Konjunktur Wirtschaftsweise: 2G könnte Wachstum beschleunigen

Nach Einschätzung des Sachverständigenrates verschiebt sich der wirtschaftliche Aufschwung aufgrund der anhaltenden Corona-Krise. Das Handwerk fordert angesichts steigender Infektionszahlen von der künftigen Regierung mehr Planungssicherheit.

Bauarbeiter auf einem Gerüst.
Derzeit rechnet das Handwerk für 2021 mit einem Umsatzplus von zwei Prozent. - © Gina Sanders - stock.adobe.com

Angesichts der anhaltenden Corona-Krise verläuft der wirtschaftliche Aufschwung nach Einschätzung des Sachverständigenrates langsamer als erwartet. "Die wirtschaftliche Erholung bleibt erhalten, verschiebt sich aber", sagte der Wirtschaftsweise Volker Wieland nach der Übergabe des Jahresgutachtens des Sachverständigenrates an die Bundesregierung. Die Gefahr einer Rezession durch eine vierte Welle der Pandemie sieht er derzeit nicht. Allerdings werde die Wirtschaft anders als im Frühjahr prognostiziert 2021 nur mit 2, 7 Prozent und damit einen knappen halben Prozentpunkt weniger wachsen. Für 2022 rechnen die "Wirtschaftsweisen" mit einem Plus von 4,6 (bisher: 4,0) Prozent.

Wirtschaftsweise: 2G kann Wachstum beschleunigen

Die Einführung von 2G-Regeln angesichts der hohen Zahl an Neuinfektionen wir nach Einschätzung Wielands der Konjunktur nicht schaden. "Ich würde schon sagen, dass das sogar das Wachstum beschleunigen kann", sagte er mit Blick auf die Erfahrung in anderen Ländern, in denen nur Geimpften und Genesene der Eintritt zu Veranstaltungen, Freizeiteinrichtungen oder Restaurants gewährt wird. Bei der Inflation erwarten die Wirtschaftsweisen erst im kommenden Jahr eine leichte Entspannung. Für 2021 rechnet der Rat mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 3,1 Prozent und für 2022 von 2,6 Prozent.

Handwerk rechnet mit Umsatzplus von zwei Prozent

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sieht angesichts des fragilen Aufschwungs die Politik besonders in der Pflicht. "Die künftige Regierung ist dringend aufgefordert, unsere Betriebe nicht noch höher zu belasten", forderte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer. Vielmehr müsse sie für wirtschaftliche Impulse und eine Verstetigung des Erholung sorgen. "Unsere Handwerksbetriebe haben in den vergangenen Monaten mit all ihrem unternehmerischen Elan die sich mit jeder wegfallenden Corona-Einschränkung öffnenden Chancen genutzt", sagte Wollseifer. Derzeit rechne das Handwerk für 2021 mit einem Umsatzplus von zwei Prozent, nach im Frühjahr noch ein Plus von einem Prozent erwartet wurde.

Wollseifer fordert Sozialgarantie im Koalitionsvertrag

Die künftige Regierung muss nach den Worten Wollseifers angesichts der steigenden Infektionszahlen für Planungssicherheit in den Betrieben sorgen. Dies gelte für die Corona-Schutzkonzepte, für Arbeitsvorgaben und für Impfstatusabfragen. Auch müsse in einem Ampel-Koalitionsvertrag eine Sozialgarantie mit einem maximalen Sozialversicherungsbeitrag von 40 Prozent festgeschrieben werden. Sollen Arbeitsplätze nicht gefährdet werden, dürfe es keine weiteren Belastungen der Betriebe bei Sozialabgaben, Bürokratie oder Steuern geben. Und nur so könnten die enormen Mittel für die notwendige Zukunftsausgaben wie etwa im Klimaschutz oder der digitalen Transformation aufgebracht werden.

Wirtschaftsweise uneinig im Umgang mit künftigen Investitionen

Mit Blick auf die Finanzierung künftiger Investitionen zeigte sich der vierköpfige Sachverständigenrat gespalten. Während Wieland und die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sich dafür aussprachen, die Schuldenbremse einzuhalten, befürworten die Sachverständigen Monika Schützer und Achim Truger eher eine expansive Fiskalpolitik und der Möglichkeit von kreditfinanzierten Investitionsfonds.