Inflation Wirtschaftswachstum, Inflation und Zins: Wie geht der Balanceakt weiter?

In Europa und den USA wird viel über eine drohende Inflation diskutiert. Wie sich die wirtschaftlichen Zusammenhänge in beiden Regionen unerscheiden und warum Papiergeld besonders stark an Wert verliert.

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Im Mai hatte der Preisauftrieb in Deutschland mit 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat den höchsten Stand seit fast zehn Jahren erreicht. - © Feng Yu - stock.adobe.com

Es ist doch keine Überraschung, dass nach einem Jahr wie 2020 mit einer darniederliegenden Wirtschaft die wirtschaftliche Aktivität im Folgejahr zunimmt und dadurch höhere Preise spürbar sind. Wenn der Export boomt, die Rohstoff- und Energiepreise steigen und Nachholeffekte in den Unternehmen zu vollen Auftragsbüchern führen, löst dies Preissteigerungen aus. Grundsätzlich ist das logisch nachvollziehbar und nicht besorgniserregend. Sollte man meinen.

Die Notenbanken bemühen sich sehr, den Marktakteuren das größtmögliche Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Die Zinsen in Europa sollen vor 2023 auf gar keinen Fall angehoben werden. Auch wenn die Inflationsrate über zwei Prozent verharren sollte. Diese Aussage der EZB ist ein Pfund! Wenn sie sich daran nicht hält, verspielt sie ihre Glaubwürdigkeit und das Fundament unserer sich langsam stabilisierenden Währung. Der Euro könnte erneut Risse bekommen. Das wird die EZB nicht riskieren. Somit drohen uns in Europa in den kommenden Monaten keine massiv höheren Zinsen als vor der Pandemie. Die wirtschaftliche Erholung sollte von dieser Seite keine großen Störfeuer bekommen.

In den USA sieht es anders aus. Hier brummt der Konjunkturmotor viel stärker. Die Zentralbank wird die Zinsen stetig und kontrolliert anheben. Dies ist für die Märkte aus meiner Sicht kein Drama. Wenn dies mit dem Wachstum der Wirtschaft einhergeht, versetzt diese Strategie die Notenbank in die Lage, bei einem Abschwächen der wirtschaftlichen Aktivität wieder mit Zinssenkungen zu agieren, anstatt untätig zuschauen zu müssen. In der Vergangenheit hat dies bereits in der Ära der Regierung Clinton durch die Fed unter Führung von Alan Greenspan sehr gut funktioniert. Die Frage ist natürlich, wie dieser Balanceakt zwischen Wirtschaftswachstum, Inflation und Zins weiter verlaufen wird. Gerade die relativ neue Regierung in den USA wird sich bemühen, den eingeschlagenen Kurs zu stabilisieren.

Aktien sind nach wie vor die beste Versicherung gegen Inflation. Den gesunden Unternehmen wird es gelingen, höhere Preise an ihre Kunden weiterzugeben. Somit werden diese Unternehmen weiterhin wirtschaftlich erfolgreich agieren. Mögliche Abschwünge an der Börse sollten zu Käufen genutzt werden. Gold- und Immobilienpreise sollten weiter von derartigen Strömungen gestützt werden. Durch die vor allem in den USA bereits gestiegenen Zinsen sind wieder einzelne Unternehmensanleihen attraktiv.

Der große Verlierer ist und bleibt Papiergeld. Anlagen auf Giro- und Tagesgeldkonten, in Versicherungen und in Bausparguthaben sind der drohenden Inflation schutzlos ausgesetzt. Bei einer Inflationsrate von drei Prozent verlieren 50.000 Euro binnen eines Jahres 1.500 Euro an Kaufkraft. Sollte die Teuerung für die kommenden Jahre auf dem Niveau verharren, so läge der Kaufkraftverlust bis zum Jahr 2030 bei rund 11.700 Euro. Spätestens jetzt sollten fürsorgliche Anleger ihre Strategie auf den Prüfstand stellen, die Verteilung des Vermögens überprüfen und die für die Zukunft richtigen Weichen stellen.

Über den Autor

Heiko Löschen ist Vermögensverwalter bei der GSP asset management GmbH in Münster.