Symposium diskutiert, ob Finanzkrise im Vorfeld erkennbar war
Wissenschaft für Warnungen nicht unabhängig genug
War die Finanzkrise vorauszusehen? Dieser Frage widmete sich ein Symposium der Studiengesellschaft für Mittelstandsfragen in München. Mehrheitlich vertraten die Experten die Meinung, dass Unternehmen, Medien und Wissenschaft so eng miteinander verquickt seien, dass Warnsignale gar nicht erkennbar waren.
Allein der Finanzwissenschaftler Max Otte, Professor an der Universität Mainz, habe deutlich gemacht, dass die Krise zumindest in ihren Auswirkungen eingrenzbar gewesen sei. Otte hatte bereits im Jahr 2006 mit der Schrift „Der Crash kommt“ vor einer Krise gewarnt, war jedoch nicht durchgedrungen.
Kritisch hinterfragt wurde die Rolle der Wissenschaft. Wenn Forschung und Lehre nicht unabhängig seien, seien in der Folge keine tiefgreifenden, geschweige denn ehrlichen Analysen zu erwarten. „Wer liefert denn gerne Forschungsergebnisse ab, die dem Willen des Auftraggebers widersprechen“, gab Professor Werner Teufelsbauer, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Studiengesellschaft, zu bedenken. Zudem leide die Vokswirtschaftslehre darunter, dass an den Universitäten nur noch gerechnet werde. Eine Vermittlung und Diskussion von Werten und darauf aufbauenden Systemen bleibe aus.
Ansatzweise wurde auch die Frage diskutiert, wer denn die Zeche zu zahlen habe, um die Folgen der Finanzkrise zu kompensieren. Während der Diskussion drängte sich die Frage auf, ob es wieder einmal Mittelstand und Mittelschicht seien, die zur Kasse gebeten würden. Also diejenigen, die zuverlässig Steuern und Abgaben zahlen. dhz