Wirtschaft und Gewerkschaft schlagen Alarm Wohnungsbau deutlich eingebrochen

In den vergangenen Jahren ist der Wohnungsbau in Deutschland deutlich eingebrochen. In einer gemeinsamen Kampagne fordern Wirtschaft und Gewerkschaften mehr staatliche Impulse für den Wohnungsbau.

Wohnungsbau deutlich eingebrochen

„Insgesamt liegt der Neubedarf mindestens bei 300.000 Wohneinheiten jährlich“, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Hans-Hartwig Loewenstein. Dies sei das Doppelte des derzeitigen Niveaus der Neubautätigkeit. Angesichts der zunehmenden Zahl von Haushalten gebe es einen Neubaubedarf von rund 200.000 Wohnungen pro Jahr. Hinzu kämen rund 100.000 Wohnungen, die wegen ihrer schlechten Bausubstanz und überholter Grundrisse besser ersetzt als saniert würden.

Wie der Präsident des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, Walter Rasch, sagte, ist allein bei Ein- und Zweifamilienhäusern nach dem Auslaufen der Eigenheimzulage Ende 2005 die Zahl der Baugenehmigungen von Ende 2005 bis Ende 2009 um 39 Prozent und bei Eigentumswohnungen in Mehrfamilienhäusern um 16 Prozent zurückgegangen. „Die 2008 als Ersatz für die Eigenheimzulage eingeführte Eigenheimrente ist zwar ein wichtiger Schritt, aber noch immer zu kompliziert“, ergänzte Rasch.

Förderung muss vereinfacht werden
Damit die Eigenheimrente (Wohn-Riester) stärker genutzt und tatsächlich wieder mehr Wohnungen gebaut würden, müsste die Förderung vereinfacht werden. Künftig müsse auch vermietetes Wohneigentum in die Förderung einbezogen und die nachgelagerte durch eine vorgelagerte Besteuerung ersetzt werden. Vor allem junge Familien und Paare könnten von einer so veränderten Förderpolitik profitieren. Denn sie machten nach einer von den Verbänden und der IG-Bau in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage der Prognos AG rund 75 Prozent der 1,5 Millionen Mieter aus, die in den kommenden zwei bis drei Jahren gerne Wohneigentum erwerben möchten, wegen geringer Spareinlagen den Schritt ohne entsprechende Förderung aber nicht schafften.

Doch selbst wer in der Mietwohnung bleibt, wird es künftig schwerer haben, geeigneten und bezahlbaren Wohnraum zu finden. „Bei sinkendem Nettoeinkommen, in Ballungsgebieten bereits steigenden Kaltmieten und seit Jahren deutlich steigenden Betriebskosten droht Senioren und Familien mit niedrigem Einkommen eine spürbare Verschlechterung ihrer Wohnverhältnisse“, warnte Oliver Frickenhelm, Vorstandsmitglieder der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerksbau. Auch hier müsse die staatliche Förderpolitik möglichst schnell verändert werden: „Eine Abschreibung von zwei Prozent jährlich ist für Investoren schlicht und einfach unattraktiv“, sagte IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel. Verbände und Gewerkschaft fordern deshalb einen auf vier Prozent erhöhten Abschreibesatz in den ersten fünf Jahren.

Auch sollten die staatlichen Fördermittel neben der energetischen Gebäudesanierung für den Bestandsersatz benutzt werden können. Der Grund: Für ein knappes Drittel der von 1950 bis anfangs 1970 errichteten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sei es von der Bausubstanz und den Grundrissen her sinnvoller, das Gebäude abzureisen und ein neues, energieeffizientes oder auch altersgerechtes Gebäude zu bauen. Außerdem sollte das KfW-Förderprogramm für altersgerechtes Wohnen künftig Maßnahmen des Bestandsersatzes umfassen und auf 750 Millionen Euro ausgeweitet werden sowie die die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen ausgeweitet werden.

Nichts hält IG-Bau-Chef Wiesehügel davon, die Förderung der energetischen Gebäudesanierung auf 1,1 Milliarden Euro zurückzuführen, wie dies der Koalitionsvertrag vorsieht. „Die Wohnungen wie auch das Klima brauchen eine Verstetigung, zumindest auf dem ursprünglich geplanten Niveau von 1,5 Milliarden Euro“, sagte er. Dies gelte auch über das Jahr 2011 hinaus. Noch immer seien 75 Prozent der rund 39 Millionen Wohnungen und rund die Hälfte der 150.000 Schulen und Kindergärten aus energetischer Sicht sanierungsbedürftig.