Ausbildung Wirtschaft fehlt Lehrlingsnachwuchs

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist besser als erwartet. Die Partner des Ausbildungspaktes zogen für das Jahr 2009 eine positive Bilanz und wollen die Vereinbarung über den Herbst 2010 hinaus verlängern.

Wirtschaft fehlt Lehrlingsnachwuchs

"Unser Ziel ist, den Pakt mit neuen Akzenten weiterzuführen", sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Der Pakt solle mindestens noch für die Jahre 2011 und 2012 gelten und dabei vor allem die Fachkräftesicherung im Blick haben. Dabei wollen sich die Paktpartner angesichts des demographischen Wandels verstärkt um benachteiligte Jugendliche, wie etwa um Jugendliche mit Migrationshintergrund, kümmern.

"Jugendliche müssen spüren, dass ihre Arbeit etwas Wert ist"

Auch nach Ansicht von ZDH-Präsident Otto Kentzler führt an gezielter Förderung kein Weg vorbei. "Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt hat sich deutlich verändert", sagte er. "Es fehlt nicht an Lehrstellen, es fehlt an geeigneten Bewerbern." Alle Jugendliche müssten deshalb mit ihren Potenzialen in den Blick genommen werden. Auf der einen Seite seien dies leistungsschwache und benachteiligte Jugendliche. Auf der anderen Seite seien dies aber auch besonders leistungsstarke Jugendliche. Auch sie müssten im stärkeren Ausbildungs-Wettbewerb für die duale Ausbildung begeistert werden. Die Imagekampagne des Handwerks wolle hier ansetzen und die verschiedenen Berufsbilder und Perspektiven im Handwerk zeigen. Kentzler machte aber auch klar, dass Betriebsinhaber selbst aktiv um ihren Nachwuchs werben müssten. Außerdem sollten die Betriebe nach Tarifverträgen bezahlen. "Die Jugendlichen müssen spüren, dass ihre Arbeit etwas Wert ist", ergänzte er.

Wie stark sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt verändert hat, zeigen auch die Zahlen für das Ausbildungsjahr 2009/2010. So ging die Zahl der neuen Ausbildungsplätze im Handwerk in Ostdeutschland vor allem wegen der demographischen Entwicklung um 13,9 Prozent auf 23.740 zurück. In Westdeutschland machte sich neben der demographischen Entwicklung auch die Wirtschaftskrise bemerkbar. Hier nahmen Ausbildungsverträge um 6,3 Prozent auf 133.539 ab. Unter dem Strich ging die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im Handwerk um 7,5 Prozent auf 157.279 zurück, wobei rund 10.000 Stellen unbesetzt blieben, wie ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke sagte. Auch in anderen Wirtschaftsbereichen blieben Stellen offen, gleichzeitig mussten manche Betriebe ihr Ausbildungsangebot angesichts der Wirtschaftskrise kürzen, so dass insgesamt die Zahl der Ausbildungsverträge um 8,2 Prozent auf 566.000 abgenommen hat.

Ausblick für 2010/2011

Auch für das angelaufene Jahr 2010/2011 gehen die Paktpartner von weiter rückläufigen Zahlen aus. Schwannecke hofft, dass der Rückgang nicht ganz so stark ausfällt wie im vergangenen Jahr.

bir