Wegen der guten Konjunktur fällt Deutschland beim Klimaschutz zurück. Der Ausstoß von gefährlichen Treibhausgasen stieg vergangenes Jahr um 40 Millionen Tonnen oder 4,3 Prozent, wie das Umweltbundesamt am Dienstag mitteilte. Eine Rolle spielten dabei auch die vergangenen beiden kalten Winter.
Wirtschaftsboom und Kälte lassen Emissionen steigen - Berechnungen des Umweltbundesamts
Berlin (dapd). Wegen der guten Konjunktur fällt Deutschland beim Klimaschutz zurück. Der Ausstoß von gefährlichen Treibhausgasen stieg vergangenes Jahr um 40 Millionen Tonnen oder 4,3 Prozent, wie das Umweltbundesamt am Dienstag mitteilte. Eine Rolle spielten dabei auch die vergangenen beiden kalten Winter. Trotzdem hält die Bundesrepublik als einer von wenigen Staaten ihre internationalen Pflichten nach dem Kyoto-Protokoll weiter ein.
Dort hatte Deutschland zugesagt, die Emissionen von 1990 bis 2012 um 21 Prozent zu drücken. Tatsächlich liegt die Bundesrepublik nach vorläufigen Berechnungen des UBA derzeit bei einem Minus von 23,1 Prozent. Erlaubt sind nach dem Kyoto-Protokoll für die Jahre 2008 bis 2012 jeweils 974 Millionen Tonnen Emissionen.
Im Krisenjahr 2009 war der Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen aus deutschen Schornsteinen und Auspuffen um 62 Millionen auf 920 Millionen Tonnen abgesackt. Nun stieg er nach vorläufigen Berechnungen des UBA wieder auf 960 Millionen Tonnen.
Als Hauptgrund nennt das Amt, dass 2010 sowohl in der Stromerzeugung als auch zum Heizen deutlich mehr Kohle und Erdgas verfeuert wurden. Auch die Stahlindustrie, die ihre Produktion um 34 Prozent hochfuhr, nutzte besonders viel Kohle, wie es weiter hieß.
Der Mineralölverbrauch stieg ebenfalls sowohl in der Wirtschaft als auch in den Haushalten. Unter anderem schluckte der wachsende Güterverkehr mehr Treibstoff und trug damit leicht zu den steigenden Emissionen bei. Im Flugverkehr wurde jedoch weniger Treibstoff verbraucht. Die UBA-Experten vermuten als Grund die Flugausfälle nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull.
Ohne erneuerbare Energien wären die Emissionen noch weiter in die Höhe geschnellt, wie aus den Zahlen hervorgeht: Der Ausbau der Erneuerbaren ersparte der deutschen Klimabilanz laut UBA allein 2010 rund neun Millionen Tonnen Kohlendioxid. "Es geht jetzt darum, energieeffiziente und emissionsarme Techniken weiter zu fördern", erklärte UBA-Präsident Jochen Flasbarth.
Kohlendioxid ist der Menge nach das bei weitem bedeutendste Treibhausgas. Doch gelten andere Gase als noch schädlicher für das Klima. Bei Methan und Lachgas wurden leichte Rückgänge um 1,1 beziehungsweise 3,9 Prozent registriert. Während das Klimagas FKW ebenfalls um 0,5 Prozent zurückging, wuchsen die Emissionen von HFKW um 1,3 Prozent. An Schwefelhexafluorid entwich sogar 6,7 Prozent mehr in die Atmosphäre - unter anderem wegen der Entsorgung alter Isolierglasfenster, in denen das Gas verwendet wurde.
dapd
