Mittelstand Wirtschaft sorgt sich vor Engpässen im Handwerk

Eine neue Studie zeigt: Mehr als die Hälfte der mittelständischen Führungskräfte sieht in Engpässen bei Handwerksbetrieben eine direkte Gefahr für die eigene Firma.

Unverzichtbare Handgriffe: Ohne das Fachwissen des Handwerks droht in der Industrie Stillstand. - © JacZia - stock.adobe.com

Die deutsche Wirtschaft blickt besorgt auf das Handwerk. Laut dem aktuellen "R+V Resilienz-Report 2026" sehen 52 Prozent der befragten Führungskräfte im Mittelstand in einem möglichen Rückgang der Handwerkskapazitäten eine Gefahr für ihr eigenes Unternehmen. Als konkretes Beispiel für diese Bedrohung nennen sie etwa Verzögerungen bei notwendigen Reparaturarbeiten.

Besonders groß ist die Abhängigkeit in der Industrie. Hier stufen laut der Studie sogar 69 Prozent der Führungskräfte einen Kapazitätsmangel im Handwerk als Bedrohung für ihren Betrieb ein. Auch die Angestellten teilen diese Bedenken: 43 Prozent der Beschäftigten sehen schwindende Handwerkskapazitäten als Risiko.

"Die Mehrzahl der Führungskräfte und viele Beschäftigte in Deutschland wünschen sich ein leistungsfähiges Handwerk", sagt Jens Hasselbächer, Vorstand bei der R+V Versicherung. Die Studie belege, dass viele im Handwerk eine wichtige Voraussetzung für einen gesunden Mittelstand und die Widerstandskraft der eigenen Firma sehen. Dafür müssten laut Hasselbächer aber auch die politischen Rahmenbedingungen stimmen.

Stimmung im Keller, Sorgen nehmen zu

Neben der Sorge um das Handwerk drückt die allgemeine Lage auf die Stimmung. Der Studie zufolge blicken mittlerweile 29 Prozent der Führungskräfte mit Sorge in die Zukunft ihres eigenen Betriebs. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zur ersten Befragung im Jahr 2024 (17 Prozent).

Noch düsterer fällt der Blick auf die Gesamtwirtschaft aus: 69 Prozent der Chefs und 72 Prozent der Angestellten halten die deutsche Wirtschaft für stark krisengefährdet.

Unternehmen handeln zu zögerlich

Zwar bereiten sich die Firmen besser vor als noch vor zwei Jahren. Jede dritte Führungskraft gibt an, vorbeugende Maßnahmen getroffen zu haben – 2024 war es nur gut jeder Fünfte. Dennoch diagnostiziert Hasselbächer ein "Umsetzungsdefizit". Viele Firmen erkennen zwar die Gefahren, steuern aber nicht ausreichend gegen.

Ein konkretes Beispiel liefert der Report beim Thema Personal: 87 Prozent der Chefs halten die Mitarbeiterbindung für entscheidend, um Krisen zu überstehen. Tatsächlich aktiv geworden sind aber nur 60 Prozent. Diese Lücke zwischen Erkenntnis und Handeln zieht sich laut Studie durch alle Themenfelder und beträgt im Schnitt zwölf Prozentpunkte.

Großes Risiko: IT-Sicherheit und Cyberkriminalität

Ganz oben auf der Risikoliste stehen digitale Themen. 82 Prozent der Führungskräfte sehen in der Cyberkriminalität eine große Bedrohung. Bei den Haftungsrisiken belegen Verstöße gegen IT-Sicherheitsvorschriften mit 74 Prozent den Spitzenplatz, gefolgt vom Datenschutz (72 Prozent).

Trotz dieser Einschätzung handeln viele Betriebe fahrlässig. Zwar glauben 71 Prozent der Chefs, ihr Unternehmen kümmere sich stark um IT-Sicherheit. Doch nur 32 Prozent haben eine Versicherung gegen Cyberattacken abgeschlossen. Zudem bemängelt die Studie, dass grundlegende Standards oft fehlen – etwa beim Umgang mit Administratorrechten oder dem Austausch veralteter Hardware.

"Dabei sehen wir in unserem Beratungsalltag, dass die Bedrohung durch Cyberkriminelle täglich zunimmt", warnt R+V-Cyberexperte Ingo Steinwedel.

Ruf nach externer Hilfe

Angesichts der komplexen Herausforderungen suchen die Betriebe vermehrt Unterstützung. 71 Prozent der Firmenlenker glauben inzwischen, dass sie Hilfe von außen benötigen – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2024 (58 Prozent). Vor allem bei Themen wie Künstlicher Intelligenz, IT-Sicherheit und der digitalen Transformation wollen mehr als 60 Prozent der Befragten auf externe Experten zurückgreifen. fre