Der Ifo-Index für August zeigt: Die Erwartungen in der Wohnungsbauwirtschaft steigen deutlich, im operativen Geschäft ist davon aber noch wenig zu spüren. Laut einer neuen Prognose von BauInfoConsult soll sich das 2027 ändern.

Das Geschäftsklima im Wohnungsbau hat sich im August spürbar aufgehellt: Der Ifo-Index stieg von minus 29,0 auf minus 22,7 Punkte. Den Ausschlag für die verbesserte Stimmungslage gaben die Erwartungen – der entsprechende Teilindikator sprang von minus 35,6 auf minus 23,3 Punkte.
"Die Unternehmen sehen zunehmend Licht am Ende des Tunnels", sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. Grund für den Optimismus seien vor allem die steigenden Baugenehmigungen – sie nähren die Erwartung, dass sich die Auftragslage in den kommenden Monaten belebt.
Auftragsmangel und Stornierungen bleiben
Doch zwischen Erwartung und Realität klafft noch eine Lücke. 41,3 Prozent der Betriebe melden zu wenig Aufträge – nahezu unverändert gegenüber dem Vormonat. Auch Stornierungen bleiben ein Problem: 13,4 Prozent der Unternehmen berichten von abgesagten Projekten.
Etwas besser sieht es bei der Materialversorgung aus. Nur noch 2,9 Prozent der Betriebe melden Engpässe bei wichtigen Vorprodukten. Im Juli waren es noch 8,5 Prozent. "Die bessere Stimmung ist bislang vor allem ein Vorschuss auf die Zukunft", sagt Wohlrabe. Für eine nachhaltige Erholung müssten aus genehmigten Projekten nun auch konkrete Aufträge werden.
Prognose: 2027 kräftiges Plus, 2028 Stagnation
Wie sich die verbesserte Genehmigungslage in tatsächliche Bauleistung übersetzen lässt, zeigt eine Neubauprognose des Düsseldorfer Marktforschungsunternehmens BauInfoConsult. 2026 bleiben die Fertigstellungen laut dieser Prognose noch leicht rückläufig. 2027 erwarten die Marktforscher ein deutliches Plus von 14,2 Prozent – bevor das Wachstum 2028 wieder zum Stillstand kommt.
Als Hauptgrund nennt BauInfoConsult den Eigenheimneubau auf Basis einer eigenen Analyse über 400 Landkreise und kreisfreie Städten. Das größte Wohnbausegment lege 2027 kräftig zu, stagniere danach aber. Anders der Geschossbau – er bleibe im Aufwind, gestützt durch ein anziehendes Konjunkturumfeld und erwartete Genehmigungserleichterungen für serielle Projekte ab 2027. Dass weiterhin viele Vorhaben verschoben oder storniert werden, bremse die Umsetzung insgesamt jedoch.
Norden und Osten holen auf
Regional verläuft die Erholung laut BauInfoConsult ungleich. 2026 bremse die schwache Genehmigungslage der Vorjahre noch im Osten und Süden, während Norden und Westen bereits leichte Zuwächse verbuchen dürften.
2027 holen laut Prognose die kleineren Neubauregionen auf: Norden und Osten münzten die positiven Genehmigungszahlen in zweistellige Wachstumsraten um. Im Norden setze sich der Aufwärtstrend 2028 fort.
Genehmigungsniveau wie vor dem Knick von 2023
Entscheidender als die Stagnation 2028 ist aus Sicht von BauInfoConsult das Genehmigungsniveau: In den meisten Regionen dürfte 2027 und 2028 wieder das Niveau erreicht sein, das vor dem Einbruch von 2023 üblich war. Die Fertigstellungen könnten damit laut den Marktforschern wieder an die Werte vom Beginn des Jahrzehnts anknüpfen.
Mit einem Vorbehalt, den das Institut selbst formuliert: Die Prognose setze Bauzyklen im bislang üblichen Tempo voraus. Entsprechend könne ein Plus an Fertigstellungen im Vergleich zu den 10er-Jahren nur mit einer Beschleunigung bei Vergabe und Genehmigung realisierbar sein – etwa durch den Gebäudetyp E oder verkürzte Bauverfahren. ewö