Bei den Beziehungen zu China steht der gemeinsame Handel nach Worten von Kanzlerin Angela Merkel im Vordergrund. Die wirtschaftliche Kooperation zähle "zweifellos zu dem wichtigsten Pfeiler der breiten Brücke, die unsere beiden Länder verbindet", sagte Merkel bei den ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen am Dienstag in Berlin.
Wirtschaft steht bei Beziehungen zu China im Vordergrund
Berlin (dapd). Bei den Beziehungen zu China steht der gemeinsame Handel nach Worten von Kanzlerin Angela Merkel im Vordergrund. Die wirtschaftliche Kooperation zähle "zweifellos zu dem wichtigsten Pfeiler der breiten Brücke, die unsere beiden Länder verbindet", sagte Merkel bei den ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen am Dienstag in Berlin. Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao forderte gegenseitigen Respekt. Nur damit könnten ideologische Differenzen in Bezug auf das jeweilige politische System überwunden werden.
Bei der Eröffnung des Deutsch-Chinesischen Forums für wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit sagte Merkel, bis 2015 sei eine Steigerung des Handelsvolumens auf 200 Milliarden Euro möglich. Derzeit beläuft sich der gemeinsame Handel den Angaben zufolge auf 130 Milliarden Euro, inklusive der Investitionen auf etwa 150 Milliarden Euro.
Als Beispiel für die Zusammenarbeit beider Länder nannte Merkel die Elektromobilität. China und Deutschland seien in diesem Bereich ideale Partner. Die CDU-Chefin kündigte den Start einer gemeinsamen Plattform Elektromobilität an.
Sie sei sich mit Wen einig, dass die Investitionsbeziehungen deutlich vertieft werden sollten, sagte Merkel. Deshalb werde man unter anderem Anlaufstellen für deutsche Investoren in China schaffen. Während Deutschland in China bisher 20 Milliarden Euro investierte, liegt die Investitionssumme der Chinesen in Deutschland bei 600 Millionen Euro. Der Betrag hat sich seit 2004 immerhin verdreifacht.
Merkel forderte allerdings auch "faire Wettbewerbsbedingungen" für deutsche Unternehmer in China. Dies spiele für das weitere Engagement eine wichtige Rolle. Vertrauen brauche es auch beim Thema geistiges Eigentum.
Die Kanzlerin ermutigte die chinesische Wirtschaft ausdrücklich, "sich noch stärker als bisher in Deutschland zu engagieren". Es gebe bereits ein großes Vertrauen zwischen beiden Ländern, darauf lasse sich aufbauen.
Wen sagte, die Kulturen beider Länder könnten sich gegenseitig befruchten, sich durch Austausch ergänzen und gemeinsam vorankommen. Es gebe natürlich Unterschiede zwischen China und Deutschland, aber das sei "ganz normal".
Damit die Zusammenarbeit weiter fruchtbar sein könne, müssten aber ein paar Regeln beachtet werden, forderte Wen. Dazu gehöre gegenseitiger Respekt, aber auch gegenseitiges Vertrauen. Sein Land hoffe, dass die gesamte Europäische Union die Zusammenarbeit mit China als Chance begreife.
Merkel und Wen hatten sich am Montagabend zum Essen getroffen. Am Dienstag nahmen beide an einem Wirtschaftsforum teil, anschließend empfing Merkel ihren Gast mit militärischen Ehren im Kanzleramt. Wen wird von 13 Ministern begleitet, von deutscher Seiten nehmen zehn Ressortchefs an dem Treffen teil.
Bei der Begegnung sollen 14 Wirtschaftsabkommen mit einem Volumen in Milliardenhöhe unterzeichnet werden. So wurde in Regierungskreisen nicht ausgeschlossen, dass es beim Thema Airbus zu einer Vereinbarung kommt. Auch die Frage der Euro-Entwicklung werde eine Rolle spielen, hieß es.
Nach den Freilassungen des chinesischen Künstlers Ai Weiwei und des Dissidenten Hu Jia dürften auch die Themen Menschenrechte und Minderheiten bei den Konsultationen angesprochen werden.
dapd
