Baubranche Wohnungsbau: Kein Ende der Krise in Sicht

Die Zahl der Baugenehmigungen geht weiter zurück. Die Branche ruft die Politik auf, der anhaltenden Talfahrt stärker entgegenzutreten.

Große Baustelle mit Kränen im Sonnenaufgang.
Im Februar wurden 18.200 Wohnungen genehmigt. Damit sank die Zahl der Baugenehmigungen im Vergleich zum Vorjahr um gut 18 Prozent. - © Smileus - stock.adobe.com

Im kriselnden Wohnungsbau ist noch immer keine Trendwende in Sicht. "Was heute nicht genehmigt wird, fehlt uns morgen am Markt", sagt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) zu den jüngsten Baugenehmigungszahlen des Statistischen Bundesamtes. Der Ball liege schon lange bei der Politik. Sie müsse entweder die Anforderungen an das Bauen senken oder die Förderungen für Bauherren erhöhen. "Bauwillige und Branche warten dringend auf den Start der neu angekündigten Förderprogramme im Neubau", betont er.

Einziges Trauerspiel für die Bauwirtschaft

Als "einziges Trauerspiel" bezeichnet Pakleppa die aktuelle Lage im Wohnungsbau. Im Februar 2024 sei die Zahl der Baugenehmigungen im Vergleich zum Vorjahresmonat um gut 18 Prozent zurückgegangen. Damit wurden im Februar 2024 nur 18.200 Wohnungen genehmigt. Im Vergleich zum Februar 2022 sank die Zahl der Baugenehmigungen sogar um rund 35 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Insgesamt gehen die Baugenehmigungen nach den Worten Pakleppas seit 21 Monaten zurück. "Ein vermeintliches Ende dieser Abwärtsspirale ist nicht in Sicht", warnt er. Als Grund nannte er vor allem die hohen Zinsen und hohen Materialpreise in Kombination mit schärferen Energieeinsparvorgaben und Bauvorschriften.

Wohnungswirtschaft: Wohnungsmangel wird zementiert

Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, warnt ebenfalls: "Mit jedem Monat, in dem die Genehmigungszahlen für neue Wohnungen weiter sinken, wird der riesige Mangel von mittlerweile 800.000 Wohnungen weiter in die Zukunft hinein zementiert." Alles, was die Regierung bislang angekündigt hat, sei eine zusätzliche Milliarde an Förderung für den klimafreundlichen Neubau im Niedrigpreissegment (KNN). Dies reiche aber nicht und komme nur schleppend voran. Nötig sei ein groß angelegtes Zinsförderungsprogramm für bezahlbaren Wohnungsbau. "Eine Zinssubvention auf ein Prozent würde den Staat durch Steuermehreinnahmen infolge der dann wieder auflebenden Baukonjunktur nichts kosten."

Bauministerium sieht Indikatoren für ein Ende der Talsohle

Im Bundesbauministerium sieht man nach schwierigen Vorjahren jetzt Anzeichen für eine Besserung der Lage: "Wir sehen nun positive Indikatoren für ein Ende der Talsohle", erklärt ein Sprecher. "Die Preise für Baumaterialien stabilisieren sich, die Inflation sinkt, die Finanzierungszinsen gehen runter und die Anzahl der Immobilienhypotheken hoch." Auch habe die Förderung des sozialen Wohnungsbaus mit einem Plus von über 20 Prozent im vergangenen Jahr die Wohnungswirtschaft stabilisiert.

Daneben setze die degressive AfA aus dem Wachstumschancengesetz einen positiven Anreiz für den Neubau. Sie bringe attraktive Abschreibungsmöglichkeiten für alle nach dem 1. Oktober 2023 begonnen Neubauten. "Die Maßnahmen, mit denen wir der Bau- und Wohnungswirtschaft unter die Arme greifen, zeigen Wirkung. Das alles spricht für einen neuen Schwung im Wohnungsbau", betonte der Sprecher.

ZIA-Präsident: Länder müssen Grunderwerbsteuer senken

Für den Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, den Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA), dauert das alles zu lang. Er sieht auch die Länder in der Pflicht: "Die Länder müssen endlich ihren Teil der Verantwortung sehen und die Grunderwerbsteuer runterfahren", sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner mit Blick auf die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes.