Online-Klangarchiv zum Erinnern Wo bedrohte Klänge ein Zuhause finden

Kennen Sie noch die Geräusche einer alten Kaffeemühle oder einer Kassette mit Bandsalat? Wenn nicht, können sie sich die vergessenen Töne hier in Erinnerung rufen. Das Klangarchiv "Conserve The Sound" gibt bedrohten Geräuschen ein neues Zuhause.

Christoph Ledder

Die Küchenwaage ist ein fester Bestandteil bei "Conserve The Sound". - © Foto: Chunderksen

Egal ob das Rattern eines Wählscheibentelefons, der Klang eines Walkmans mit laufender Kassette oder der einer alten Schreibmaschine aus den 50er Jahren – das Online-Klangarchiv "Conserve The Sound" rettet diese alten Klänge und bewahrt sie somit vor dem Aussterben.

Auf der Suche nach "Klanglieferanten"

Hinter dem Projekt stehen die Kommunikationsdesigner Daniel Chun und Jan Derksen. Beide kennen sich schon aus alten Studientagen und haben 2012 die Idee des Klangarchivs konzipiert und die technische Umsetzung programmieren lassen. Ein Jahr später sind sie damit ins Netz gegangen. Die Idee, Geräusche online aufzubewahren, ist allerdings nicht ganz neu. "Es gibt Kollegen aus den USA, die vor uns ein ähnliches Projekt mit rein digitalen Klängen gestartet haben", sagt Derksen.

Das hat die zwei Designer allerdings nicht davon abgehalten, trotzdem in Museen, im Bekanntenkreis und im eigenen Privatbestand nach "Klanglieferanten" zu suchen. "Wir haben die Klänge aufgenommen und sie einzeln nachbearbeitet" erzählt Derksen. So sind auf der Seite die Klänge eines 56k-Modems oder sogar einer Handytastatur vor dem Smartphone-Zeitalter zu hören. "Die sind teilweise schon verschwunden oder verschwinden gerade aus unserem täglichen Leben", sagt Derksen. Darüber hinaus haben Chun und Derksen auch den Klang eines alten Wandfeuermelders , eines Flipperautomaten oder einer JU 52 mit ins Repertoire des Archivs aufgenommen.

Besucher können von ihren Klangerinnerungen erzählen

Daniel Chun (li.) und Jan Derksen haben mit "Conserve The Sound" ein gut laufendes Projekt ihrer Firma geschaffen. - © Foto: Chunderksen

Besucher haben auf der Seite allerdings nicht nur die Möglichkeit, selber Klänge zu hören, sondern können auch eigene Sounds alter Geräte über einen Upload-Button hochladen. Außerdem nehmen Chun und Derksen Menschen auf Video auf, die von ihren Erinnerungen an Klänge erzählen. Unter anderem gehört zu den Geschichtenerzählern der ZDF-Moderator Ingo Nommsen. So viel Liebe zu Geräuschen soll belohnt werden. Für ihre Bewahrung eines Stücks Kultur ist "Chunderksen" mit "Conserve The Sound" 2013 mit dem Kulturförderpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft BDI ausgezeichnet worden.

Auf der Suche nach Werkzeug

Ihre Suche nach alten Geräuschen ist jedoch keineswegs abgeschlossen. Auch Handwerksbetriebe sind von Derksen und Chun aufgerufen, Klänge einzureichen, und ihre ganz persönliche Geschichte zu den Geräten zu erzählen. "Das können beispielsweise alte Schleif- oder Drechselmaschinen sein", so Derksen. Gerade das Bauhandwerk ist aufgefordert, Geräusche von alten Bohrmaschinen über die Seite hochzuladen.