstleistungen rund um das Auto nehmen weiter zu und tragen entscheidend zum Ertrag des Kraftfahrzeuggewerbes bei. Insgesamt werden die Umsätze moderat steigen, die Beschäftigung knapp gehalten und die Ertragssituation schwierig bleiben.
Nahrungsmittelhandwerke: Im vergangenen Jahr konnte dieser Handwerksbereich seine nominalen Verkaufserlöse stabilisieren. Für 2008 scheint allenfalls eine leichte Ausweitung der Umsätze erreichbar zu sein. Zwar werden sich die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte nach Berechnungen des ifo-Instituts um 3,3 Prozent erhöhen, andererseits dürften die weiter steigenden Nahrungsmittelpreise die Nachfrage tendenziell belasten. In diesem Zusammenhang sehen insbesondere die Bäcker mit Sorge, dass durch die verstärkte Verwendung von Pflanzen als Energierohstoff die Anbauflächen zur Lebensmittelproduktion schrumpfen und somit die Getreidepreise nach oben treiben. Zudem müssen sich die traditionellen Bäcker und Metzger weiterhin auf einen massiven Konkurrenzkampf mit dem Lebensmitteleinzelhandel, Discountern sowie den industriellen Produzenten einstellen. Die Brauer haben mit Überproduktion und einem rückläufigen Biermarkt zu kämpfen.
Trotzdem werden sie aufgrund der drastischen Verteuerungen bei Braugerste und Hopfen die Bierpreise merklich anheben müssen.
Personenbezogene Dienstleistungen: Die Augenoptiker erreichten 2007 nur ein bescheidenes Umsatzplus, wobei sich die Entwicklung vor allem in der zweiten Jahreshälfte abgeschwächt hat. Dies lässt darauf schließen, dass die Geschäftstätigkeit in den ersten Monaten des Jahres 2008 eher verhalten sein wird.
Im weiteren Jahresverlauf ist dann infolge der allgemeinen Konsumaufhellung von einer leichten Absatzbelebung auszugehen. Insgesamt sollte das Umsatzwachstum mindestens so hoch sein wie im Vorjahr. Die Dentallabors erwarten nach dem enttäuschenden Geschäftsjahr 2007 auch für den Prognosezeitraum keine durchgreifenden Impulse. Aufgrund des zunehmenden Preisdrucks ihrer zahntechnischen Leistungen bleibt die Ertrags- und Liquiditätssituation vieler Betriebe angespannt. Die Friseure hoffen, dass die anziehende Verbrauchskonjunktur endlich auch ihre Branche erreicht. Ob die Verbesserung der Konsumneigung aber kräftig genug ausfällt, um 2008 eine Trendwende oder wenigstens eine Stabilisierung auf dem Friseurmarkt herbeizuführen, ist noch offen.