Ifo-Institut Wirtschaft trotzt der Krise

Ungeachtet der globalen Finanzmarktkrise und einer drohenden Abschwächung des weltwirtschaftlichen Wachstums wird die Stimmung in den deutschen Unternehmen immer besser. Der Ifo-Geschäftsklimaindex verbesserte sich im März zum dritten Mal in Folge.

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Wirtschaft trotzt der Krise

Ökonomen zeigten sich überrascht über den neuerlichen Anstieg. Der Ifo-Geschäftsklimaindex als wichtigstes Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft, für den monatlich rund 7.000 Unternehmen befragt werden, erhöhte sich von 104,1 Punkten im Februar auf 104,8 Punkte im März.

Optimismus beim Exportgeschäft

Die Ergebnisse der Umfrage deuteten darauf hin, "dass die Konjunktur in Deutschland mit Jahresbeginn an Schubkraft gewonnen hat", erläuterten die Forscher. Beide Komponenten des Indexes, sowohl die Beurteilung der aktuellen Lage als auch die der Erwartungen, hätten sich verbessert. Noch etwas optimistischer als zuletzt schätzten die Unternehmen – trotz des hohen Euro-Kurses – das künftige Exportgeschäft ein. Den Plänen zufolge werde auch der Anstieg der Beschäftigtenzahl in den nächsten Monaten anhalten.

Volkswirte zeigten sich abermals sehr überrascht. "Die deutsche Wirtschaft zeigt sich damit unerwartet stabil in einem relativ rauen Umfeld. Im ersten Quartal dürfte sie kräftig gewachsen sein", kommentierte Commerzbank-Volkswirt Matthias Rubisch. Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg räumte ein, dass er vor einem Rätsel stehe. Er bleibe aber skeptisch, "dass sich die deutsche Konjunktur von der Krise in den USA abkoppeln kann".

Wegen des unerwartet starken Geschäftsklimas äußerten sich Volkswirte skeptisch bezüglich der Aussichten auf baldige Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank (EZB). "Die Daten sind sicherlich keine Basis für Zinssenkungen", sagte Peter Vanden Houte von ING Bank. Seit Juni vergangenen Jahres hat die EZB ihre Leitzinsen nicht mehr verändert, ihr wichtigster Zins steht seitdem bei 4,00 Prozent.

Zinslockerungen bis Jahresende möglich

Ungeachtet der jüngsten Signale des EZB-Rats, die Zinsen nicht senken zu wollen, rechnen die meisten Beobachter wegen der Finanzmarktturbulenzen und angesichts der Abkühlung der Weltwirtschaft dennoch mit ein bis zwei Zinslockerungen bis Jahresende. Anfang des Monats hatte die EZB zwar ihre Inflationsprojektion für dieses Jahr angehoben, zugleich aber auch die Wachstumsprojektion gesenkt. Im Februar hatte die Inflation in der Eurozone mit 3,3 Prozent einen Rekordwert erreicht.

Der deutsche Aktienmarkt und der Euro reagierten am Mittwoch deutlich auf die Veröffentlichung des Ifo-Index. Während der Aktienmarkt nach einem schwachen Start teilweise in Plus drehte, legte die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar rund eineinhalb Cent auf über 1,57 Dollar zu.

Ralf Beunik/ddp