Die deutsche Wirtschaft hat die Europäische Zentralbank (EZB) aufgerufen, auf ihrer Sitzung an diesem Donnerstag mit einer Zinserhöhung gegen den rasanten Preisanstieg vorzugehen.
Wirtschaft fordert Zinserhöhung
Ein solcher Beschluss wäre "folgerichtig und angemessen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, der "Frankfurter Rundschau". "Die Inflation hat mittlerweile ein Niveau erreicht, bei dem es gilt, die Erwartungen der Unternehmen und der Arbeitnehmer an die Preisentwicklung zu stabilisieren oder sogar zu dämpfen", erklärte Wansleben. Er warnte zugleich vor kräftigen Lohnerhöhungen, die höhere Güterpreise nach sich ziehen würden.
Zinserhöhung so gut wie sicher
Eine Anhebung des aktuellen Zinssatzes von 4,00 Prozent auf dann 4,25 Prozent gilt angesichts der anhaltend hohen Inflation wegen der steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise als ausgemacht. Zuletzt hatte die EZB die Zinsen Anfang Juni vergangenen Jahres um 25 Basispunkte auf 4,00 Prozent angehoben.
Zahlreiche Politiker, allen voran Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), hatten in den vergangenen Tagen vor einer Leitzinserhöhung gewarnt. Sie befürchten, dass höhere Zinsen das sich abschwächende Wirtschaftswachstum noch stärker bremsen könnten. Industrievertreter mahnten hingegen eine Zinserhöhung an, um die hohe Inflation einzudämmen. Im Juni waren die Verbraucherpreise in der Eurozone um vier Prozent gestiegen.
CSU-Chef Erwin Huber rief Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) auf, nicht mit unbedachten Äußerungen die Unabhängigkeit der Geldpolitik zu gefährden. "Ich kann Steinbrück nur davor warnen, politischen Druck auf die Europäische Zentralbank auszuüben", sagte Huber. Nur eine unabhängige Zentralbank könne für Preisstabilität sorgen und die Inflationsgefahr wirksam bekämpfen.
Verbraucher profitieren von steigenden Leitzinsen durch eine höhere Verzinsung von Sparguthaben. Allerdings erfolgt die zumeist mit einer deutlichen Verzögerung. Darlehen und Kredite werden für Verbraucher dagegen teurer, und das meist direkt nach einem EZB-Zinsschritt.
ddp
