Die Spitzenverbände der Wirtschaft setzen sich für bessere Jobchancen für Menschen mit Behinderungen ein. Sie haben gemeinsam mit dem Bundesarbeitsministerium eine neue Inklusionsinitiative vereinbart. Ab 2014 stehen dafür 50 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Noch immer bleibt ein großes Fachkräftepotenzial ungenutzt.

Menschen mit Behinderungen sollen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen. Das Stichwort heißt Inklusion, gleichberechtigte Teilhabe und Chancengleichheit. Oder um es mit den Worten des Bundesarbeitsministeriums zu sagen: "Es geht um gleichberechtigte Teilhabe am politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben, um Chancengleichheit in der Bildung, um berufliche Integration und um die Aufgabe, allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit für einen selbstbestimmten Platz in einer barrierefreien Gesellschaft zu geben." Das sind die Ziele, die die Bundesregierung schon seit dem Jahr 20122 mit dem Nationalen Aktionsplans der zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention verfolgt.
Nun kommt eine neue Inklusionsinitiative für mehr betriebliche Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen dazu. Sie wurde Ende vergangener Woche vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, den Spitzenverbänden der Wirtschaft, der Bundesagentur für Arbeit und zahlreichen Verbänden, die sich um dieses Thema kümmern vereinbart.
Neue Ausbildungs- und Arbeitsplätze
Im Mittelpunkt steht die bessere Vermittlung der Menschen mit Handicaps in freie Arbeitsstellen. So ist ein wesentlicher Baustein der Initiative bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern angesiedelt. Dafür stehen ihnen 50 Millionen Euro zusätzlich aus Mitteln des Ausgleichsfonds zur Verfügung. Das Programm startet in 2014 und läuft über drei Jahre.
Zusätzlich sollen neue Ausbildungs- und Arbeitsplätze geschaffen werden. Angesprochen sind somit auch die Unternehmen, die laut den Initiatoren stärker für das Thema sensibilisiert werden müssten. Verschiedene Aktionen und Kampagnen sind geplant. So wollen die Spitzenverbände der Wirtschaft BDA, DIHK und ZDH mit einer eigenen gemeinsamen bundesweiten Kampagne "Inklusion gelingt" bei den Betrieben für mehr Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen werben. Insbesondere Betriebe, die bisher aus den unterschiedlichsten Gründen noch keine Menschen mit Behinderung ausbilden oder beschäftigen, sollen über Praxisbeispiele, Handlungsempfehlungen und Kontaktadressen wichtiger Dienstleister und Behörden nachhaltig informiert werden.
Zudem wird im Internet eine frei zugängliche Datenbank aufgebaut, in der sich betriebliche Akteure zu Fragen bezüglich Behinderung und ihrer Auswirkungen im Arbeitsleben und den Möglichkeiten der Arbeitsgestaltung zentral und gezielt informieren können. Des Weiteren wollen die Wirtschaftsvertreter an den mit dem Thema zusammenhängenden Formalien arbeiten. Sie setzen sich nach eigenen Angaben dafür ein, die derzeit 1.000 Sonderregelungen für die Ausbildung von jungen Menschen mit Behinderung bundesweit zu vereinheitlichen und damit deutlich zu reduzieren.
Viele Vorurteile und fehlende Kenntnisse
Dass diese zusätzlichen Anstrengungen nötig sind, zeigt auch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Denn behinderte Menschen profitieren trotz meist guter Qualifikationen weniger vom Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt als andere. Oft stehen Vorurteile und fehlende Kenntnisse über Fördermöglichkeiten und Unterstützungen von Seiten der Integrationsämter und Kammern als Hindernisse im Weg.
Dabei gibt es neben dem Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention auch die Initiative Inklusion, mit der die berufliche Orientierung von Jugendlichen mit Handicaps, die Ausbildung junger und die Beschäftigung älterer Menschen mit Schwerbehinderung mit besonderen Zuschüssen gefördert werden. jtw