Wertewandel bei Jugendlichen Wofür entscheidet sich die Generation Z: Geld oder Freizeit?

Was ist Ihnen wichtiger: Ein Wochenende mit der Tochter verbringen oder einen lukrativen Job annehmen? Keine leichte Entscheidung, auch nicht für die Jugendlichen von heute. Doch sie haben eine klare Präferenz.

Eine aktuelle Studie zeigt, dass bei der jungen Generation ein Wertewandel stattfindet: Freizeit ist wichtiger als Geld. - © oneinchpunch/Fotolia.com

Wenn Sie die Wahl zwischen Geld und Freizeit hätten, was würden Sie wählen? Vor genau dieser schwierigen Entscheidung stand eines Tages auch Hal E. Hershfield, Professor an der UCLA Anderson School of Management in Los Angeles. Er wurde außerhalb des Staates zu einem Seminar eingeladen, das ein ganzes Wochenende dauern sollte, während zu Hause sein gerade mal drei Monate altes Baby auf ihn wartete. Die Einnahmen an dem Wochenende würden zwar indirekt auch seiner Tochter zugutekommen, andererseits würde er sie zwei Tage lang nicht sehen. Damit war die Idee für eine Studie geboren, die in der New York Times veröffentlicht wurde: Was macht uns glücklicher, Zeit oder Geld?

Mehrheit entscheidet sich für Geld

Für die Studie der Anderson School of Management und der Wharton School der University of Pennsylvania wurden etwa 4.000 Amerikaner verschiedenen Alters, mit unterschiedlich hohen Gehältern und Berufen befragt. Dabei erklärten 64 Prozent der Befragten, dass sie Geld gegenüber Freizeit bevorzugen würden.

Macht Geld glücklich?

Aber ist ein gut gefülltes Bankkonto wirklich wichtiger als unsere Freizeit? Alle Studienteilnehmer wurden ebenfalls befragt, wie glücklich und zufrieden sie mit ihrem Leben sind. Dabei kam heraus, dass diejenigen Teilnehmer, die sich bei der ersten Frage für die Zeit entschieden hatten, im Durchschnitt glücklicher und zufriedener waren als diejenigen, die das Geld gewählt hatten .

Mehr Wert auf Freizeit legen

Um die Studie besonders ausgeglichen zu gestalten, wurden die Befragten auch gebeten, ihr jährliches Einkommen sowie die Arbeitszeit pro Woche anzugeben. Denn man könnte vermuten: Wer weniger auf dem Bankkonto hat, ist unglücklicher und entscheidet sich schneller für mehr Geld – und nicht für die Freizeit. Daher wurden Personen miteinander verglichen, die die gleichen Voraussetzungen mitbrachten bezüglich ihres Alters, Geschlechts, Ehestands, Elternschaft und materiellen Besitzes. Und erneut war das Ergebnis der Studie: Wer sich für mehr Freizeit entschied, ist glücklicher in seinem Leben.

Bewusstes Wahrnehmen macht glücklicher

"Wenn wir zwei Personen haben, die in ihrer Lebenssituation gleichgestellt sind, so ist derjenige, der sich für die Freizeit entscheidet, glücklicher als der, der das Geld wählt", sagt Hershfield. Das liegt nach der Studie daran, dass diejenigen, die Geld gewählt hatten, häufig das Gefühl haben, nicht genug zu haben und sich auf diesen Gedanken fokussieren. Wer hingegen die Zeit als wichtiger empfindet, war deutlich motivierter, Dinge zu unternehmen, die direkt mit seiner Zufriedenheit im Zusammenhang standen. Und was vielleicht noch wichtiger war: Diese Gruppe nutzt ihre Zeit, um über sich selbst nachzudenken – und sich eine Chance zu geben, Glücksmomente bewusst zu erleben.

Bei Jugendlichen findet ein Umdenken statt

Gerade die Millennials scheinen das immer mehr zu begreifen. Sie legen weniger Wert auf materielle Sicherheit und Anschaffungen, als die Generationen vor ihnen. Das bestätigt auch Christian Scholz, Professor an der Universität Saarbrücken und spezialisiert auf Generationenmanagement: "Die Generation Z ab 1990 würde natürlich auch ein größeres Auto fahren, aber mit dem kleineren ist sie eben auch zufrieden." Eine Studie der "Harris Group " bestätigt das. Sie fand heraus, dass 72 Prozent der Millennials lieber etwas erleben und in Reisen investieren, anstatt ihr Geld anzulegen .

Damit bleibt nur noch die Frage: Hat Professor Hershfield aus Los Angeles das Seminar besucht oder ist er zu Hause bei seiner Tocher geblieben? Die Antwortet lautet: Er ist zu Hause geblieben. Denn blicken wir auf unser Leben zurück, so gilt: Die Zeit, die wir mit Familie, Freunden oder draußen in der freien Natur verbringen, ist letzten Endes bedeutend wichtiger als ein neues Auto, die schicke Wohnung oder andere materielle Anschaffungen. aro