Leasing für Handwerksunternehmen Wirtschaftsgüter - immer auf dem neuesten Stand

Soviel ist klar: Leasing hat sich als Finanzierungsalternative im deutschen Mittelstand etabliert. Seit 50 Jahren gibt es hierzulande diese Form der Miete. Der Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) zieht eine durchweg positive Bilanz.

Ann-Christin Wimber

Vieles kann heute geleast werden unter anderem Büroausstattung wie Computer. - © Foto: Nolte Lourens/Fotolia

So sei die Leasing-Branche Deutschlands größter Investor und erwirtschaftete 2011 ein Investitionsvolumen von 48,54 Milliarden Euro. Auch im Handwerk ist Leasing beliebt. Bei der KfW-Verbändeumfrage 2012 zur derzeitigen Bedeutung von Finanzierungsquellen rangiert die Nutzungsmiete zwar nur auf Rang sechs. Andreas Keller, Bereichsleiter Geschäftsbereich Beratung bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, glaubt aber, dass Leasing eine größere Bedeutung im Handwerk hat. "Unsere Erfahrung ist, dass Leasing als Alternative zum Bankkredit am häufigs­ten genutzt wird", betont er.

Der Hauptgrund für Mietnutzung sind der Marktstudie "Leasing in Deutschland 2011" zufolge, die TNS Infratest Finanzforschung im Auftrag des BDL durchgeführt hat, vor allem die gleichmäßige und genaue Kalkulierbarkeit der Kosten. Auf Platz zwei der genannten Gründe folgt, Leasing schone die Liquidität.

Begrenzte Flexibilität während der Laufzeit

Jedoch sollte dabei bedacht werden, dass Leasing-Gesellschaften ebenso kalkulieren wie Banken. Eine gute Bonität ist für annehmbare Leasing-Konditionen auch hier notwendig. Andreas Keller nennt noch einen weiteren Stolperstein bei der Finanzierung durch Leasing. "Meiner Erfahrung nach ist die Flexibilität von Leasing-Gesellschaften während der Laufzeit relativ begrenzt. Während ich bei meiner Bank gegebenenfalls noch eine Tilgungsaussetzung erreichen kann, ist das bei den Gesellschaften häufig sehr schwierig bis unmöglich."

Ergo: Wer die Flexibilität braucht, für den ist Leasing oftmals nicht geeignet. Die festgelegte Laufzeit bei Verträgen sieht auch Helmut Schiegg, Steuerexperte aus Mindelheim, als problematisch an. Werde der Vertrag vorzeitig gekündigt, ist der Leasingnehmer zu Vorfälligkeitsentschädigungen verpflichtet, sollte er den Restbetrag nicht ablösen können. "Der Leasinggegenstand wird dann geschätzt – und oft kommt dann nicht der wahre Wert heraus. Hinzu kommen Zinsausfall und Wertminderung und schon zahlt der Leasingnehmer zu seinen Ungunsten", sagt er. Bei einem Darlehen fahre der Kreditnehmer besser. Er verkauft den Gegenstand und zahlt die Schulden zurück.

Deutschen Leasingnehmern ist jedoch nicht nur die finanzielle Seite beim Leasing wichtig. Sie legen Wert darauf, dass die Betriebsausstattung auf dem neuesten Stand bleibt. Das sieht auch Andreas Keller als herausragenden Grund für die Nutzungsmiete an. "Im betrieblichen Bereich lohnt sich Leasing vornehmlich für schnell veraltende Wirtschaftsgüter", rät er. "Je schneller ein Wirtschaftsgut veraltet, desto sinnvoller ist Leasing." Dazu gehören beispielsweise EDV, Telefonanlagen und Büromaschinen.

Leasing muss nicht immer die günstige Alternative sein

Laut BDL ist dieses Segment im Jahr 2011 im Vergleich zu 2010 um sechs Prozent gestiegen. Am stärksten sei die Mietnutzung von Produktionsmaschinen mit einem Plus von 21 Prozent gewachsen. "Gemeinsam mit der Herstellerfinanzierung hat Leasing den Charme, dass das Wirtschaftsgut und eventuell eine Anzahlung schon als Sicherheit ausreichen", argumentiert Keller.

Zudem kann der Handwerker sein Leasinggut nach Ablauf der Vertragslaufzeit zurückgeben. Er braucht sich weder um den Verkauf noch um veraltete Technik Sorgen zu machen. Doch Leasing muss nicht immer die günstigere Alternative sein, betont Steuerexperte Schiegg: "Es kommt zum Beispiel auf die Zinsen der Leasinggesellschaft an. Wenn diese zu hoch sind, lohnt sich vielleicht doch der Bankkredit." Deshalb rät er, sich ein Angebot machen zu lassen, dieses mit den Konditionen der Hausbank zu vergleichen und dann mit der eigenen Bilanzpolitik abzugleichen. Schiegg: "Will man in der Bilanz keine Schulden ausweisen, sollte man aufs Leasing ausweichen."

Das Entscheidende sind die Gesamtbedingungen

Jedoch sollten sich Leasingnehmer genau überlegen, welcher Vertrag für sie am günstigsten ist (siehe Kasten). Auch weisen die Handwerkskammern darauf hin, dass beim Leasing nicht die Rate oder der Faktor das Entscheidende ist, sondern die Gesamtbedingungen wie Anzahlung, Laufzeit und Restwert. "Handwerker sollten sich den Vertrag genau angucken und sich nicht durch niedrige Leasingraten täuschen lassen", rät Andreas Keller.

So sei eine Tücke beispielsweise ein Restwert des Leasinggegenstandes, der zu hoch angesetzt ist. Dann habe das Wirtschaftsgut nicht mehr den Restwert, den es vertraglich noch haben sollte, und der Leasinggeber streicht zusätzlich Geld ein. "Diese Stolperfalle kann man umgehen, indem man genau prüft, wie viel Prozent vom Anschaffungspreis ein Wirtschaftgut in der Altersklasse und mit der entsprechenden Abnutzung dann noch wert ist." Bei der Berechnung helfen die Handwerkskammern dann natürlich auch gerne.

Tipp für Unternehmer: Die Bürgschaftsbanken Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen bieten Bürgschaften für Leasingverträge, Infos unter foerderdatenbank.de .

Arten von Leasingverträgen

Diese Arten von Leasingverträgen gibt es:

  • Vollamortisation
    Der Anschaffungswert des Gegenstands sowie die Aufwendungen (Zins, Gebühr, Gewinn etc.) des Leasinggebers sind am Ende der Laufzeit voll amortisiert. Gegebenenfalls geht der Gegenstand in den Besitz des Leasingnehmers über. Dies lohnt sich etwa bei Möbeln, Druckern oder Kopierern.
  • Teilamortisation
    Am Ende der Vertragslaufzeit ist erst ein Teil des Wertes sowie der Aufwendungen getilgt. Danach kann durch die Zahlung des Restbetrages der Gegenstand in den Besitz des Leasingnehmers übergehen oder der Vertrag kann verlängert werden. Dieser Vertrag eignet sich bei Fahrzeugen, Produktionsmaschinen oder anderen werthaltigen Objekten.
  • Kündbarer Vertrag
    Im Gegensatz zu den bisher genannten Verträgen ist dieser Leasing-Vertrag jederzeit kündbar. Ein solcher ist ratsam, wenn ein Betrieb Bürokommunikation oder IT least, die innerhalb kurzer Zeit nicht mehr auf dem neuesten Stand sein können.