Der Sachverständigenrat korrigiert seine Konjunkturprognose deutlich nach unten. Er rechnet mit einer Inflation von rund sechs Prozent. Immer mehr Unternehmen planen laut ifo-Institut, ihre Preise in den kommenden drei Monaten zu erhöhen.

Angesichts des Ukraine-Krieges und der unsicheren Energieversorgung haben sich die wirtschaftlichen Aussichten in Deutschland massiv verschlechtert. "Das Risiko einer Rezession ist substanziell", sagte der Wirtschaftsweise Volker Wieland bei der gemeinsamen Vorstellung der aktualisierten Konjunkturprognose. Würden die Energielieferungen aus Russland zum Erliegen kommen, fiele die wirtschaftliche Entwicklung noch schlechter aus als nun vorhergesagt. Demnach erwartet der Sachverständigenrat für 2022 nur noch ein Wachstum von 1,8 Prozent. Im Herbst waren die Ökonomen noch von 4,6 Prozent ausgegangen. Für 2023 rechnen sie mit einem Plus von 3,6 Prozent.
Sachverständigenrat erwartet dauerhaft höhere Energiepreise
Hohe Energiepreise und noch immer stockende Lieferketten treiben auch die Inflation. "Durch den Krieg werden die wegen der Pandemie bereits angespannten Lieferketten zusätzlich beeinträchtigt", sagte der Wirtschaftsweise Achim Truger. Gleichzeitig belasteten die nochmal kräftig gestiegenen Preise für Erdgas und Erdöl die Unternehmen und den privaten Konsum. Dies passt zu den vorläufigen Daten des Statischen Bundesamtes. Danach ist die Inflation in Deutschland im März 2022 auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung gestiegen. Wie das Amt mitteilte, sind die Verbraucherpreise 7,3 Prozent höher als im Vorjahresmonat.
Wirtschaftsweise rechnen mit höheren Lohnforderungen
Für Deutschland erwartet die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer einen Preisanstieg von 6,1 Prozent für dieses Jahr. Zum Jahresende werde der Inflationsdruck wieder etwas abnehmen. Für 2023 rechnet der Sachverständigenrat mit einer Inflation von 3,4 Prozent. "Vor dem Hintergrund der derzeitigen Inflation und der höheren Inflationserwartungen ist damit zu rechnen, dass es zu höheren Lohnforderungen der Beschäftigten kommt wird", fügte die Ökonomin hinzu.
Ifo-Institut: Höhere Preise vor allem in konsumnahen Branchen
Zuvor hatte das Münchner ifo-Institut berichtet, dass immer mehr Unternehmen planten, ihre Preise in den kommenden drei Monaten zu erhöhen. Vor allem in den konsumnahen Branchen müssten die Menschen mit stark steigenden Preisen rechnen. "Der Angriff Russlands auf die Ukraine treibt nicht nur die Energiekosten in die Höhe, sondern auch die Preise vieler Agrarrohstoffe", sagte der Leiter der ifo-Konjunkturprognosen Timo Wollmershäuser.
Sachverständigenrat ruft zum Energiesparen auf
Mit Blick auf die aktualisierte Prognose des Sachverständigenrates sprach ihr Mitglied Volker Wieland von besonders großen Unsicherheiten. Die Auswirkungen des Krieges und die künftige Energieversorgung durch Russland ließen sich nur schwer abschätzen. Die Bundesregierung sollte deshalb "umgehend alle Hebel in Bewegung setzen, um Vorkehrungen für den Fall eines Energiestopps zu treffen", riet die Wirtschaftsweise Veronika Grimm. Insgesamt gehen die Wirtschaftsweisen wegen des Krieges von dauerhaft erhöhten Energiepreisen aus. "Die Diversifikation der Energieimporte wird auch Kostensteigerungen nach sich ziehen", sagte Grimm.
Die Wirtschaftsweisen riefen die Verbraucher auf, Energie einzusparen. "Die Menschen sollten weniger verbrauchen, Fahrgemeinschaften bilden und langsamer fahren", sagte Schnitzer. Die von der Bundesregierung geplante befristete Senkung der Benzin- und Dieselpreise halten die Ökonomen in diesem Zusammenhang für das falsche Signal. Mit Blick auf die Energiesicherheit schlug Grimm vor, die Laufzeit der drei noch im Betrieb befindlichen Atomkraftwerke in Deutschland um fünf Jahre zu verlängern, auch wenn dies mit großen Herausforderungen verbunden sei.