
Die dritte Infektionswelle verzögert den Aufschwung der Wirtschaft. Eine Erholung wird erst im Sommer erwartet. Altmaier zeigt sich trotzdem zuversichtlich.
Von Karin Birk
Angesichts der andauernden Corona-Pandemie und des anhaltenden Lockdowns schrauben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumserwartung nach unten. „Eine stärkere Ausweitung der Wirtschaftsaktivität ist erst im Sommerhalbjahr zu erwarten“, sagte Torsten Schmidt vom RWI - Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung. Dies gelte insbesondere für den von der Pandemie besonders betroffenen Dienstleistungssektor. Alles in allem erwarten die Forscher, dass die Wirtschaft in Deutschland in diesem Jahr um 3,7 Prozent wächst. Im Herbst waren sie noch von einem Wachstum von 4,7 Prozent ausgegangen. Für 2022 rechnen sie mit einem Plus von 3,9 Prozent.
Altmaier: Industrie zeigt sich weiter robust
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zeigte sich angesichts der Frühjahrsprognose dennoch zuversichtlich: „Wir können in diesem Jahr den Wirtschaftseinbruch nicht nur stoppen, sondern umkehren und im nächsten Jahr wieder alte Stärke erreichen“, sagte er. Getragen werde die Wirtschaft derzeit vor allem durch eine „robuste Industrie“. Im Bereich der Dienstleistungen und des Handels gebe es aber nach wie vor große Probleme. Altmaier bekräftigte, sich auch nach Ende des Lockdowns für eine Verlängerung der Überbrückungshilfe III bis Ende des Jahres für besonders von der Corona-Krise betroffene Unternehmen einsetzen zu wollen.
Rückschläge nicht ausgeschlossen
Neue Konjunkturprogramme sind nach Ansicht der Forscher nicht nötig. Je länger die Krise aber andauere, desto zielgenauer müssten sie eingesetzt werden. Risiken für die beschriebene Erholung der Wirtschaft sehen die Forscher in möglichen Verzögerungen bei der Lieferung von Impfstoffen und weiteren Virusmutationen. Befeuert werden könnte der Aufschwung durch die infolge des Lockdowns aufgestaute Kaufkraft in Höhe von rund 200 Milliarden Euro.
Forscher: Hohes Staatsdefizit erhöht Reformdruck auf gesetzliche Rente
Als Folge der Pandemie ist nach Angaben der Forscher auch die Staatsverschuldung weiter stark gestiegen. Die Staatsfinanzen wieder auf eine solide Basis zu stellen, werde eine große Herausforderung für die Politik, betonten die Wissenschaftler. Dabei gelte es, insbesondere die allein schon wegen des demografischen Wandels stetig steigenden Ausgaben für die gesetzliche Rente zu beachten. „Die eleganteste Lösung wäre eine langsame, schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters“, sagte Oliver Holtemöller vom Leibnitz Institut für Wirtschaftsforschung in Halle. Dadurch würde nicht nur die Rentenkasse weniger belastet, sondern auch der Fachkräftemangel abgefedert. Zudem müssten dann Investitionen wegen eines noch höheren Bundeszuschusses nicht zurückgefahren werden.