Dank teils kräftiger Tarifzuwächse steigt in diesem Jahr für viele Arbeitnehmer das Weihnachtsgeld. In manchen Branchen ist das Plus besonders groß. Antworten auf die wichtigsten Fragen rund ums Weihnachtsgeld.

Ende November gibt es für viele Arbeitnehmer Weihnachtsgeld. Mehrere hundert Euro extra, ein halbes oder sogar ein ganzes Monatsgehalt zusätzlich stehen auf der Gehaltsabrechnung. Und für viele Angestellte gibt es gute Nachrichten Der Zuschlag fällt dieses Jahr oft höher aus als noch 2015.
Dank der boomenden Wirtschaft gab es 2016 in mehreren Branchen kräftige Tarifzuschläge - und das Weihnachtsgeld wächst meist mit. Zudem holt der Osten auf. Deutlich mehr Tarifbeschäftigte dort bekommen nun ebenfalls die Leistung. Antworten auf die wichtigsten Fragen rund ums Weihnachtsgeld.
Wer bekommt Weihnachtsgeld?
Insgesamt erhält mehr als jeder zweite Tarifbeschäftigte Weihnachtsgeld - 55 Prozent. Das ergibt sich aus der alljährlichen Online-Umfrage des Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung. Hinzu kommen noch freiwillige Gratifikationen der Arbeitgeber von teils mehreren tausend Euro etwa in der Autoindustrie oder Erfolgsprämien, die nicht tariflich festgelegt sind.
Um wie viel Geld geht es dabei insgesamt?
Wie viel Weihnachtsgeld an die Beschäftigten gezahlt wird, lässt sich nur schätzen. Der Tarif- und Arbeitsmarktexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Christoph Schröder, spricht von bundesweit rund 50 Milliarden Euro - eine gewaltige Summe. Dennoch sei das Weihnachtsgeld oder 13. Jahresgehalt im Arbeitgeberlager unumstritten. Allerdings bevorzugten Arbeitgeber erfolgsabhängige Komponenten bei der Berechnung, so dass sie in schlechten Jahren mit Senkungen der Leistung einen Puffer gewinnen, so der Experte.
Welche Beschäftigten bekommen 2016 mehr Weihnachtsgeld?
Mehr Weihnachtsgeld bekommen alldiejenigen, die tariflich (Tarifvertrag) mehr Geld bekommen und bei denen sich das Weihnachtsgeld prozentual am Gehalt orientiert. Mehr Geld gibt es beispielsweise in diesen Branchen:
- 1,5 Prozent mehr für Banker
- 2 Prozent mehr in der Druckindustrie
- 2,1 Prozent im Versicherungsgewerbe
- 2,3 Prozent mehr in der Eisen- und Stahlindustrie
- 2,8 Prozent in der Metall- und Elektrobranche
- 3 beziehungsweise 5,5 Prozent (Ost) mehr in der chemischen Industrie.
Auch der öffentliche Dienst ist dabei. Insgesamt wächst das Weihnachtsgeld um 2,5 bis 3 Prozent. Zudem holt der Osten beim Weihnachtsgeld auf: 2015 bekamen nur 40 Prozent der Ost-Beschäftigten die Leistung, 2016 sind es immerhin bereits 45 Prozent.
Was machen die Beschäftigten mit dem Weihnachtsgeld?
"Das hängt davon ab, wie viel Geld die Menschen ohnehin haben", sagt der Leiter des Tarifarchivs, Reinhard Bispinck: Wer weniger verdient, gebe das Geld überwiegend "alltagsnah" aus - das heißt, kauft Produkte für den täglichen Gebrauch und natürlich Weihnachtsgeschenke. Teils werde das Geld auch für die Altersvorsorge genutzt oder für den nächsten Urlaub aufs Sparbuch gelegt. Jedenfalls sei das Weihnachtsgeld bei den allermeisten Menschen schon fest eingeplant.
Spürt der Einzelhandel etwas von dem extra Gehalt?
Ja. Der Einzelhandel spürt es in der Regel immer, wenn die Menschen mehr Geld haben. Viele Händler verdienen einen Großteil ihrer Erlöse in der Weihnachtszeit - etwa im Buchhandel. Und auch für teurere Produkte wie hochwertige Kleidung oder Fernseher und Unterhaltungselektronik sitzt den Käufern dank des 13. Gehalts vor Weihnachten das Geld lockerer in der Tasche als sonst.
Was können Arbeitgeber tun, wenn sie kein Weihnachtsgeld erhalten?
Wer aktuell kein Weihnachtsgeld bekommt, kann erst mal nichts machen. Das Weihnachtsgeld ist grundsätzlich eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers. Jedoch sollten Arbeitnehmer bei ihren Bewerbungen natürlich auch auf die Sozialleistungen der Unternehmen schauen. Mit zunehmendem Fachkräftemangel dürften Angebote wie ein Weihnachtsgeld als Lockmittel für hoch qualifizierte Beschäftigte in den nächsten Jahren noch wichtiger werden. dhz/dpa