Koalitionsverhandlungen Wirtschaft: Verhandlungsstand von Schwarz-Rot alarmierend

Rund 100 Verbände warnen eindringlich: Sie sehen ihre Probleme in den bisherigen Koalitionsverhandlungen angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage nicht ausreichend beachtet.

Ein Schild weist auf den Eingang zu Beratungen im Rahmen der Fortsetzung der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD an der CDU Zentrale hin. - © picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Die deutsche Wirtschaft sieht die schwierige ökonomische Lage in den bisherigen Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD nicht ausreichend berücksichtigt: "Ihre bisherigen Zwischenergebnisse sind unzureichend und tragen der sich zuspitzenden Lage in den Unternehmen und Betrieben nicht Rechnung", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von rund 100 Verbänden. Angesichts eines sich weiter abschwächenden Wirtschaftswachstums, steigender Arbeitslosigkeit und zunehmender Handelskonflikte fordern die Verbände in einem deutlichen Appell die angehenden Koalitionäre zu mehr Reformbereitschaft auf.

Verbände: Schulden allein lösen keine Krise

Weiter heißt es: "Die Fakten sind unbestreitbar, Deutschland steckt in einer schweren wirtschaftlichen Krise." Der Vergleich mit anderen Ländern zeige, dass diese vor allem hausgemacht sei. Was aber bisher vorliege, ignoriere in vielen Bereichen die wachsenden wirtschaftlichen Herausforderungen. Schulden allein lösten keine Probleme. "Ohne tiefgreifende Reformen wird es keinen nachhaltigen Aufschwung geben", schreiben die Verbände; darunter die Arbeitgeberverbände (BDA), der Industrieverband (BDI), die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und viele andere.

Mehr Ambitionen gefordert

Gemeinsam verweisen sie auf die rückläufige internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Sie fordern "mehr Ambition" vor allem in der Steuer- und Sozialpolitik und beim Bürokratieabbau. "Es darf in den Koalitionsverhandlungen nicht darum gehen, wer sich symbolisch durchsetzt", erklären sie "Es kommt vielmehr darauf an, für unser Land die Weichen für mehr Wachstum und Beschäftigung zu stellen."

Wettbewerbsfähige Steuern und Sozialabgaben gefordert

Mit Blick auf die Steuerpolitik fordern die Verbände eine geringere Steuerlast. Mit einer Belastung von rund 30 Prozent nehme Deutschland international eine Spitzenposition ein. Ziel müsse – zumindest schrittweise – ein international wettbewerbsfähiges Niveau von maximal 25 Prozent sein. Dringend reformiert werden müssten auch die sozialen Sicherungssysteme.

Weniger Bürokratie angemahnt

Steigende Beitragssätze in den Sozialversicherungen bedeuteten insbesondere für lohnintensive Betriebe ein Mehr an Belastung und ein Weniger an Wettbewerbsfähigkeit. Und bei den Beschäftigten führten sie zu weniger Netto vom Brutto. Höchste Priorität müssten die Verhandlungspartner auch dem Abbau der Bürokratie einräumen, Planungs- und Genehmigungsverfahren müssten vereinfacht werden. Nötig seien auch international konkurrenzfähige Energiepreise und mehr Versorgungssicherheit.

Warnung vor weiterem Abschwung

Die Mahnung ist deutlich: "Es muss sich lohnen, in diesem Land ein Unternehmen zu führen", schreiben die Verbände. "Wenn die künftige Bundesregierung das nicht schnell und konsequent ermöglicht, wird sich der wirtschaftliche Abschwung in den kommenden Jahren nicht mehr aufhalten lassen", warnen sie eindringlich.