Energiepreise belasten Handwerk "Wir zahlen dieses Jahr gut doppelt so viel für Strom"

Die hohen Energiepreise lassen manchen Handwerker derzeit nicht mehr ruhig schlafen. Ob bei Strom, Gas oder Treibstoffen – überall ging es in den vergangenen Wochen nach oben. Wer jetzt neue Verträge mit dem Strom- oder Gasversorger aushandeln muss, sieht sich mit deutlich höheren Tarifen konfrontiert.

Ofen in einer Bäckerei: Viele Handwerksbetriebe haben mit steigenden Energiepreisen zu kämpfen. - © chris32m - stock.adobe.com

Jörg Dresel ist Inhaber einer Industrielackiererei mit 45 Mitarbeitern. Im Jahr verbraucht sein Betrieb 1,4 Millionen Kilowattstunden Strom. "Wenn sich dann mein Strompreis verfünffacht, sind das Mehrkosten von rund 250.000 Euro", sagt er. Noch im vergangenen Jahr habe er zwischen vier und fünf Cent pro Kilowattstunde bezahlt, inzwischen sind es nunmehr rund 25 Cent. "Das verkraftet kein Betrieb, hier muss die Politik etwas tun", fordert Unternehmer Jörg Dresel.

Auch Bäckermeister Nico Englert aus dem badischen Elztal-Dallau spürt den Strompreisanstieg. "Wir zahlen dieses Jahr gut doppelt so viel für Strom wie vergangenes Jahr", sagt er. 2021 habe er für eine Kilowattstunde 5,6 Cent für den reinen Strom-Energiepreis bezahlt, für dieses Jahr müsse er mit 12,1 Cent rechnen. Glücklicherweise hat er seinen Vertrag 2022 nicht erst im Dezember abgeschlossen, sonst wäre es auch bei ihm mehr geworden. Doch auch er hat bei einem Jahresverbrauch von rund 170.000 Kilowattstunden rund 11.050 Euro an Mehrkosten. Und dabei ist die niedrigere EEG-Umlage schon eingerechnet.

Preise für Gas haben sich verfünffacht

Die Gründe für den Anstieg der Preise sind vielfältig: "Vor allem hat mit der wirtschaftlichen Erholung die Nachfrage 2021 stark angezogen, besonders in Asien", sagt Energieexperte Andreas Fischer vom Wirtschaftsforschungsinstitut IW in Köln. Gleichzeitig habe das Angebot nicht in gleicher Weise erhöht werden können etwa durch europäische Förderländer wie Norwegen oder die Niederlande. "Wie es weitergeht, ist schwer zu sagen", fügt er mit Blick auf den schwelenden Konflikt in der Ukraine hinzu. Mittlerweile werde aber wieder mehr Flüssiggas nach Europa gebracht, vor allem aus den USA. Auch sei der Winter bisher relativ mild ausgefallen. Klar sei allerdings schon jetzt, dass Erdgas auf mittlere Sicht vor dem Hintergrund der Energiewende und dem Atom- und Kohleausstieg eine wichtige Rolle zu­komme.

Dabei schlägt der hohe Gaspreis schon heute auf den Strompreis durch und ist neben den höheren Kosten für Kohle der Hauptgrund für das Anziehen der Preise, wie IW-Forscher Andreas Fischer erläutert. Im Jahresdurchschnitt habe der Großhandelspreis 2021 drei mal so hoch gelegen wie ein Jahr zuvor. Hinzu kommen die höheren Preise für C02-Emissionsrechte, die Kraftwerksbetreiber kaufen müssen. Tendenz steigend.

EEG-Umlage bereits früher abschaffen

Handwerksunternehmer Englert selbst will in energieeffizientere Kühlhäuser und sukzessive in neue Elektro-Fahrzeuge investieren. Denn auch der Diesel hat jüngst Höchststände erreicht. Und bei Benzin sieht es nicht viel besser aus. Hier haben die hohe Preise für Rohöl infolge der weltweiten wirtschaftlichen Erholung in den vergangenen Monaten für hohe Preise gesorgt.

Und weil bei Bäckermeister Englert nicht nur höhere Preise für Strom und Diesel zu Buche schlagen, sondern auch Backzubehör wie Mehl deutlich teurer geworden ist, wird er für Brot und Brötchen mehr verlangen müssen. "Es bleibt uns gar nichts anderes übrig, als die Preise zu erhöhen", sagt der Handwerker. Auch Dresel müsste von den Kunden mehr verlangen, wird nach eigener Einschätzung mit seiner Industrielackiererei höhere Preise am Markt aber nur "schwer durchsetzen" können.