Frankenwein aus der Vakuumverpackung entzweit die Winzer - Bei vielen Verbrauchern kommt er gut an Wirbel um den "Tütenwein"

Für Freunde des klassischen Frankenweins ist das zylindrische Gefäß ein Kulturschock. Der Geschäftsführer von Divino Nordheim, Markus Schoebel, klappt an der Außenseite des "Bag in Tube" (BIT) einen kleinen Zapfhahn aus. Mit einem Druck fließt der Rosewein ins Glas...

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Wirbel um den "Tütenwein"

Nordheim (dapd). Für Freunde des klassischen Frankenweins ist das zylindrische Gefäß ein Kulturschock. Der Geschäftsführer von Divino Nordheim, Markus Schoebel, klappt an der Außenseite des "Bag in Tube" (BIT) einen kleinen Zapfhahn aus. Mit einem Druck fließt der Rosewein ins Glas. Die Nordheimer Winzer bieten seit Oktober 2010 das Drei-Liter-Gebinde aus Karton an, in dessen Inneren ein Vakuumbeutel den Wein frisch hält. Kritische Winzer spotten über den "Tütenwein", doch bei Verbrauchern kommt er gut an.

Geschäftsführer Schoebel sagte: "Es lief viel besser, als wir gedacht hatten." Von den Packungen namens "Pink Romance", "Red Romance" und "White Romance" seien inzwischen gut 7.000 verkauft worden. Seit Mitte März biete man die neue Form für Rotling, Weiß- und Rotweincuvée auch über den Lebensmittelhandel an. Dabei liefen die Anfänge eher im Stillen. "Wir haben gesagt: Ball flach halten und nicht groß damit in die Öffentlichkeit gehen", blickt er zurück.

Die Innovation sorgt mittlerweile für Unruhe in den fränkischen Weingütern. Winzer Hans Ruck aus Iphofen etwa reagiert mit Kopfschütteln auf den Zylinder, er will weiter auf die Flasche setzen: "Ich würde meinen Wein nie in eine Schachtel füllen." Schließlich sei der Rebensaft ein Kulturgetränk und werde es hoffentlich auch bleiben. Ruck bezeichnet den BIT als "Gag" und sorgt sich allgemein um den Ruf des Frankenweins: "Ich sehe das nicht unbedingt als ein Qualitätsmerkmal."

Schoebel sieht die Kritik gelassen. "Die Ablehnung ist anfangs da. Wenn die Leute aber das Erlebnis hatten, sieht es ganz anders aus." Speziell für Wenigtrinker sei das neue Gefäß besonders geeignet, "denn man hat immer einen frischen Wein". Nach dem Anbruch schmecke dieser noch vier Wochen lang frisch.

Dies ist nicht nur ein subjektiver Eindruck. Nach Angaben von Hermann Kolesch, Vizepräsident der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim, bekamen 25 Experten bei einer Verkostung Rebensaft sowohl aus einem schon länger geöffneten BIT als auch aus einem erst "angezapften" Behältnis. Keiner habe den Unterschied bemerkt, fasst Kolesch das Ergebnis zusammen. "Vier bis sechs Wochen bleibt der Wein auf jeden Fall frisch. Selbst eine Literflasche mit Schraubverschluss hält mit Sicherheit nicht so lange."

Divino füllt inzwischen auch für einige kleinere Winzerbetriebe ab, doch flächendeckend wird sich das neue Gebinde aus Karton wohl weniger durchsetzen als etwa der Schraubverschluss. "Die Flasche gehört in Deutschland schon noch zur Trinkkultur dazu", räumt Schoebel ein.

dapd